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Aus Jesus’ Abschied Kraft schöpfen

Um Himmels willen

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Von Christoph Behrens

Mit Stock, Zylinder und Gesängen, die sich nicht durch ihre Schönheit, sondern durch ihre Lautstärke präsentierten, zogen am sogenannten „Vatertag“ wieder viele Männer durch das Land um in gepflegter Machokultur ein Brauchtum zu zelebrieren, das nur ganz entfernt etwas mit den Wurzeln des eigentlich an diesem Tag gefeierten Fest „Christi Himmelfahrt“ zu tun hat. Dabei zählt dieser Tag zu den größten Festen der Christenheit. In den Evangelien und der Apostelgeschichte wird davon berichtet, dass Jesus nach der Auferstehung seinen Freunden den Auftrag zur Predigt und zur Taufe erteilte und danach in den Himmel aufgenommen wurde und wie die Schrift sagt, dort „zur Rechten des Vaters sitzt“. Das Motiv der „Himmelfahrt“ kennen wir aus verschiedenen Religionen. Immer wieder ist es für die Theologen und die christlichen Prediger eine Herausforderung in diesem Bild den tieferen Sinn zu verstehen und für die Menschen verstehbar zu machen. Bei genauerem Hinhören wird in der Darstellung des Abschiedes Jesu eine zweite große Krise der Apostel beschrieben. Nach dem Scheitern ihres Meisters am Kreuz schien alles aus zu sein. Dann die Gewissheit, dass der Herr lebt und die damit verbundene Freude, dass nach dem Schock, die Sendung in einem ganz neuen Lichte erst richtig beginnt. In dieser Euphorie fragen sie den Meister: „Herr, stellst du in dieser Zeit das Reich für Israel wieder her?“ (Apg 1). Auf dem Höhepunkt ihrer Zufriedenheit gibt Jesus ihnen eine klare Absage bezüglich politischer und geistlicher Macht und lässt sie zu guter Letzt auch noch allein.

Wie bewältigen sie diese zweite Krise? Das griechische Wort krisis bedeutet Trennung, Entscheidung, aber auch widerfahrene Gerechtigkeit. Dieser Begriff wird also ganz positiv bewertet und zeigt einen Weg in die Zukunft. Die Jünger müssen sich trennen von liebgewordenen Gedanken und Vorstellungen, sie müssen sich ganz klar entscheiden, fühlen sich nicht nur ausgenutzt für eine Idee, sondern ihnen bleibt die Genugtuung, dass sie nicht allein sind, sondern den verheißenen Beistand, den Heiligen Geist (Pfingsten) empfangen. Das Kennzeichen für diesen Geist Gottes ist ihr Mut, ihrer Begeisterung und ihre Überzeugungskraft, die sie einsetzen für eine Aufgabe, die himmlisch ist, aber irdisch realisiert werden soll. Die Engel in der Geschichte bringen es auf den Punkt in dem sie die Jünger ermahnen: „Was steht ihr da und schaut zum Himmel?“ Die Tage zwischen Himmelfahrt und Pfingsten (Pfingstnovene) ist für die Christen eine besondere Gebetszeit um den Heiligen Geist, den Geist, der uns einen neuen Blick für die Erde gibt. Es ist nicht so, dass es keine Modelle aus der Krise heraus gäbe, sie müssten nur konsequent gelebt werden.