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Aus Liebe zu den Puhdys

Ein Paar aus dem Saarland ist der Kultband treu. Auch das Wetter deutet auf neue Rekorde.

Von Ina Förster

Drei Vierzigtonner sind gestern Morgen in Kamenz angerollt. Die Männer haben die schwere Technik auf der Hutbergbühne ausgeladen und sind seitdem emsig dabei, selbige zu verbauen. Über Nacht wacht eine Securityfirma über die wertvolle Fracht. So viel hatten die Puhdys selten an Equipment dabei. Das lässt hoffen. Auf einen großartigen Konzertabend am Pfingstsonnabend. Das Open-Air-Erlebnis ist sowieso Kult. Aber 2014 ist alles noch einen Tick schärfer: Man steuert in Kamenz nämlich die Achteinhalbtausender-Grenze an. Werden noch alle Abendkassenkarten am Sonnabend verkauft, geht nichts mehr. „Das sind Helene-Fischer-Verhältnisse vom Vorjahr“, freut sich Frank Hohlfeld vom Kulturbüro. Der geplante Abgesang der Ost-Rocker im kommenden Jahr hat wohl noch einmal diesen Boom ausgelöst.

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Trendmarken in der Centrum Galerie
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Auch die Centrum Galerie ist mit vielen internationalen Marken und lokalen Händlern bei der langen Nacht des Shoppings dabei.

Bereits 1995 berichteten wir über das Fan-Pärchen aus dem Saarland. Heute sind sie zum 20. Mal in Kamenz. Tolle Geschichte!Fotos: Privat
Bereits 1995 berichteten wir über das Fan-Pärchen aus dem Saarland. Heute sind sie zum 20. Mal in Kamenz. Tolle Geschichte!Fotos: Privat

Auch Heidrun und Egbert Jochum aus Siersburg reisen heute an. Das liegt im Saarland und diese 800 Kilometer fährt das Ehepaar schon zum 20. Mal . Auch in den alten Bundesländern hört, verehrt und liebt man die Puhdys. Und das nicht erst seit Öffnung der Grenzen. „Mein Mann war 1983 auf Besuch bei seiner Tante in Jena. Da er in der DDR Geld zwangsumtauschen musste, hat er sich davon etwas Sinnvolles kaufen wollen. Er brachte sich eine Langspielplatte von den Puhdys mit, von denen er zumindest schon mal etwas gehört hatte. Als er ‚Das Buch‘ zu Hause auflegte, hat es nur wenige Sekunden gedauert, bis es bei uns Klick gemacht hat“, erzählt seine Frau. Seitdem sind die Jochums Fans. Richtig geknallt habe es im Kopf, erinnern sich beide. Als sie die Band am 26. September 1985 erstmals live in der Stadthalle St. Ingbert im Saarland erleben, sind sie hellauf begeistert. „Quaster hatte eine schwarz-weiß gestreifte, hautenge Hose an. Wir dachten: Wow, das soll eine Ostgruppe sein? Die sahen ja aus wie echte Rocker“, schmunzeln sie heute. Die Band war damals auf ihrer „Computer-Karriere-Tour“. Das alles kann Heidrun Jochum auf den Eintrittskarten von damals ablesen. Ordentlich sind sie ins Album geklebt.

Die Familie hatte schon bald das Fan-Fieber gepackt. Auch der Sohn reiste, seitdem er acht war, mit. Dabei war es echt schwer, in den Achtzigern Infos oder Tournee-Daten über die Puhdys im Westen zu bekommen. Erst als die beiden Hubert Bayer vom Paderborner Fanklub kennenlernen, wird es besser. „Der verschickte kleine Info-Blätter, die mit Schreibmaschine geschrieben waren. ‚Infos aus Paderborn‘ hießen die“, erzählt die 66-Jährige. Seitdem reiste das Paar ihren Idolen hinterher. Bruchsal, Fulda, Villingen-Schwenningen, Osnabrück, auch auf der Waldbühne in Berlin waren sie. Nach der Wende organisierten die Jochums sogar zwei Auftritte im eigenen Heimatort. Noch heute sind sechs bis sieben Konzertbesuche jährlich Pflicht!

Und vor genau 20 Jahren machten sich die Saarländer erstmals nach Kamenz auf. „Wir sind blauäugig angereist und bekamen keine Karten mehr. Da durften wir durch einen glücklichen Umstand dann sogar hinter die Bühne. Und begegneten den Puhdys live. Das war ein tolles Silberhochzeitsgeschenk“, so Heidrun Jochum. Noch heute erkennen die Musiker die Jochums immer, wenn sie sich sehen. Und seitdem kommen sie jedes Pfingsten her. Das Ehepaar wohnt immer in Lückersdorf in der Pension „Am Hutberg“. Sie drehen samstags ihre Runde durch die Altstadt, steigen auf den Turm von St. Marien, gehen im Teeladen shoppen. Und essen seit 20 Jahren immer Rinderzunge im „Café Edelweiß“. Danach geht‘s zum Fotoshooting ans Klostertor, wo sie sich vor dem legendären Balkon ablichten lassen. Mittlerweile begleitet sie ein anderes Fan-Pärchen. Es wird etwas fehlen, wenn die Rockerrentner 2015 zum letzten Mal in Kamenz auftreten. „Wir haben so tolle Erinnerungen in unserem Herzen und so viele Leute und Städte kennengelernt – das hält für länger. Was sowieso bleibt, ist die Musik der Puhdys. Morgen gehen sie noch mal auftanken!