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Aus für die Badewanne

Bautzen. Nach über hundert Jahren schließt die alte Schwimmhalle.

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Von Christoph Scharf

„Könnt Ihr Euch nicht trennen? Ich habe eine Erdbeertorte zu Hause!“ Ohne gute Argumente gelingt es Gabriele Schlicke nicht, ihre beiden Töchter aus der Schwimmhalle an der Rosenstraße herauszulocken. Die drei sind am letzten Tag noch einmal hergekommen, weil die neunjährige Sandra beim Schwimmen ihre Badelatschen vergessen hatte. Jetzt wollen die beiden Mädchen gar nicht mehr vom Becken weg, obwohl sie heute sowieso nicht mehr ins Wasser können. „Ja, auf das Schulschwimmen hat sich Sandra immer mächtig gefreut“, erklärt die Mutter. Die 42-Jährige hat selbst im Spreebad Schwimmen gelernt, „aber der Schwangeren-Sport hier war immer sehr schön.“ Auch wenn man dem Bad den Zahn der Zeit ansieht. Die türkisen, blauen und beigen Fliesen sind nicht mehr die neuesten, auch die Decke hat schon bessere Tage gesehen. „Aber wir hatten nie schwerwiegende Probleme. Der Großteil der Technik wurde Anfang der neunziger Jahre auf modernen Stand gebracht. Doch der Unterhalt wurde einfach zu teuer“ erklärt Schwimmmeister Uwe Graff. Er ist froh, dass zum Beginn des nächsten Schuljahres die neue Halle im Gesundbrunnen eröffnet wird. „Dort haben wir sechs 25-Meter-Bahnen.“ Viele Rentner seien traurig über den Abschied von der alten Badewanne. „Etliche kamen Jahrzehnte her zum Baden. Da haben sich richtige Gemeinschaften gebildet. Mit der neuen Halle müssen sie sich erst anfreunden“ erklärt Graff. Zur Weihnachtszeit gab es Schwimmen im Kerzenschein - im Röhrscheidtbad im Gesundbrunnen geht das wohl nicht mehr. Was mit der Halle in der Rosenstraße künftig geschehen soll, kann die Bautzener Bau- und Betriebsgesellschaft noch nicht sagen.