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Aus vier mach eins

Erstmals arbeiten in der neuen Spielzeit alle vier Sparten des Theaters zusammen. Heute beginnt der Kartenverkauf.

Von Frank Seibel

Es war wie eine Demonstration: Mehr geht nicht. Eine Stunde hatten die Chefs der verschiedenen Sparten am Gerhart-Hauptmann-Theater für die Vorstellung der neuen Spielzeit angesetzt. Doch die Zeit reichte kaum, um alle neuen Inszenierungen zu erwähnen, die ab September auf die Bühnen in Zittau und Görlitz kommen sollen. Allein zwölf Schauspiel-Produktionen plant die Zittauer Abteilung, zwei mehr als in der zu Ende gehenden Spielzeit. Aber was heißt hier „Zittauer Abteilung“? Wenn es so etwas wie ein Leitmotiv für die kommende Saison gibt, dann heißt es „Familienzusammenführung“. Die Verschmelzung der beiden Häuser in Zittau und Görlitz zu einem Theater hat bislang vorwiegend die technischen Abteilungen und die Verwaltungen beider Standorte zusammengeführt. Nun soll das Ensemble künstlerisch alle Grenzen und Vorbehalte niederreißen. Alle Schauspieler, Sänger, Tänzer, Orchestermusiker und Regisseure machen gemeinsam Theater. Dieses Ziel gibt Generalintendant und Opernchef Klaus Arauner für das kommende Jahr vor. Aus vier mach eins: Dieses Leitmotiv findet sich auch auf dem Umschlag des Spielzeit-Heftes wieder. Alle vier Sparten finden sich gleichberechtigt auf den Titelfotos.

Oppacher Mineralquellen
Genieß‘ die Heimat mit Oppacher!
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Im grünen Herzen des waldreichen Landschaftsschutzgebietes Oberlausitzer Bergland sprudelt ein ganz besonderer Schatz: Oppacher Mineralwasser, das überall dort zu Hause ist, wo Menschen ihre Heimat genießen.

Wie das gehen soll, macht Schauspiel-Intendantin Dorotty Szalma gleich zum Auftakt im Oktober deutlich. Sie wird die erste Musiktheater-Premiere als Regisseurin leiten. Als Ungarin fühlt sie sich prädestiniert, die Operette „Die Csárdásfürstin“ von Emmerich Kálmán in Szene zu setzen. „Dorotty Szalma ist im Schauspiel wie im Musiktheater gleichermaßen zu Hause“, sagt Klaus Arauner und überlässt ihr daher noch eine weitere Inszenierung, mit Musik. Im beklemmenden Psychodrama „Der Tod und das Mädchen“ kommen erstmals alle Sparten des Theaters gemeinsam zum Einsatz. Franz Schuberts Lieder aus dem Zyklus „Der Tod und das Mädchen“ spielen eine zentrale Rolle in dem Drama des Exil-Chilenen Ariel Dorfman, das sich mit der Militärdiktatur in Chile auseinandersetzt. An der Vorliebe für diese Musik glaubt die Hauptfigur Pauline, in einem unbekannten Mann ihren früheren Peiniger wiederzuerkennen, der sie während der Diktatur gefangen hielt und folterte. Schuberts Musik sowie eigens für diese Inszenierung komponierte Adaptionen werden bei dieser Inszenierung live auf der Görlitzer Opernbühne gespielt werden.

Ebenso grenzüberschreitend ist die Geschichte der ersten „Boy-Group“ der Welt angelegt, der Comedian Harmonists. Die sechs jungen Männer wurden im Deutschland der 1920er Jahre mit legendären Hits wie „Mein kleinen grünen Kaktus“ und „Veronika, der Lenz ist da“ berühmt, mussten ihr Projekt während der Zeit des Nationalsozialismus aufgeben, weil einige Mitglieder jüdischen Glaubens waren und fliehen mussten. Eine atmosphärisch dichte und packende Inszenierung verspricht die Regie von Bogdan Koca, der lange Zeit das Theater in Jelenia Góra leitete und in Polen ein bekannter und gefragter Schauspieler und Regisseur ist. Beim diesjährigen Dreiländer-Festival „J-O-S“ faszinierte seine atemberaubend düstere Inszenierung „The Last Sentence Before Execution“ („Der letzte Satz vor der Hinrichtung“).

Das Musiktheater in Görlitz geht in der kommenden Spielzeit ansonsten, so scheint es, wenig Wagnisse ein, auch wenn es auf die großen klassischen Opern verzichtet. Der Operette von Kálmán zum Auftakt folgt zur Weihnachtszeit die spätromantische Märchenoper „Hänsel und Gretel“ von Engelbert Humperdinck. Zum dritten Mal seit 1987 wird dieses Stück in Görlitz inszeniert, aber Langeweile fürchtet Generalintendant Klaus Arauner deswegen nicht. „Das Stück ist immer wieder absolut spannend und lässt neue, moderne Interpretationen zu.“

Ebenfalls im späten 19. Jahrhundert findet die Oper „Die tote Stadt“ ihre Ausgangsmotive. Komponist Erich Wolfgang Korngold entwickelte für dieses vielschichtig gebrochene Liebesdrama im Jahr 1920 eine eigene, moderne musikalische Sprache. Klaus Arauner macht diese große Oper zur Chefsache und schwärmt von einer großartigen und sinnlichen Musik.

Mit einem der erfolgreichsten Broadway-Musicals aller Zeiten will das Musiktheater die Zuschauer mit der vierten und letzten reinen Musiktheaterproduktion der Spielzeit verwöhnen. „Ein Käfig voller Narren“ von Jerry Herman ist ein Plädoyer für Toleranz und Menschlichkeit. Nach „Hänsel und Gretel“ wird dies die zweite Regie-Arbeit von Sebastian Ritschel in der kommenden Spielzeit sein.