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So läuft der Ausbau der A 4

Für 1,3 Milliarden Euro soll die Autobahn in Sachsen erweitert werden. Ein neues Planungsbüro in Bautzen steuert das Großprojekt.

PKW und LKW stehen am Dienstag (11.06.2019) auf der Autobahn A4 ( BAB 4 ) in Fahrtrichtung Dresden vor der Anschlussstelle Bautzen Ost. Zwischen Weißenberg und Uhyst staute sich der Verkehr auf einer Länge von 15 Kilometern und es kam zu Verzögerungen von
PKW und LKW stehen am Dienstag (11.06.2019) auf der Autobahn A4 ( BAB 4 ) in Fahrtrichtung Dresden vor der Anschlussstelle Bautzen Ost. Zwischen Weißenberg und Uhyst staute sich der Verkehr auf einer Länge von 15 Kilometern und es kam zu Verzögerungen von © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Das „Mono“ ist in Bautzen eher als Partytempel bekannt. Seit Freitag ist die Steinstraße 15 zugleich das jüngste Büro der Deges. Die Projektgesellschaft wird von hier aus den Aus- und teilweisen Neubau des 86 Kilometer langen Abschnitts der Autobahn 4 zwischen dem Dreieck Nossen und der Anschlussstelle Bautzen-Ost planen und kontrollieren. Mit den Feiernden im Erdgeschoss werden sich die Verkehrsplaner nicht in die Quere kommen. Die Veranstaltungen im „Mono“ beginnen frühestens 19.30 Uhr, da ist zwei Etagen darüber in der Regel Feierabend.

Die SZ stellt das Projekt und die leitende Gesellschaft vor.

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Warum wird die Autobahn überhaupt um- und neugebaut?

Der Ausbau der Autobahn 4 liegt mittlerweile auch schon wieder rund ein Vierteljahrhundert zurück. Damals geriet das zu einer Radikalkur. Vorher gab es auf einigen Abschnitten sogar Geschwindigkeitsbegrenzungen auf 30 Kilometer pro Stunde – wegen Fahrbahnschäden. Bei Burkau stand in jeder Fahrtrichtung gar nur eine Spur zur Verfügung. Zwischen Bautzen-Ost und Weißenberg war die Piste ganz gesperrt – hier standen Lagerhallen für Getreide auf der Fahrbahn. Östlich von Weißenberg gab es noch gar keine Autobahn.

Seit dem damaligen Aus- und Neubau wurden nach und nach einige Abschnitte erneuert. Doch der sprunghaft gestiegenen Verkehrsbelastung hält die Trasse nicht mehr stand. So sind auf den 15 Kilometern zwischen den Anschlussstellen Dresden-Nord und Pulsnitz täglich mehr als 67.000 Fahrzeuge unterwegs, auf den 38 Kilometern zwischen Pulsnitz und Bautzen-Ost immerhin noch mehr als 55.000. Mehr als ein Drittel der Fahrzeuge sind Lkws. Staus sind an der Tagesordnung.

Deshalb beantragte der Freistaat Sachsen beim Bund den Ausbau der A 4 zwischen dem Autobahn-Dreieck Nossen und der Anschlussstelle Bautzen-Ost. Die Zustimmung aus Berlin kam im August dieses Jahres. Der Freistaat beauftragte daraufhin die Projektgesellschaft Deges mit der Realisierung der Maßnahme.

Was verbirgt sich hinter dem Namen Deges?

Deges steht als Abkürzung für Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH. Die 1991 gegründete Gesellschaft gehört zu knapp 30 Prozent dem Bund. Jeweils rund sechs Prozent an der Deges besitzen die Länder Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Hamburg, Schleswig-Holstein, Bremen, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Berlin.

Der Hauptsitz der Deges befindet sich in Berlin. Zweigstellen gibt es in Hamburg, Bremen, Düsseldorf, Frankfurt (Main), Stuttgart – und seit Freitag in Bautzen. Im Jahr 2020 soll die Deges in der neuen Autobahn GmbH des Bundes aufgehen und als Geschäftsbereich Großprojekte die ihr übertragenen Projekte weiterführen – darunter den Aus- und teilweisen Neubau der A 4. Diese Autobahn ist dem Unternehmen nicht unbekannt. Unter Regie der Deges erfolgte seinerseits der sechsspurige Ausbau zwischen den Autobahn-Dreiecken Nossen und Dresden-West. Außerdem realisierte die Gesellschaft den Neubau der A 17 zwischen Dresden und der deutsch-tschechischen Grenze sowie den Bau des Leipziger City-Tunnels.

Michael Ditter ist bei der Projektgesellschaft Deges für Sachsen zuständig. Jetzt leitet er die Planungen für den Aus- und teilweisen Neubau der A 4.  
Michael Ditter ist bei der Projektgesellschaft Deges für Sachsen zuständig. Jetzt leitet er die Planungen für den Aus- und teilweisen Neubau der A 4.   © SZ/Uwe Soeder

Wie viele Leute kümmern sich in Bautzen um den Ausbau der A 4?

In Spitzenzeiten möchte die Deges in Bautzen bis zu 50 Mitarbeiter beschäftigen. Sie sollen zum Teil aus dem Hauptsitz in Berlin kommen, zum Teil neu eingestellt werden. Die Suche nach geeigneten Fachleuten läuft. Die ersten aus Berlin nach Bautzen gewechselten Deges-Leute loben die gute Gastronomie-Szene, die sanierte Altstadt und die Freundlichkeit der Einwohner. Kritik gibt es hingegen an der Parkplatz-Situation in Bautzen.

Die Deges will von Bautzen aus mit zwei Teams agieren. Eines soll sich um den Ausbau des Abschnittes zwischen den Dreiecken Nossen und Dresden-Nord von sechs auf acht Spuren kümmern. Das andere Team nimmt sich den Ausbau des Abschnittes zwischen Dresden-Nord und der Anschlussstelle Bautzen-Ost von vier auf sechs Spuren vor.

© SZ-Grafik: Gernot Grunwald

Wie ist der Zeitplan für das gesamte Projekt?

Die Planungen beginnen unverzüglich, aber sie werden dauern. Der für Sachsen zuständige Deges-Bereichsleiter Michael Ditter rechnet frühestens 2030 mit Baurecht. Auf eine Prognose für den Baubeginn wollte er sich am Freitag nicht einlassen. Ebenso wenig auf eine Vorhersage, wie lange der Bau dauern wird. „Aber der eigentliche Bau ist nicht das Problem, sondern die vielen Hürden auf dem Weg dahin.“

Welche Fallstricke warten auf die Verkehrsplaner?

Mehrere. Allein 233 Brücken und andere Bauwerke sind zu planen, teilweise zu verlängern, teils neu zu bauen. Auf 63 Kilometern soll die Trasse Lärmschutzwände erhalten. Bei alledem sind Belange des Naturschutzes zu berücksichtigen, die Trasse führt durch sogenannte FFH-Schutzgebiete. FFH steht für Fauna, Flora, Habitat.

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Eine mögliche Hürde ist auch die Personalsuche – Fachleute warten in der Regel nicht, ob die Deges anklopft. Ebenso bleibt abzuwarten, ob Baufirmen genug freie Kapazität haben, wenn es erst einmal losgeht. Und dass die heute prognostizierten 1,2 bis 1,3 Milliarden Euro am Ende nicht reichen dürften, ist eigentlich schon absehbar.

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