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Aus für Bürgerarbeit

Für viele Städte und Vereine sind die zusätzlichen Helfer ein Segen. Doch Ende des Jahres ist damit Schluss.

Von Peggy Zill

Noch haben die vier Bürgerarbeiter, die im Waldheimer Kulturzentrum angestellt sind, jeden Tag eine Aufgabe. Sie recherchieren zum Beispiel für Sonderausstellungen und helfen beim Aufbau, sie betreuen Besucher oder dokumentieren das Museumsgut. Sie kontrollieren das Besucherbergwerk „Kellerberg“ und pflegen Ehrengräber. Weil der Bund das Projekt Bürgerarbeit auf drei Jahre beschränkt hat, haben diese Arbeiten aber bald ein Ende. Schon nächste Woche läuft die erste Stelle im Kulturzentrum aus. Bürgermeister Steffen Blech (CDU) bedauert das. „Die Bürgerarbeiter haben uns sehr geholfen. Die Frage ist, wie es jetzt weitergehen soll.“ Auch Katja Treppschuh, Leiterin des Kulturzentrums, bewertet das Projekt durchweg positiv. „Die Politik ist gefragt, schnellstmöglich ein Anschlussprogramm zu entwickeln und umzusetzen, da es sonst nicht möglich ist, unsere kulturellen Angebote in der bisherigen Vielfalt beizubehalten“, befürchtet sie.

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Verein zahlt jetzt für Ehrenamtliche

Allein in Mittelsachsen gibt es 313 Stellen für Bürgerarbeiter. Seit Anfang 2011 haben Kommunen, Vereine und Unternehmen rund 11,5 Millionen Euro erhalten. Für die Region Döbeln wurden für 108 Bürgerarbeitsplätze fast vier Millionen Euro bewilligt. Die Männer und Frauen helfen in Tierheimen, arbeiten mit Jugendlichen oder pflegen Fußballstadien. Wie zum Beispiel beim Döbelner SC. Hier ist die Förderung für vier Stellen schon Ende März ausgelaufen. „Dabei brauchen wir die Leute unbedingt“, sagt Präsident Roland Kühne. Die Bürgerarbeiter haben zum Beispiel auch die Kinder zum Training abgeholt. „Die hatten alle vier immer gut zu tun.“ Auf die Hilfe verzichten kann der Verein deshalb nicht und hat drei der Bürgerarbeiter behalten. Für die ehrenamtliche Tätigkeit bekommen diese monatlich 150 Euro, ohne Angst haben zu müssen, dass ihnen deshalb das Arbeitslosengeld gekürzt wird. Den DSC kostet das allerdings jährlich fast 5 500 Euro. „Das kann auf Dauer keine Lösung sein“, sagt Roland Kühne. Es müsse dringend eine neue Förderung geben.

Darüber würde sich auch die Verkehrswacht für das Muldental freuen. Bis zum Jahresende sichern drei Bürgerarbeiter Veranstaltungen gab und übernehmen viele Aufgaben, die sonst noch anfallen, wie das Herrichten des Übungsplatzes in Döbeln. „Die Besuche in Schulen und Kitas sind zusätzliche Angebote, die wir sonst nicht absichern können“, erklärt Evelyn Ernst vom Vereinsvorstand, die hofft, dass es eine weiterführende und eventuell auch länger andauernde Förderung geben wird. Jemanden dafür einzustellen, könne sich die Verkehrswacht nicht leisten.

Roßwein bekommt einen Weinberg

Dabei ist genau das ein Ziel der Bürgerarbeit gewesen: erwerbsfähige Arbeitslose in den ersten Arbeitsmarkt integrieren. Eine Statistik, wie oft das gelungen ist, kann das Jobcenter Mittelsachsen nicht liefern. „Aus unserer Sicht wird das Programm positiv bewertet,“ sagt Annett Voigtländer vom Jobcenter dennoch. Denn durch die Bürgerarbeit konnten Fördergelder in die Region gebracht werden. “Damit wurden Aufgaben und Tätigkeiten finanziert, die ansonsten nicht durchführbar gewesen wären.“ Ein interessantes Beispiel sei der Roßweiner Weinberg. Seit Mai 2011 kümmert sich eine Bürgerarbeiterin um die Planung der Arbeitseinsätze und packt auch selbst mit an. Außerdem gestaltet sie Projekttage zum Weinberg mit Roßweiner Schulen und dokumentiert die Entwicklung von einer verwilderten Fläche zum Weinberg. Das bringt laut Jobcenter nicht nur etwas für die Vereine oder Kommunen. „Die Teilnehmer hatten die Chance, Berufserfahrungen zu sammeln, am Arbeitsleben teilzuhaben, Kenntnisse und Fähigkeiten zu erweitern“, zählt Annett Voigtländer auf.

Das Modellprojekt Bürgerarbeit war für die Bundesregierung die Möglichkeit, neue Vermittlungsansätze zu erproben. Aufgrund der zugrunde liegenden Fördermodalitäten und dem Ziel der Vermittlung in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung ist das Projekt von vorneherein befristet angelegt worden.