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B 175-Ausbau wird viel teurer

Die Nebenanlagen kosten allein eine Million Euro. Die Baufirma hat sich viele Leistungen nachträglich bezahlen lassen.

© DA-Archiv

Von Jens Hoyer

Wer den Pfennig nicht ehrt

und sich nicht im Paragrafendschungel zurechtfindet, ist schnell arm dran. Tipps und Tricks rund um Geld, Sparen und juristische Fallstricke gibt es hier zu finden.

Döbeln. Seit Herbst vergangenen Jahres ist die B 175 in Döbeln West endlich fertiggestellt – wenn auch mit erheblicher Verzögerung. Sie sollte eigentlich schon im Jahr zuvor beendet werden. Die zweite Kröte mussten die Stadt nach der Fertigstellung schlucken. Das Bauvorhaben ist deutlich teurer geworden als geplant. Und damit auch der Anteil, den die Stadt Döbeln bezahlen muss.

Bauherr ist der Freistaat Sachsen in Form des Landesamtes für Straßenbau und Verkehr (Lasuv). Die Stadt ist als Partner beteiligt, finanziert solche Nebenanlagen wie die Gehwege. Auch die Verwaltungskosten hatte die Kommune zu zehn Prozent übernommen, wie Baudezernent Thomas Hanns sagte. Ohne allerdings irgendwelche Eingriffsmöglichkeiten zu haben. Bei der Endabrechnung hatte sich herausgestellt, dass bei den Kosten deutlich überzogen wurde. Warum und um wie viel, das konnte das Lasuv auf Anfrage des Döbelner Anzeigers bis Dienstag nicht beantworten.

Eine Zahl gibt es – nämlich die Summe, die die Stadt mehr bezahlen soll. Und die ist erheblich. Von reichlich 700 000 Euro ist der Anteil der Stadt auf eine Million Euro gestiegen. Die Stadt bekommt zwar möglicherweise Fördermittel, muss aber rund 194 000 Euro aus der eigenen Tasche nachschießen. Geld, das für dieses Jahr nicht eingeplant ist. Es soll deshalb aus der Rücklage bezahlt werden und fehlt damit für andere Vorhaben. Im schlimmsten Falle – wenn es keine zusätzlichen Fördermittel gibt – wären sogar 300 000 Euro aufzubringen. Der Stadtrat soll jetzt darüber entscheiden.

„Wir hatten schon viele Gemeinschaftsmaßnahmen mit dem Lasuv und anderen Bauträgern. Aber eine Kostenerhöhung in diesem Ausmaß hat es noch nicht gegeben“, sagte Baudezernent Thomas Hanns. Grund seien besonders viele Nachträge gewesen. „Die Firma hat sich jede Leistung, die in der Ausschreibung nicht genau definiert war, als Nachtrag bezahlen lassen. Für uns sind da einige Nachträge zusammengekommen“, sagte Hanns.

Für die Stadt sei das keine schöne Situation. Aber die Nachträge der Baufirma seien vom Lasuv geprüft und für zulässig befunden worden. Die Stadt könne sich auch kaum dagegen wehren. „Es gibt eine Vereinbarung mit dem Land, wir müssten dagegen klagen“, so der Baudezernent. Dann könnten aber die zusätzlichen Fördermittel verloren gehen, die die Stadt schon beantragt und in Aussicht hat – und damit noch mehr Kosten entstehen.

Die Baustelle sei von Beginn an keine glückliche gewesen, sagte Hanns. Schon im ersten Abschnitt hatte es erhebliche Verzögerungen beim Tiefbau gegeben, weil Telekommunikationsleitungen nicht dort lagen, wo sie sollten. Einen positiven Aspekt gewinnt Hanns aber der ganzen Sache ab. „Die Qualität, die die Firma geliefert hat, ist in Ordnung.“