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Döbeln

Aus Rache angezeigt?

Ein 30-Jähriger soll einen Mieter mit dem Tode bedroht haben. Aber der Angeklagte bestreitet jegliche Aggressivität.

Symbolfoto
Symbolfoto © dpa

Döbeln. Dass er als Reichsbürger betitelt wird, findet der Angeklagte lächerlich. Er sei wohl einer der wenigen richtigen Bürger eines Reiches, meint der 30-Jährige und hält Richterin Karin Fahlberg einen österreichischen Pass entgegen. Der Mann, der ohne Rechtsbeistand erschienen ist, steht wegen Bedrohung vor dem Amtsgericht Döbeln. Auf einem Grundstück in Noschkowitz soll er im Februar dieses Jahres gesagt haben: „Wenn du und die anderen euch noch mal hier blicken lasst, schlage ich euch tot!“

Nach den einleitenden Worten der Richterin unterbricht sie die Verhandlung für etwa zehn Minuten. Der Angeklagte hatte Akteneinsicht verlangt. Das 30 Seiten umfassende Papier liest er mit einigem Schmunzeln und erklärt, er habe noch nie jemanden angegriffen, verprügelt oder auch nur bedroht.

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Dass er von dem Geschädigten angezeigt wurde, hält der Angeklagte, der inzwischen in Sachsen-Anhalt wohnt, für einen Racheakt. Die beiden kennen sich schon seit Jahren und es sei über die Zeit sogar ein freundschaftliches Verhältnis entstanden. Der Geschädigte habe offenbar eine schwierige Kindheit gehabt und eine Vaterfigur gesucht. „Die habe ich versucht, ihm zu geben“, so der Angeklagte.

Er hielt den Geschädigten auch für so vertrauenswürdig, dass er ihm auf dem Grundstück eine Wohnung anbot, nachdem seine Familie dort ausgezogen war. So sei jemand da gewesen, der auf das Anwesen achtet. „Dabei hatte ich ihm untersagt, in die verschlossenen Räume zu gehen“, sagt der arbeitslose Mann. Dieses Verbot habe der Geschädigte aber missachtet.

Bereits bevor er die rund 120 Quadratmeter große Wohnung gemietet hat, habe der Geschädigte den Angeklagten gefragt, ob er dort Cannabis anbauen könne. Das habe der Angeklagte allerdings abgelehnt. Denn einer seiner Brüder hatte schon zuvor in dem Gebäude eine Cannabisplantage angelegt. „Meine Brüder und ich haben ihm das untersagt und die Plantage wurde stillgelegt“, so der Angeklagte. Das habe er dem Mieter erzählt.

Bei späteren Besuchen in Noschkowitz seien ihm zerschlagene Fenster, offene Türen und eine offene Garage aufgefallen. Er vermutet, dass der Geschädigte nach der alten Plantage gesucht habe. Wegen diesem Verhalten und weil er keine Miete bezahlt habe, hätten die Brüder von dem Geschädigten den Auszug gefordert und die Schlüssel für die Wohnung zurückverlangt. Bei der Übergabe habe der Angeklagte dem Mieter erklärt, dass er enttäuscht von ihm sei, weil er statt auf das Grundstück zu achten, überall eingestiegen sei. Damit habe er sich keine Freunde gemacht. Und er habe ihm Hausverbot erteilt.

Diese Aussagen bestätigte einer der Brüder. Der Geschädigte blieb der Verhandlung fern, konnte auch nicht erreicht und somit nicht befragt werden. Da der Angeklagte bisher nicht strafrechtlich aufgefallen ist und Richterin Fahlberg bei ihm kein aggressives Verhalten erkennt, einigt sie sich mit dem Staatsanwalt auf die Einstellung des Verfahrens.

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