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„Aus jeder Ecke ein Objektiv“

Angela Merkel lässt mitteilen, dass sie mit der Veröffentlichung von Bildern aus ihren Ferien auf Ischia nicht einverstanden ist.

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Von Sven Siebert, Berlin

Die Berliner Medienlandschaft fing an zu spekulieren: Sind die Bilder, die Angela Merkel und ihre Familie in den Osterferien zeigen, Teil einer neuen Merkel-Kampagne? Sollte sich die Bundeskanzlerin im Bundestagswahljahr entschlossen haben, etwas mehr Einblick in ihr „geheimes Familien-Leben“ („Bild“-Zeitung) zu geben? Ist das Teil einer Vermenschlichung der kühlen Regierungschefin?

Merkels stellvertretender Regierungssprecher Georg Streiter trat solchen Überlegungen gestern entgegen. Die Fotos, die in den vergangenen Tagen in verschiedenen Zeitungen und auf Internet-Portalen erschienen waren, seien „nicht mit Billigung der Kanzlerin“ entstanden und veröffentlicht worden. Es handele sich um „Paparazzo-Fotos“, um Bilder, die meist verdeckt und aus größerer Distanz entstanden sind und die den Medien gegen hohe Honorare angeboten werden.

Es liege in der Verantwortung der Medien, wie sie mit den angebotenen Bildern umgingen, sagte Streiter. Auch der SZ sind die Fotos angeboten worden. Unsere Redaktion hat entschieden, auf eine Veröffentlichung zu verzichten.

Streiter war von Merkel nicht ermächtigt worden, ihre persönliche Reaktion zu übermitteln. Aber er machte deutlich, dass die Kanzlerin keineswegs begeistert ist. „Es ist nicht immer entspannend“, sagte Streiter, „wenn aus jeder Ecke ein Objektiv hervorlugt“.

Merkel habe „keine große Neigung zu posen“, sagte der Regierungssprecher. Dies gelte erst recht für ihren Ehemann, dessen Kinder und Enkel, die dieses Jahr mit Merkel an die Südküste der malerischen Insel im Golf von Neapel gekommen sind.

Es hat auch in den vergangenen Jahren immer ein paar Fotos aus dem Kanzlerinnen-Urlaub gegeben. Angela Merkel nebst Joachim Sauer beim Wandern im Sommer in Südtirol oder die Regierungschefin und ihr Ehemann wie jetzt in den Osterferien auf Ischia. Dieses Jahr ist das Bilder-Angebot allerdings so groß wie nie. Fotos, die in den vergangenen Tagen verbreitet wurden, zeigen Merkel, ihren Gatten, dessen Sohn, Schwiegertochter und Enkel beim morgendlichen Bad in der „Aphrodite-Therme“, beim Strandspaziergang oder in den Zitrushainen Ischias.

Regierungssprecher Streiter berichtete, es sei in den vergangenen Tagen seine Aufgabe gewesen, wenigstens dafür zu sorgen, dass Kinder und Enkel auf veröffentlichten Bildern unkenntlich gemacht werden. Dies ist allerdings nicht immer gelungen.