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Aus für Hochschule, aber die Studenten bleiben

Die Evangelische Hochschule Moritzburg ist ab Ende August Geschichte. Studiert wird an dem traditionsreichen Ort dennoch weiter.

Im Evangelischen Aus- und Weiterbildungszentrum werden auch künftig junge Frauen und Männer studieren. Eine eigenständige Hochschule wird es allerdings hier nicht mehr geben.
Im Evangelischen Aus- und Weiterbildungszentrum werden auch künftig junge Frauen und Männer studieren. Eine eigenständige Hochschule wird es allerdings hier nicht mehr geben. © Arvid Müller

Moritzburg. Freitagmittag wird im modernen Hochschulgebäude in der Nähe des Moritzburger Bahnhofs ein Vertrag unterzeichnet. Mit diesem, so schreibt das Evangelisch-Lutherische Landeskirchenamt Sachsens in einer Pressemitteilung, finde die langjährige Hochschulentwicklung im Raum der Evangelischen Landeskirche ihren vorläufigen Abschluss.

Im Klartext heißt das: Die Evangelische Hochschule Moritzburg in Trägerschaft des Moritzburger Diakonenhauses e. V. gibt es künftig nicht mehr. „Das Studium verbleibt allerdings am Standort und wird ab 1. September als Außenstelle der Evangelischen Hochschule Dresden weitergeführt“, sagt Prof. Dr. Thomas Knittel, Vorsteher des Diakonenhauses.

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Kernbestand des Vertrages zwischen der Stiftung Evangelische Hochschule Dresden, der sächsischen Landeskirche und dem Diakonenhaus Moritzburg e.V. sind notwendige Regelungen, die es möglich machen, dass künftig weiterhin ein Studium der Evangelischen Religions- und Gemeindepädagogik in Moritzburg angeboten werden kann. Künftig wird dies dann in der Zuständigkeit der Evangelischen Hochschule Dresden weitergeführt und entwickelt, heißt es in der Pressemitteilung weiter.

Neu wird dabei auch sein, dass der Studiengang statt derzeit sieben künftig acht Semester umfasst, so Thomas Knittel. In Aussicht gestellt sei, dass dieser zunächst für acht Jahre genehmigt wird.

Kosten sollen reduziert werden

Der gemeinsamen Unterzeichnung des Vertrages vorausgegangen ist eine mehrjährige Prüfung und Beratung eines vom Landeskirchenamt eingesetzten Hochschulentwicklungsrates, ist weiter zu lesen. Und: „In diesem Rat ist gemeinsam mit den amtierenden Rektoren sowie externer Fachleute nach Wegen einer gemeinsamen Hochschulentwicklung der evangelischen Hochschulen im Raum der Landeskirche gesucht worden.“

Unterm Strich geht es bei der Zusammenlegung aber wohl vor allem um eine Reduzierung der Kosten. Das bestätigt auch der Vorsteher des Moritzburger Diakonenhauses. „Welchen Effekt sie aber wirklich bringt, weiß ich nicht. Mich hat es nur bedingt überzeugt.“ Denn der Moritzburger Studiengang werde zu 100 Prozent von der Landeskirche finanziert. „Daran ändert sich auch künftig nichts.“ Das Diakonenhaus werde den Prozess aber konstruktiv begleiten.

Es sei für die Kirchgemeinden und Einrichtungen der Landeskirche in Sachsen und für den Auftrag der Kirche insgesamt sehr bedeutsam, dass für Interessenten an einem Studium der Evangelischen Religions- und Gemeindepädagogik in Sachsen weiterhin ein praxisorientiertes Studium an einem attraktiven Studienstandort möglich ist, sagt Oberlandeskirchenrat Burkart Pilz.

„Wir sind als Kirche und Diakonie nach wie vor angewiesen auf Menschen mit hohem Fachwissen und breiter Qualifikation. Die Kontexte für kirchliche und diakonische Aufgaben in und für unsere Gesellschaft bleiben anspruchsvoll und benötigen hohe Qualität in der Ausbildung. Ich bin sehr dankbar, dass wir diesen Weg mit den evangelischen Hochschulen finden konnten.“

Ideeller Verlust für das Diakonenhaus

Finanziell habe der Verlust der Hochschule für das Diakonenhaus nicht so große Konsequenzen, so Vorsteher Knittel. Ideell dagegen schon. „Wir haben die Hochschule ja nicht ohne Grund betrieben. Die Ausbildung ist ein wesentlicher Vereinszweck.“ Auch wenn es weiterhin eine Zusammenarbeit geben soll, werde der Einfluss auf die Ausbildung doch geringer.

In Moritzburg waren über viele Jahrzehnte männliche Diakone ausgebildet worden. „Gleich nach der Wende hatte das Diakonenhaus die staatliche Anerkennung beantragt, die in der DDR nicht möglich war“, so Thomas Knittel. Übrigens gemeinsam mit dem Amalie-Sieveking-Haus in Radebeul, das die Frauen ausbildete. Allerdings habe der Prozess der Anerkennung als Fachhochschule bis 1992 gedauert, während die Evangelische Hochschule Dresden 1991 gegründet wurde.

„Mit unserer Hochschule ist es so, wie wenn Kinder erwachsen werden“, ergänzt der Vorsteher des Diakonenhauses. Doch mit der im Vorjahr in Moritzburg gestarteten Evangelischen Schule für Sozialwesen hat der Verein ja bereits ein neues Kind, das noch viel Aufmerksamkeit erfordert.

An den Plänen für den Ausbau der Gebäude Am Knabenberg ändere sich mit dem Aus für die Hochschule jedenfalls nichts. „Wir denken, dass die geplante Zusammenarbeit zwischen den beiden Einrichtungen auch unter den veränderten Gegebenheiten weiter möglich sein wird.“

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