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Aus gutem Holz und aus der Lausitz

Täglich bauen dieWehrsdorfer Werkstätten etwa 40 Schrankwände und andere Möbel.

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Von Marina Michel

Sie heißen Denver, Memphis, Venedig, Brixen, Padua, New York, stammen aus der Oberlausitz und werden gern gekauft. Kaum ein Möbelmarkt in den ostdeutschen Bundesländern, der keine Möbel mit Echtholzfurnier aus Wehrsdorf im Angebot hat. Seit 55 Jahren werden in dem idyllischen Erholungsort im Landkreis Bautzen Qualitätsmöbel produziert, zu DDR-Zeiten ausschließlich für den Export.

Im November 1992 hat der im Westen bekannte Stilmöbelhersteller Horst Trüggelmann aus Bielefeld den ehemaligen VEB-Betrieb von der Treuhand übernommen und seitdem mehrere Millionen Euro investiert. 100 Mitarbeiter sind beschäftigt. „Ständig werden acht Lehrlinge ausgebildet und in der Regel übernommen“, berichtet der Firmenchef.

Besserung ist in Sicht

Die Wehrsdorfer Werkstätten, Möbel & Innenausbau GmbH & Co. KG betreibt nach Trüggelmanns Worten die „derzeit modernste Fertigungsanlage dieser Größe in der Möbelindustrie“.

Im Osten ist es einer der wenigen Möbelproduzenten dieser Größenordnung überhaupt. Regallager, automatisierte und mit Ultraviolett-Licht ausgestattete Lackierstraßen gehören zur Ausstattung. Vor anderthalb Jahren kam eine vollautomatische, computergesteuerte Kantenbearbeitungsstraße dazu, danach eine moderne Sprinkleranlage. In diesem Jahr soll ein neues Nebengebäude gebaut und mit dem Hauptgebäude verbunden werden. „Dort soll der Bereich Plattenzuschnitt untergebracht werden“, erzählt Trüggelmann. Dadurch können unter anderem in kürzester Zeit Möbelsysteme und so genannte kommissionsbezogene Möbel nach Kundenwunsch gefertigt werden.

Täglich werden laut Trüggelmann etwa 40 Schrankwände und andere Möbel gebaut, doch es könnten durchaus noch mehr sein. Die Auslastung des Betriebes liegt zwischen 85 und 90 Prozent. Die Kaufzurückhaltung der Kunden setzt auch dem Traditionsbetrieb zu. Die Folge: Kurzarbeit im zurückliegenden Jahr. „Leider lässt sich das auch in diesem Jahr noch nicht vermeiden, aber es ist Besserung in Sicht“, versichert der Geschäftsmann, der mindestens alle drei Wochen für mehrere Tage in der Oberlausitz weilt.

Nachdem der Umsatz im vergangenen Jahr unter den Erwartungen gelegen hat, wird in diesem Jahr ein Zuwachs von bis zu 15 Prozent erwartet, vor allem durch den Export nach Mittel- und Osteuropa. Derzeit gebe es Gespräche mit Russland, sagt Trüggelmann. Zu haben sind die Wehrsdorfer Möbel schon in Tschechien, Ungarn und im US-Bundesstaat Florida.

Heimvorteil im Osten

„Für viele Fachhändler sind die Wehrsdorfer Wohnwandsysteme eine interessante Alternative zu so genannten ,Plastemöbeln’ und zu teuren Massivholzmöbeln“, weiß Horst Trüggelmann. Der gute Ruf, der den Wehrsdorfern vorauseilte, hat sich vor dreizehn Jahren ausgezahlt. „In Sachsen und Thüringen hatten wir einen Heimvorteil.“ Das Interesse hält weiterhin an. Jeden Sonnabend kommen potenzielle Kunden und Fachhändler aus der Region und von weither, um sich in der umfangreichen Werksausstellung zu informieren.

Seminare und Schulungen für den Fachhandel finden dann im „Wehrsdorfer Erbgericht“ statt. Den Landgasthof mit Vier-Sterne-Residenz-Hotel hat Trüggelmann vor fünf Jahren aufwendig restaurieren und mit Bowlingbahnen und luxuriösem Wellnessbereich ausstatten lassen.