merken
PLUS Riesa

Aus Eifersucht das Auto zertrümmert

Die wirre Tat eines Zeithainers entpuppt sich vor Gericht als Beziehungs-Ausraster.

Mit dem Fäustel zerlegte ein Zeithainer das Auto eines mutmaßlichen Widersachers. (Symbolfoto)
Mit dem Fäustel zerlegte ein Zeithainer das Auto eines mutmaßlichen Widersachers. (Symbolfoto) © Polizeirevier Meißen

Riesa/Zeithain. Hört man allein dem Angeklagten zu, bleibt nichts als Verwirrung. Warum Felix H. das Auto eines Bekannten demoliert hat? Es ist, als spielte man ein Aufnahmeband im Schnelldurchlauf ab – nur ohne Mäusestimme. 

Richterin Ingeborg Schäfer muss den Zeithainer mehrmals unterbrechen und mit Zwischenfragen ein wenig Ordnung ins Aussagechaos bringen. Er habe befürchtet, dass der geschädigte Bekannte einen anderen Bekannten bedroht. Und weil letzterer nicht auf Felix H.s Handyanrufe reagierte, habe er den Kontakt mit der Methode „Fäustel trifft Autoscheibe“ erzwingen wollen.

Augusto
Leben und Genuss
Leben und Genuss

Für Genießer genau das Richtige! Leckere Ideen, Lebensart, Tradition und Trends gibt es in der Themenwelt Augusto.

Das ist natürlich Quatsch. Wie sich durch die Zeugenaussage des Autobesitzers herausstellt, war wohl eher Eifersucht das Motiv. Felix H.s Lebensgefährtin hatte sich vor Kurzem von ihm getrennt. Sie hielt sich zum Zeitpunkt der Tat in der Wohnung eines Nachbarn auf. 

Dieser Nachbar wurde nun vom Geschädigten, nennen wir ihn Ronny, besucht. Felix hielt Ronny offensichtlich für den „Neuen“ seiner Ex. Nach ungefähr sechs Bier wollte er wohl wissen, was sich in der Nachbar-Wohnung abspielt. Und als dieser nicht ans Telefon ging, machte Felix auf andere Art auf sich aufmerksam.

Erst die Spiegel, dann die Scheiben

Zunächst trat er gegen die Seitenspiegel des Skoda Octavia bis diese abbrachen. Später holte er den Hammer und zerlegte die Autoscheiben. Dann nahm er Ronnys Handy von der Mittelkonsole und knallte es auf den Boden. Bei der Aktion soll noch ein weiteres Handy verschwunden sein, das sich unterm Fahrersitz befand. Aber der Angeklagte streitet ab, etwas damit zu tun zu haben.

Bei der Verhandlung vorm Riesaer Amtsgericht geht es um eine Sachbeschädigung in Höhe von mehr als 3.000 Euro. Das ist kein Pappenstiel. Und wenn man, wie der Angeklagte, ein ellenlanges Vorstrafenregister hat und überdies noch unter Führungsaufsicht steht, ist der Knast nicht weit.

Das fordert die Staatsanwaltschaft dann auch: sieben Monate Freiheitsstrafe ohne Bewährung wegen Sachbeschädigung und Diebstahl. Das scheint Felix H. aber nicht besonders anzufechten. „Frau Richterin, entscheiden Sie einfach“, sagt er gönnerhaft, als ihm vor der Urteilsverkündung noch eine letzte Bemerkung eingeräumt wird.

Frechheit siegt

Als Beobachter kann man sich eines Schmunzelns über so viel Dreistigkeit nicht erwehren. Und auch die Richterin scheint nicht ganz unbeeindruckt von der Chuzpe des Angeklagten. Auf alle Fälle erspart sie ihm das Gefängnis und spricht nicht einmal eine erneute Freiheitsstrafe auf Bewährung aus, wie sie die Verteidigung beantragt hat. Felix H. muss nur eine Geldstrafe in Höhe von 2.400 Euro zahlen. 

Da er einen Job hat, wird das dem Zeithainer nicht allzu schwerfallen, sofern ihm sein chaotisches Wesen keinen Streich spielt. Frechheit, gepaart mit unfreiwilligem Humor, siegt manchmal eben doch.

Mehr lokale Nachrichten aus Riesa lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Riesa