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"Ausgerechnet das Telefon mitgenommen"

Viermal ist innerhalb eines dreiviertel Jahres in der "Großenhainer Tafel" eingebrochen worden. Zuletzt am Dienstag und Donnerstag. Gestern wurden die Täter gefasst. Die drei Großenhainer im Alter von 18, 19 und 22 Jahren schleppten sackweise Nahrungsmittel weg, die kurz vorm Verfallsdatum stehen.

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Viermal ist innerhalb eines dreiviertel Jahres in der "Großenhainer Tafel" eingebrochen worden. Zuletzt am Dienstag und Donnerstag. Gestern wurden die Täter gefasst. Die drei Großenhainer im Alter von 18, 19 und 22 Jahren schleppten sackweise Nahrungsmittel weg, die kurz vorm Verfallsdatum stehen. Die Täter sind ohne Arbeit, zum Teil ohne jegliches Einkommen. Der Polizei sagten sie: Wir wollten was zu essen.
"Das ist bereits das zweite Mal diese Woche! Wir haben schon richtig Angst, wenn wir früh auf Arbeit kommen", sagt Petra Bartek, die Leiterin der Großenhainer Tafel. Dann fegt sie die Scherben zusammen und räumt in die Regale ein, was noch übrig ist vom letzten Raubzug des Großenhainer Trios. Die haben in der Nacht vom Mittwoch zum Donnerstag fein säuberlich die Scheibe der Terrassentür aufgeschnitten, den Türknauf von innen aufgedreht und sich so Zutritt zum Innenraum der "Tafel" verschafft. Um dann kistenweise Gurkengläser, Süßigkeiten, Fertigsuppen, Kaffeepäckchen und Backmischungen wegzuschleppen. Und zwei große Säcke mit Brot. Alles Waren kurz vorm Verfallsdatum, die in der Preuskerstraße an Bedürftige ausgeteilt werden. Mitgenommen haben die Drei auch fünf Paletten Bier. "Der Großmarkt hatte die Ladung so zusammen gepackt, erklärt die Tafel-Chefin und versichert, dass die ohnehin überlagerten Büchsen zum Wegschütten bestimmt waren. Schließlich gebe die Diakonie als Träger des Hauses keinen Alkohol aus. "Vielleicht haben uns die Männer beim Ausladen gesehen", ärgert sich die Chefin. Wirklich schlimm trifft die Einrichtung aber der Einbruch vom Dienstag. Da verschwand das für die Arbeit so wichtige schnurlose Telefon mit Anrufbeantworter. Seitdem ist das Ordern der Waren viel schwieriger, denn das Telefon blieb verschwunden. Die Täter setzten es sofort in Geld um. "Wir sind geschockt", sagt Siegfried Behla, der Leiter der Großenhainer Diakonie, "und wir hoffen, dass hier bald wieder Ruhe einzieht. Sonst können wir zumachen."
Gestern Mittag, etwa zur gleichen Zeit als an die Bedürftigen wieder Lebensmittel ausgereicht wurden, waren die drei jungen Männer bis zum Prozeß wieder auf freiem Fuß, weil sie zwar der Polizei bekannt, aber nicht vorbetraft sind. "Das letzte Wort ist noch lange nicht gesprochen", sagt Ermittlungsleiter Jan Meuche. Es wird weiter ermittelt. Schon jetzt steht fest, dass die Drei auch in Gartenlauben eingebrochen sind und Autos geknackt haben. Bei der Durchsuchung der Wohnungen fanden die Beamten jede Menge Plunder, aber auch CB-Funk-Geräte, Autoradios und Videorecorder. (SZ/Brühl/Ulbricht)

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