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Aus für den neuen Dorfplatz?

Mitten in Pesterwitz sollte ein neues Zentrum entstehen. Doch nach Kritik an den Plänen denkt der Investor jetzt um.

© Andreas Weihs

Von Tobias Winzer

Freital. Seniorengerechte Wohnungen, Praxen, Läden, ein Café und davor ein großer öffentlicher Platz. So sollte das neue Zentrum im Freitaler Ortsteil Pesterwitz aussehen. Doch nachdem Ortschaftsrat Steffen Frost (AfD) die Umstände des Projektes kritisiert hat (die SZ berichtete), denkt der Investor jetzt um. „Einen öffentlichen Platz in der bislang geplanten Form wird es nicht mehr geben“, sagte Ortsvorsteher Wolfgang Schneider (CDU) in der Ortschaftsratssitzung am Montagabend. Wie konnte es zu der Absage kommen?

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Über das Projekt an der Ecke Dorfplatz/Elbtalblick wird schon seit 2011 diskutiert. Geleitet wird das Gesamtprojekt von Volker Friedrich. Er arbeitet im Auftrag der Sozialen Dienste Pesterwitz, dem Investor. Friedrich ließ die alten Gärtnereibauten abreißen und entwickelte einen Bebauungsplan für das Grundstück. Klaus Mättig, damals noch Oberbürgermeister der Stadt Freital und selbst Pesterwitzer, kontaktierte Friedrich. Mättig wollte einen Teil des privaten Grundstücks als öffentlichen Platz gestalten und dafür auch Geld bereitstellen. Jahrelang passierte nichts. Erst im aktuellen Haushaltsplan für dieses Jahr wurden insgesamt 300000 Euro für die Gestaltung des Dorfplatzes eingestellt.

Andere Projekte haben Priorität

Das wiederum gefiel Steffen Frost nicht. Der Pesterwitzer, der im Kreisrat sitzt und früher Ortsvorsteher des Freitaler Ortsteiles war, findet, dass hier ein Privatvorhaben zu Unrecht mit öffentlichen Steuermitteln bezuschusst werden soll. „Wenn man als Investor so ein Projekt nicht stemmen kann, muss man es eben sein lassen und das Grundstück wieder verkaufen“, sagte er.

Frost will deshalb die insgesamt 300000 Euro für den Dorfplatz im Haushalt streichen und für andere Projekte in der Ortschaft verwenden. Er beruft sich dabei auch auf eine Prioritätenliste, die der Ortschaftsrat im Sommer 2015 beschlossen hatte und bei der die Dorfplatzgestaltung erst an zehnter Stelle auftauchte.

Diese Kritik und das jahrelange Warten auf die finanzielle Zusage der Stadt haben Friedrich nun dazu veranlasst, den öffentlichen Platz aus dem Projekt zu streichen. So hieß es am Montagabend im Ortschaftsrat. Friedrich selbst war nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Bereits im November habe er der Stadtverwaltung in einem Schreiben mitgeteilt, dass er sein Vorhaben ohne den öffentlichen Platz umsetzen wolle, sagte Ortsvorsteher Schneider. Das war damals die Reaktion auf einen Vertrag, den das Rathaus Friedrich vorgelegt hatte. In diesem hieß es, dass er bei der Gestaltung des Dorfplatzes nicht inhaltlich mit einbezogen werden sollte. Anschließend gab es aber Gespräche zwischen Stadt und Friedrich, um diesen Passus wieder zu ändern. Diese Verhandlungen sind nun erst einmal unterbrochen. Wie geht es nun weiter?

Baubeginn ist noch offen

Das konnte am Montagabend im Ortschaftsrat niemand so genau sagen. Der Investor will nun einen veränderten Bebauungsplan und einen Bauantrag für das Grundstück bei der Verwaltung einreichen, so der Ortsvorsteher. Je nachdem wie groß die Abweichungen von den bisherigen Plänen seien, müsste das Konzept vor der Genehmigung noch einmal öffentlich ausgelegt werden. Wann mit den Bauarbeiten für die seniorengerechten Wohnungen begonnen wird, ist offen.

Offenbar gibt es aber auch für einen öffentlichen Platz noch eine Chance. Wie Schneider mitteilte, gebe es Gespräche zwischen den Sozialen Diensten und Oberbürger Uwe Rumberg (CDU). Fest steht wohl, dass der Dorfplatz nicht mehr von der Stadt gebaut werden soll. Es könnte aber sein, dass vor den geplanten Wohn- und Geschäftshäusern eine parkähnliche Fläche entsteht, die dann auch öffentlich zugänglich ist und nicht mit einem Zaun abgesperrt wird.

„Ich finde es schade, dass wir uns jetzt die Chance auf den Dorfplatz verbaut haben“, sagte Ortschaftsrat Lutz Grohmann (parteilos) am Montag. Mehrere Ortschaftsräte kritisierten Frost für seine Darstellung der Dinge. Es sei der Eindruck entstanden, dass er für den gesamten Ortschaftsrat spreche, hieß es. Das sei nicht der Fall.