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Aus für Polit-Diskussionen

Jedes Jahr hat das Bündnis für Demokratie Podiumsdebatten ausgerichtet. Ausgerechnet im Superwahljahr macht der Verein damit Schluss.

Kontroverse unterm Scheunendach: Im Dreiseithof fanden in den vergangenen Jahren Podiumsdebatten statt, die das örtliche Bündnis für Demokratie organisiert hatte. Wegen dürftiger Besucherzahlen hört der Verein nun damit auf.
Kontroverse unterm Scheunendach: Im Dreiseithof fanden in den vergangenen Jahren Podiumsdebatten statt, die das örtliche Bündnis für Demokratie organisiert hatte. Wegen dürftiger Besucherzahlen hört der Verein nun damit auf. © Archiv/Eric Weser

Gröditz. Es war der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat, sagt Norbert Ehme. Gerade mal elf Leute kamen zur öffentlichen Debatte mit Stadtratskandidaten vier Wochen vor der Wahl im Mai. Der Chef des Gröditzer Bündnisses für Demokratie und Zivilcourage hatte sich gut und gern das Fünffache erhofft. Ehme macht keinen Hehl daraus, dass ihn neben der schwachen Beteiligung der Gröditzer auch das Fehlen vieler Stadtpolitiker enttäuscht hat.

Es war nicht das erste Mal, dass eine vom Bündnis organisierte Politik-Debatte magere Besucherresonanz hatte. Auch die jährlichen Diskussionen mit Landespolitikern, in denen oft die Bildungspolitik Thema war, fanden kaum Zuspruch. Dass mitunter Chefs von Landtagsfraktionen wie Rico Gebhardt (Linke) oder Volkmar Zschocke (Grüne) da waren, änderte daran genauso wenig wie die Präsenz des für Gröditz und Umgebung direkt gewählten Abgeordneten Sebastian Fischer (CDU), das Erscheinen von Bundestagsmitgliedern wie Susann Rüthrich (SPD) oder der Auftritt von Politikern wie Maximilian Krah (AfD), der da noch kein Mandat hatte, aber inzwischen ins EU-Parlament gewählt wurde.

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Das Bündnis um Chef Norbert Ehme hatte sich von den spärlichen Besucherzahlen lange nicht den Mut nehmen lassen. Nachdem die letzte Podiumsdebatte zur Stadtratswahl aber wieder kaum Gäste verzeichnete, zieht der Verein nun die Konsequenz. „Vorläufig werden wir keine solchen Veranstaltungen mehr organisieren“, sagt Norbert Ehme. Man mache sich auf Dauer unglaubwürdig, wenn niemand komme.

Das Aus für diese Form der Politik-Diskussionen in Gröditz fällt ausgerechnet ins Superwahljahr 2019, in dem das Reden über politische Weichenstellungen eigentlich besonders nötig wäre. Auch bei der Podiumsdebatte vor der Stadtratswahl waren sich Teilnehmer und Publikum einig: Bürger und Politiker sollen sich mehr austauschen. 

Wie das passieren soll, da gehen die Meinungen auseinander. Die einen hoffen, dass mehr Leute in die Bürgersprechstunde im Stadtrat kommen. Andere setzen auf persönliche Kontakte über Vereine und andere Interessengruppen oder Gespräche bei Sportveranstaltungen. 

Die Gröditzer AfD hat im Vorfeld der Stadtratswahl angekündigt, sich für öffentliche Sprechstunden der Ratsfraktionen im Dreiseithof einsetzen zu wollen. Wie das konkret aussehen soll, ist bisher offengeblieben. Ähnlich wie bei der CDU, die ebenfalls vor der Wahl angekündigt hatte, künftig mehr Gespräche in „ansprechenden Formaten“ zwischen Bürgern und Abgeordneten organisieren zu wollen.

Dass Formate funktionieren können, hatten Formate wie das Speed-Dating zwischen Oberschülern und Stadtpolitikern gezeigt. Nach einer vom Bündnis organisierten Debatte mit Oberschülern vom Anfang dieses Jahres hatten sich einige Stadträte teilweise euphorisch gezeigt, Wünsche und Ansichten der jüngeren Generation erfahren zu haben.

Solche Zusammentreffen zwischen Stadträten und Schülern will das Bündnis für Demokratie und Zivilcourage in Gröditz auch weiterhin alle zwei bis drei Jahre organisieren, sagt Vereinschef Norbert Ehme. Auch die sonstige Aktivität des Bündnisses, das im Jahr rund 50 verschiedene Veranstaltungen, vom Anti-Gewalt-Workshop bis zum Besuch der KZ-Gedenkstätte in Auschwitz, organisiert, werde wie gehabt weiterlaufen. 

Nur Podiumsdiskussionen wird es eben keine mehr geben. Man wolle sich aber neue Formate überlegen, um als Bündnis mit Bürgern ins Gespräch zu kommen. Das werde aber etwas Zeit brauchen, sagt Norbert Ehme.