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Aus Fällen werden wieder Menschen

Seit gestern arbeitet in Rothenburg die dortige Jugendhilfe-Agentur mit den Mitarbeitern des Allgemeinen Sozialen Dienstes (ASD) beim Jugendamt gemeinsam in einem Gebäude. Damit ist ein großer Schritt in Richtung einer Dezentralisierung des ASD gemacht.

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„Das ist ein irrer Tag für mich“, sagt Jugendamtsleiter Olaf Bookhold. „Heute wird das umgesetzt, wovon wir seit 1999 reden.“ Der Anlass seiner Begeisterung war von außen gesehen relativ unspektakulär. Mit Ulrike Woithe und Herbert Knobloch bezogen gestern zwei Mitarbeiter des Allgemeinen Sozialen Dienstes (ASD) beim Jugendamt des Landkreises offiziell ihre neuen Büroräume im rent-Haus am Schlossplatz in Rothenburg. Bisher lagen die im Landratsamt. Der Allgemeine Soziale Dienst berät unter anderem Familien in Problem- oder Konfliktlage, vermittelt Hilfen zur Erziehung, ergreift Schutzmaßnahmen für Kinder und Jugendliche.

ASD soll

dezentralisiert werden

Bei näherem Hinsehen vollzog sich hier tatsächlich Ungewöhnliches. Der Allgemeine Soziale Dienst im Landkreis soll nämlich dezentralisiert werden, die Angebote und Ansprechpartner näher am Bürger sein. Und – was womöglich noch wichtiger ist – er soll enger mit den vor anderthalb Jahren eingerichteten Jugendhilfeagenturen zusammenarbeiten. So sieht es auch die Planung zur Umstrukturierung der Jugendhilfe vor. In Rothenburg arbeiten beide Institutionen ab sofort im gleichen Gebäude, die Büros nur durch wenige Schritte getrennt.

Früher und besser

helfen können

„Wir hoffen so, betroffenen Bürgern früher und besser Hilfestellung geben zu können“, erklärt dazu Thomas Kucharek, Diplom-Sozialpädagoge in der Jugendhilfe-Agentur Rothenburg. „Schon alleine dadurch, dass jetzt die Informationen von beiden zusammenfließen, bekommen wir ein viel umfassenderes Bild der Situation und der Probleme.“ „Der Bürger soll wieder als ganzer Mensch und nicht mehr als Fall behandelt werden können“, ergänzt Bookhold. Ihre Arbeitszeit können sich die ASDler je nach Bedarf zwischen 6.30 und 24 Uhr flexibel einteilen.

Nicht ganz ohne

Vorbehalte

Rothenburg ist die erste der insgesamt sieben Jugendhilfeagenturen, die mit dem zuständigen ASD vor Ort unter einem Dach arbeiten. Zum Jahreswechsel sollen die anderen sechs folgen. „Bis dahin können die Kinderkrankheiten oder auch größeren Probleme, die sich hier in Rothenburg vielleicht ergeben, ausgeräumt werden“, glaubt Katja Barke, die Sachgebietsleiterin des ASD.

Ganz ohne Vorbehalte gehen die Mitarbeiter nicht in dieses Projekt. „Wir werden aus einem bestehenden, gut laufenden Team heraus gerissen für etwas, von dem wir noch nicht wissen, ob es laufen wird“, sagt Ulrike Woithe. Ebenfalls problematisch könnte sein, dass die beiden Mitarbeiter des ASD neben Rothenburg jeweils eine weiter Jugendhilfe-Agentur (Bad Muskau beziehungsweise Reichenbach) bedienen und sich somit auf gleich zwei neue Teams einstellen müssen. „Auf uns alle kommt eine anspruchsvolle Aufgabe zu“, findet Herbert Knobloch. „Wenn wir lernen, uns jeweils in das Aufgabenfeld des anderen einzufühlen, können davon alle nur profitieren.“

Lobende Worte

für den Martinshof

Sehr lobende Worte fand Olaf Bookhold für den Träger der Jugendhilfe-Agentur in Rothenburg, den Martinshof: „Sie haben sich voll auf diese Probephase eingelassen, uns attraktive Räume zur Verfügung gestellt und alle Beratungen mit uns absolut ergebnisorientiert geführt.“