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Aus für Trainingszentrum

Nach nur einjähriger erfolgreicher Arbeit musste der BFV 08 jetzt das Trainingszentrum Fußball wieder abgeben. Die Entscheidung des Sächsischen Landesverbandes kommt für den Verein zur Unzeit: War doch das Trainingszentrum für Bischofswerdas Stadträte ein wichtiges Argument, dem Bau des Sozial- und Vereinshauses an der Kampfbahn zuzustimmen, für den momentan 90 000 Euro fehlen.

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Von Ingolf Reinsch

878 000 Euro kostet nach den bisherigen Plänen der Bau des Sozial- und Vereinshauses an der Kampfbahn, von denen 172 000 Euro aus dem Stadthaushalt kommen. Zu jenen, die vor reichlich einem Jahr mit spitzem Stift rechneten, um diese Summe zusammenzubekommen, gehörte Hans-Jörg Böhm. „Für mich war das Trainingszentrum der entscheidende Grund zuzustimmen“, sagt der parteilose Stadtrat mit CDU-Mandat. Weswegen er jetzt darauf dränge, die Gründe für die Mehrkosten genau zu benennen und nach Wegen zu suchen, die fehlenden 90 000 Euro, von denen die Stadt wahrscheinlich 45 000 Euro tragen müsste, abzuspecken. Der Verlust des Trainingszentrums sei keine Absage, den Bau fertigzustellen, betont Hans-Jörg Böhm. „Aber wir müssen wissen, was in diesem Jahr auf die Stadt noch zukommt.“

Dass der BFV 08 das Trainingszentrum des Sächsischen Fußballverbandes verloren hat, ist nicht seine Schuld. „Wir haben eine ordentliche Arbeit geleistet“, sagt Vereinspräsident Jürgen Neumann. Die Landkreise Bautzen, Torgau-Oschatz und Riesa-Großenhain verfügten bisher über zwei Trainingszentren, während andere Kreise im Freistaat kein Zentrum hatten. „Das führte zur Kritik jener Kreisverbände, die kein Zentrum haben“, sagt Jörg Wunderlich, der die Arbeit der Trainingszentren beim Sächsischen Fußballverband koordiniert. Die Folge: Mehrere Trainingszentren wurden neu verteilt. Da das bei Budissa Bautzen angesiedelte Trainingszentrum beim Deutschen Fußballverband angesiedelt ist, das Bischofswerda hingegen beim Landesverband, fiel die Entscheidung zu Gunsten der Bautzener. „Es gibt Absprachen, dass Kinder aus dem Bischofswerdaer Raum jetzt in Bautzen betreut werden“, sagt Jörg Wunderlich.

Jürgen Neumann, der die gute Zusammenarbeit mit dem Bautzener Verein hervorhebt, sagt, die Entscheidung des Landesverbandes „müssen wir respektieren“. Alledings befürchte er „eine Verschiebung des Niveaus“. Immerhin standen dem Nachwuchs in Bischofswerda erfahrene Oberliga-Spieler als Trainer zur Seite. Betreut von Steffen Schmidt und Andreas Schulz hatten im vergangenen Jahr bis zu 20 Jungen im Alter zwischen neun und 16 Jahren an den wöchentlichen Trainingsstunden teilgenommen.

Als Alternative zum Trainingszentrum des Landesverbandes prüft der BFV 08, ein solches Zentrum in eigener Regie aufzubauen. „Wir sind zurzeit dabei, die Kosten zu ermitteln“, sagt der Vereinspräsident. Seinen Angaben zufolge kämen auf den Verein 3 000 bis 4 000 Euro als Minumum und 10 000 Euro als Maximum im Jahr zu. Der Verein hoffe dabei auf weitere Sponsoren, werde aber auch mit Vereinen aus dem Umland und interessierten Eltern sprechen, beispielsweise ob sie bereit sind, das Fahrgeld ihrer Sprösslinge zum Training nach Bischofswerda zu übernehmen.

Der Verein verteidigt das neue Gebäude als notwendig auch ohne das Trainingszentrum. Zum einen stehe das Stadion an der Kampfbahn auch anderen Vereinen offen, zum anderen biete der Bischofswerdaer Fußballverein die gesamte Nachwuchsbreite von der F- bis zur A-Jugend, in einigen Altersklassen sogar doppelt besetzt. Überdies verweist Jürgen Neumann auf die mehr als 100 000 Euro, die der Verein selbst zum Bau des Gebäudes beisteuert. „Die Oberfinanzdirektion Chemnitz hat die Rechnungen geprüft und keine Luxusinvestitionen festgestellt.“

Stadt wie BFV 08 betonen gleichermaßen, an einer Lösung interessiert zu sein. Am nächsten Dienstag werden Technischer und Jugend-, Sozial-, Schul- und Sportausschuss gemeinsam intern die Finanzierung beraten.