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Ausgerechnet in den Ferien

Besucher der Sächsischen Schweiz haben es schwer bei der Gaststättensuche. Aber auch der Tourismusverband.

© René Plaul

Von Heike Wendt

In Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt sind diese Woche Winterferien. Das lockt Besucher in die Sächsische Schweiz. Das Problem: So viele, wie in den Sommermonaten, sind es nicht. Gastronomen jonglieren deshalb zwischen Service für die Urlauber und finanziellem Risiko.

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Kurzfristig bei gutem Ausflugswetter das Haus zu öffnen, kann kaum ein Gastronom leisten. „Es ist ein echtes Problem“, sagt Gunter Claus, Geschäftsführer des Regionalverbandes Sächsische Schweiz vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga). Denn viele Gastronomen müssen einen Teil ihrer Mitarbeiter über den Winter in die Arbeitslosigkeit entlassen und können sie nicht kurzfristig zurückholen.

Betriebsferien im Winter sind an sich nicht das Problem. Wer in dieser Jahreszeit unterwegs ist, rechnet damit – und hat dennoch das Bedürfnis, sich vorher zu orientieren, wo er einkehren kann. Hier genau liegt das Problem, das seit Jahren in der Sächsischen Schweiz nur punktuell angepackt wird. Was hindert Tourismusfachleute daran, eine App zu entwickeln, mit der Besucher unkompliziert abfragen können, wo gerade geöffnet ist?

Der Tourismusverband Sächsische Schweiz hatte sich bereits vor einem Jahr dazu geäußert. Eine Gesamtübersicht aller geöffneten Gaststätten sollte auf dem Internetportal des Verbandes entstehen, später eine Handy-App. Ziel der Fertigstellung war der Saisonstart im April 2014. Doch beides sucht man bis jetzt vergebens. „Das Vorhaben erwies sich als schwieriger als gedacht“, sagt Tino Richter, Geschäftsführer des Tourismusverbandes. Die größte Schwierigkeit bestehe darin, aktuelle Daten von den Gastronomen zu bekommen. Die Meinung darüber sei gespalten. Einige schätzen die Information der Besucher als sinnvoll und serviceorientiert ein. Andere wollen lieber spontan entscheiden, wann sie in der Winterzeit ihr Haus öffnen. „Weitgehend vollständige und aktuelle Informationen zu bekommen, das ist damit kaum möglich“, sagt Tino Richter.

Zudem kämen auch von den Tourismusinformationen der verschiedenen Orte ganz unterschiedliche Infos. Manche sind über die Häuser in ihrem Ort sehr gut informiert, andere wissen selbst kaum Bescheid. Hohnstein beispielsweise hat die aufwendige Aktualisierung selbst übernommen. Unter der Rubrik Tourismus/Besucherinformation/Gastronomie ist ein Großteil der Restaurants auf Hohnsteiner Terrain erfasst. Hier findet der Gast auch im Winter, wo er einkehren kann. „Allerdings hapert es teilweise an der Zulieferung vonseiten der Gastronomen“, sagt André Häntzschel, Geschäftsführer der Tourismusgesellschaft Hohnstein. Dennoch bemüht sich die Tourismusgesellschaft, immer aktuell zu sein. Auch im Kirnitzschtal funktionieren Absprachen unter den Gastronomen und die Informationen für die Besucher.

Doch beide Regionen sind nur ein Teil der Sächsischen Schweiz. Aufgeben will der Tourismusverband das Projekt allerdings nicht. „Es wird keine schnelle Lösung geben“, sagt der Verbands-Chef. Zumal er die dauerhafte Pflege als große Schwierigkeit ansieht. Eine einfache Liste will er nicht auf sein Internetportal stellen. „Das ist nicht unser Anspruch. Wir wollen an unserem Qualitätsziel festhalten“, sagt Richter. Dazu gehöre die Verknüpfung mit einer App, die tatsächlich aktuell funktioniert. „Wir wollen das Thema noch einmal mit den Leistungsträgern ansprechen.“

Einen anderen Ansatz sieht der Dehoga-Regionalchef. Denn die Umsätze der Hotels und Gaststätten im Sommer reichten nicht aus, um über den Winter zu kommen. Aus seiner Sicht wäre die Einführung von Kurzarbeitergeld in der Gastronomie für die Wintermonate eine Lösung. Dann müssten die Mitarbeiter nicht entlassen werden, und die Suche nach neuen Arbeitskräften im Frühjahr würde weniger Kraft kosten.

Gemeinsam mit dem CDU-Bundestagsabgeordneten und Vorsitzenden des Tourismusverbandes Klaus Brähmig fordert Claus eine Regelung, die als Modellprojekt dienen könnte. „Davon könnten andere Regionen profitieren, die ähnliche Sorgen haben wie wir in der Sächsischen Schweiz.“