merken
PLUS Dresden

Gericht: Ausgeprägte Uniform-Allergie

Unter Alkohol wird ein 37-jähriger Dresdner aggressiv und geht nicht nur vor einem Imbiss gern auf Polizisten los. Nun wurde er selbst Opfer.

Am Amtsgericht Dresden wurde ein Mann verurteilt, der unter Alkohol regelmäßig aggressiv wird. Er sagt, er habe schon mit zwölf im Kinderheim mit dem Alkohol angefangen.
Am Amtsgericht Dresden wurde ein Mann verurteilt, der unter Alkohol regelmäßig aggressiv wird. Er sagt, er habe schon mit zwölf im Kinderheim mit dem Alkohol angefangen. ©  Archiv/René Meinig

Wenn Sven D. Polizisten sieht, ist er nicht mehr zu halten. In den vergangenen drei Jahren haben sich wieder einige Vorwürfe gegen den 37-Jährigen angesammelt, mit denen das Amtsgericht Dresden den Montag verbrachte: Widerstand gegen und tätlicher Angriff auf Vollstreckungsbeamte, Körperverletzung, Sachbeschädigung, versuchte gefährliche Körperverletzung.

Immer dabei, wenn D. zuschlägt: viel zu viel Alkohol, das eigentliche Problem des gelernten Restaurantfacharbeiters. Er habe mit zwölf angefangen, im Kinderheim. "Das haben alle gemacht", sagte er. Vom sechsten bis zum 17. Lebensjahr habe er in verschiedenen Heimen gelebt. Er trinke auch, weil er an Depressionen leide, sei seit einiger Zeit in therapeutischer Behandlung. 

Anzeige
Sicherheit hat immer Konjunktur
Sicherheit hat immer Konjunktur

Schon mal an eine Ausbildung in der Security- und Werttransportbranche gedacht? Interessante Perspektiven gibt es hier:

Laut Anklage kam es schon 2017 dreimal zu Eskalationen mit der Staatsmacht in Uniform. Einmal hatten die Beamten D. in der Löbtau Passage helfen wollen, weil er am Kopf blutete. Er wollte sich nicht helfen lassen – und pöbelte und bespuckte er die Beamten. Die anderen beiden Male gab es Ärger vor der Huschhalle, einem Imbiss am Dreikaiserhof gleich nebenan. 

Flaschenwürfe vor der Huschhalle

Da warf D. jeweils eine Bierflasche auf die Beamten. Einmal verfehlte er die Polizisten nur knapp, doch die Flasche zerschlug die Seitenscheibe ihres Streifenwagens. Was dann passierte, wiederholte sich: Die Beamten mussten Unterstützungskräfte nachordern, weil sie selbst zu viert den aggressiven Störer nicht bändigen konnten.

Im März 2019 hat er einen 33-jährigen Kumpel am Amalie-Dietrich-Platz geschlagen und getreten, auch danach gab es Ärger mit der Polizei. Und schließlich kam es auch im April diesen Jahres zu einer Auseinandersetzung beim Einkaufen in einem Supermarkt, wo D. einen anderen Mann geschlagen haben soll.

D. gab die Vorwürfe zu, jedenfalls soweit er sich daran erinnern konnte. Viel war das jedoch nicht. Am Amalie-Dietrich-Platz sei er auf den Kumpel losgegangen, weil er erfahren haben, dass der 33-Jährige angeblich seine Tochter missbraucht habe. Doch der Verdacht hatte sich später als haltlos herausgestellt, ein Vorwurf der offenbar im Rahmen eines Trennungskonflikts aufgekommen war. Er habe sich einige Monate später bei dem 33-Jährigen entschuldigt, sagte D.

Knapp zehn Zeugen

Knapp zehn Zeugen, die meisten vom Revier West in Gorbitz, berichteten, wie sich der Angeklagte verhalten habe. Er sei im Revier auf der Julius-Vahlteich-Straße bekannt. D. war regelmäßig alkoholisiert, mehrfach auch mit deutlich mehr als zwei Promille. Ein Beamte berichtete, dass D. mit Pfefferspray gebändigt werden musste, als er im Januar 2017 in der Löbtau Passage herumgerannt sei und um sich geschlagen habe. Die Uniformierten hätten den Betrunkenen dann zu sechst in eine Klinik gebracht, wo er nachts jedoch geflüchtet sei.

Ein anderer Polizist berichtete wie sie vor der Huschhalle vom Angeklagten beleidigt und angegriffen worden seien. Die Polizei war im August 2017 nachts zu einem Verkehrsunfall in der Tharandter Straße gerufen worden, weil eine Fußgängerin an einer Ampel bei rot die Straße überquert habe und von einem Auto erfasst wurde.

Die Beamten hätten auch in der Huschhalle Zeugen des Unfalls gesucht - als plötzlich der hochaggressive Mann vor ihnen stand. "Er hat mich mit der flachen Hand ins Gesicht geschlagen", so ein Uniformierter. Später habe D. auch eine Flasche auf sie geworfen.

Nach der Schule habe er Beikoch gelernt, die Stelle aber wegen seiner Asthma-Erkrankung aufgeben müssen. Die erste Alkoholentzugstherapie fand vor etwa fünf Jahren statt, seit dem trinke er nicht mehr so viel, so D.

Im April Opfer einer Messerattacke

Im April sei er lebensgefährlich verletzt worden, als er nachts in Gorbitz niedergestochen worden sei. Drei Unbekannte seien ihm entgegengekommen, als er Zigaretten holen war. Plötzlich habe er von hinten einen Stoß gespürt. Die Täter hatten ihm in die Lunge gestochen. Er sei erst wieder in der Klinik aufgewacht. Seinen Job in einer Reinigung, wo er die letzten Jahre gearbeitet hatte, habe er deswegen aufgeben müssen.

Das Gericht verurteilte den mehrfach einschlägig vorbestraften Angeklagten zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr auf Bewährung. Außerdem muss er sein Alkohol-Problem in den Griff bekommen. „Sie sind eine tickende Zeitbombe“, sagte Richter Rainer Gerards. Er habe zwar berücksichtigt, dass D. aufgrund seiner hohen Alkoholisierung meist nicht mehr voll schuldfähig gewesen sei. Allerdings wisse der Angeklagte sehr genau, dass er unter Alkohol zu Aggressionen neigt.

Die Staatsanwaltschaft und Verteidiger Peter Hollstein hatten Bewährungsstrafen von jeweils sieben Monaten für den 37-Jährigen gefordert. Das Urteil ist rechtskräftig. 

Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter "Dresden kompakt" und erhalten Sie alle Nachrichten aus der Stadt jeden Abend direkt in Ihr Postfach.

Mehr Nachrichten aus Dresden lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Dresden