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Ausflug zum Wunderofen

Hinterhermsdorf. Mit einem Besucherrekord endet das neunte Jahr der Waldarbeiterstube. Der Heimatverein hofft auf eine zehnte Saison.

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Von Heike Sabel

Der Nachttopf hat es Lucas angetan. Und der Stiefelknecht. Für ein Kind der Gegenwart sind das Dinge aus einer fernen Welt. Lucas’ Großeltern Isolde und Günter Neumann aus Ottendorf hingegen können sich noch an die Nachttopf- und Stiefelknecht-Zeit erinnern. So fühlen sie sich in der Hinterhermsdorfer Waldarbeiterstube gleich ein bisschen wie zu Hause. Sofort kommen die Neumanns mit Barbara Prosche und Manfred Keßler ins Gespräch.

Die beiden sind die diesjährigen Betreuer der Waldarbeiterstube. Der Heimatverein hat sie über ABM beschäftigt. Am 31. Oktober ist ihr letzter Tag. Dann schließt auch das kleine Museum bis Ostern. Wie es nächstes Jahr weitergeht, wissen weder die beiden noch Vereinschef Manfred Dittrich. „Wir haben schon angefragt, aber alles ist im Moment noch offen“, sagt Dittrich. Auch Keßler würde es sehr bedauern, wenn die Heimatstube einschlafen würde. „Das wäre ein großer Verlust.“

Zukunft ist ungewiss

Die Zahlen geben ihnen Recht. Die 5 312 Besucher von vorigem Jahr sind schon Mitte Oktober mit reichlich 6 100 weit überschritten. Damit wird ein neuer Rekord in der neunjährigen Geschichte der regelmäßigen Öffnung erreicht.

Dazu beigetragen haben neben vielen kleinen Gästen aus den Kindereinrichtungen der Region auch Urlauber aus 16 Ländern. Bis aus Kanada und Argentinien hat es sie hierher verschlagen. Ein Holländer musste sich mit eingezogenem Kopf umsehen – „Weil er so groß war und die Umgebindestube so niedrig ist“, sagt Keßler. Gerade hat er Post bekommen. Ein Berliner Ehepaar bedankt sich nochmals und schickt eine alte Wanderkarte der Sächsischen Schweiz mit. „Ich schätze, sie ist aus den 20er, 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts“, sagt Keßler.

Er und Barbara Prosche haben sich viel angelesen und abgehört. „Vor allem Ältere sind eine wahre Fundgrube“, sagt Prosche. Dass die beiden auch verstehen, ihr Wissen weiterzugeben, beweist das Spendenergebnis. Allein im September, in dem 1 000 Besucher kamen, klimperten rund 700 Euro in dem Modell des Umgebindehauses, das am Eingang der Stube steht.

Der Eintritt ist kostenlos. Daran will der Verein auch festhalten, sagt Dittrich. Gleichzeitig wird er die Idee mit der Ansichtskarte noch einmal aufgreifen. Danach fragen viele, ist die Erfahrung von Barbara Prosche und Manfred Keßler. Auch in einem Gästebuch sollen sich die Besucher verewigen können.

Dann liegen vielleicht auch zu jedem Gedeck Löffel auf dem Tisch und das Spinnrad ist mit einer Spindel versehen. Auch für andere Gegenstände ist der Verein immer dankbar. Ansonsten ist die Stube, die gleichzeitig als Küche, Wohn-, Arbeits-, Kinder-, und Krankenzimmer sowie Bad diente, fast komplett. Dazu gehören auch die Werkzeuge und Gerätschaften, die schon im Hausflur auf den Ausflug in die Geschichte einstimmen.