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Aus vielen Wegen soll eine Straße werden

Das Projekt, Bergbauwege zur Sächsischen Kohlenstraße zu vereinen, steht noch am Anfang. Aber es gibt Fürsprecher – auch für Freital.

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Von Viola Gerhard

Heino Neuber, Chef des Fördervereins und Museologe des Bergbaumuseums im erzgebirgischen Oelsnitz, beschäftigt sich mit einer „Sächsischen Kohlenstraße“, die die Sehenswürdigkeiten in puncto Kohlebergbau verbindet. Nachdem viele Jahre immer die problematische Seite des Bergbaus in den Vordergrund gestellt worden sei, eröffne eine derartige touristische Route die Möglichkeit, zu zeigen, was er an guten Dingen hervorgebracht hat, verweist Neuber auf einen weiteren Aspekt. „Die Straße könnte identitätsstiftend für die gesamte Region wirken.“ Die Route soll vom Zwickauer übers Lugau-Oelsnitzer Steinkohlenrevier und Chemnitz bis zum Freiberger Revier und Freital führen. Die jeweils örtlichen Wege könnten als eine Art zweite Ebene zusammengefasst werden und als „lokale Erkundungstouren“ abzweigen, sagt er.

Ziel der ersten Etappe: Oelsnitz - im Foto das Bergbaumuseum mit Förderturm. Foto: A. Tannert/Archiv
Ziel der ersten Etappe: Oelsnitz - im Foto das Bergbaumuseum mit Förderturm. Foto: A. Tannert/Archiv
Startpunkt Zwickau – Aufnahme vom Martin-Hoop-Schacht aus der Zeit um 1965 .Foto: Bestand Bergbaumuseum
Startpunkt Zwickau – Aufnahme vom Martin-Hoop-Schacht aus der Zeit um 1965 .Foto: Bestand Bergbaumuseum

In der Zwickau-Oelsnitzer Region gibt es bereits sechs Bergbauwege beziehungsweise -lehrpfade. Betreut werden sie ehrenamtlich und oft von früheren Bergarbeitern. In Oelsnitz ist es der Förderverein des Bergbaumuseums, der sich die Pflege des 43 Traditionspunkte umfassenden Bergbaulehrpfades auf die Fahnen geschrieben hat. Doch altersbedingt wird dies immer schwerer. Und: Eine Vermarktung der einzelnen Wege außerhalb der Region ist relativ schwer. Ähnliche Sorgen haben auch andere Regionen. Wie in Freital gibt es mit dem Bergbau- und Hüttenverein einen Verein zur Traditionspflege – doch Nachwuchs zu finden, vor allem, da die Zeit des Bergbaus lange vorbei ist, wird immer schwerer. Darum, so fasst es Bergbaumuseumschef Jan Färber zusammen, verfolge man nun den Ansatz „Weniger ist mehr“. Neuber hatte seine Pläne jüngst der Arbeitsgruppe Steinkohlenweg vorgestellt, die unter anderem nach Möglichkeiten der touristischen Vermarktung des Lugau-Oelsnitzer Reviers sucht. Dort waren sie auf offenen Ohren gestoßen. Inzwischen hat Heino Neuber an früheren sächsischen Steinkohlestandorten mögliche Unterstützer gefunden: In Reinsdorf und Zwickau habe man sehr aufgeschlossen reagiert, auch in Freital sei man dem Projekt „nicht abgeneigt“, wie er sagt.

Die Kohlenstraße an sich sei keine fiktive Sache, erklärt Neuber. Auf einer Karte von 1791 zeigt er den Verlauf des damaligen Kohletransportes aus dem Zwickauer Revier in Richtung Chemnitz, ein Teilstück habe damals tatsächlich „Kohlenstraße“ geheißen. Ähnlich sei es noch heute zwischen Freital und Dresden/Bannewitz. Neuber: „Wir haben also einen historischen Ansatzpunkt.“ Später war die Straße dann nicht mehr der Haupttransportweg - als die Eisenbahn aktuell wurde. Chemnitz einzubinden, sei deshalb wichtig, weil das Industriezentrum zu den Hauptverbrauchern der Steinkohle gehörte. Der Vereins-Chef legt eine mögliche Streckenführung (siehe Grafik) vor, die auch obererzgebirgische Orte wie Olbernhau und Neuhausen einbindet. Es wäre aber auch die kürzere Variante direkt von Freiberg über Freital nach Dresden denkbar. Mit Schloss Burgk und den dortigen Bergbauschauen, dem Technikgarten, der Grubenlok Dorothea und dem bergmännischen Spielplatz kann Freital schon eine gehörige Attraktion für die Pläne in die Waagschale werfen.

Zunächst aber werde man sich auf das Teilstück von Zwickau nach Oelsnitz konzentrieren, sagt Jan Färber. Damit soll ein Referenzobjekt geschaffen werden. Insgesamt werde sich die Schaffung einer Sächsischen Kohlenstraße über Jahre hinwegziehen und zunächst nur eine visuelle Route sein. „Wichtig ist es, den ideellen Schulterschluss zwischen den Revieren herzustellen.“ Um von den Erfahrungen anderer zu profitieren, habe man auch Kontakt mit der Interessengemeinschaft „Energie-Route der Lausitzer Industriekultur“ aufgenommen. Diese hat in den vergangenen Jahren zehn traditionsreiche und teils auch noch aktive Originalschauplätze rund um das Thema Energie zu einer Tour vereint.

Das Kohlenstraßen-Projekt werde viel Kraft und vor allem Partner erfordern, die es mittragen, sagt Heino Neuber. Gleichzeitig könne man aber die Energie, die man zum Bewerben der jeweiligen „Einzelprodukte“ benötigt, bündeln. . (FP mit SZ/wei)