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Ausgezeichnet ausgebildet

Die Sebnitzer Firma WEA geht bei der Suche nach Lehrlingen neue Wege. Dafür gab es jetzt eine Auszeichnung.

Von Dirk Schulze

Bis vor vier oder fünf Jahren war das alles kein Problem. Die Bewerbungen lagen jedes Jahr von allein im Briefkasten, erzählt Henner Jordan, Geschäftsführer der Sebnitzer Wärme- und Energieanlagenbau GmbH (WEA). Doch dann kam der Schnitt. Ganze zwei Bewerbungsmappen trudelten in einem Jahr bei der Firma ein. Beiden jungen Männern bot Jordan eine Ausbildung an. Beide sagten ab. Sie hatten etwas anderes gefunden.

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Das Unternehmen, das seit seiner Gründung 1997 immer ausgebildet hatte, stand auf einmal ohne frischen Nachwuchs da. Das ging zwei Jahre in Folge so, dann hatte Geschäftsführer Jordan genug. Wenn die Auszubildenden nicht mehr von alleine kamen, dann musste er eben nach ihnen suchen. Und zwar jenseits der Grenze. Aus Mangel an heimischen Bewerbern begann er, bei jungen Leuten in Tschechien für sein Unternehmen zu werben.

Im Jahr 2012 begannen dann neben einem deutschen auch erstmals zwei tschechische Azubis ihre Ausbildung bei der WEA. Das war nicht immer ganz einfach. Erste Schwierigkeiten gab es schon vor dem Start mit der Berufsschule. Als Jordan seine neuen Lehrlinge dort anmeldete, hatten sie noch keine deutsche Anschrift. Die Verwaltung wusste nicht, wie sie damit umgehen sollte. Mit dem ohnehin geplanten Bezug einer kleinen Wohnung in Sebnitz klärte sich die Sache später.

Solche und andere Schwierigkeiten in der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit sind dem Unternehmer nicht fremd. Er beschäftigt schon länger mehrere tschechische Mitarbeiter. Die Firma ist viel im Auftrag der Telekom in der Region unterwegs. Wenn die aus dem Nachbarland stammenden Techniker dann an den Häusern klingeln, weil sie an die Schaltkästen müssen oder Anschlüsse verlegen wollen, werden sie oft nicht reingelassen. Die Bewohner machen nicht auf, weil sie eine Stimme mit Akzent an der Haustür hören. Die Firma hat sich damit beholfen, jeweils einen deutschen Azubi mitzuschicken. Der übernimmt das Reden, im Gegenzug lernt er von dem ausgebildeten Facharbeiter das technische Handwerk.

Für die Azubis aus dem Nachbarland war es anfangs in der Berufsschule nicht einfach. „Besonders die Fachbegriffe und Vokabeln“, erklärt Martin Seibt, der aus Varnsdorf im Schluckenauer Zipfel stammt. Der 21-Jährige war, wie in Tschechien üblich, dort schon zwei Jahre auf einer Berufsfachschule, bevor er bei der WEA anfing. Er konnte durch das Abitur bereits gut Deutsch. Sein Azubikollege musste mit der Sprache bei null anfangen.

Das Unternehmen versucht, wenn nötig, mit Deutschkursen weiterzuhelfen. „Wir wollen ein deutsch-tschechisches Klima schaffen“, sagt Geschäftsführer Jordan. Er will dem Nachwuchs eine Perspektive in der Firma geben. Mittlerweile bildet die WEA insgesamt fünf junge Tschechen aus. In diesem Jahr kommen noch ein deutscher und ein tschechischer Azubi hinzu.

Dafür wurde die WEA jetzt mit einem offiziellen Zertifikat der Arbeitsagentur für hervorragendes Engagement in der Nachwuchsförderung ausgezeichnet. „Sie sind seit Langem die erste Firma, der wir das überreichen“, sagte Mario Lehwald, der Geschäftsführer der Pirnaer Agentur für Arbeit, bei der Übergabe in Sebnitz. Ausgezeichnet würden damit Unternehmen, die sich von anderen abheben und bei der Förderung des Fachkräftenachwuchses alternative Wege beschreiten. Die WEA habe die Jugendlichen nicht nur bei der Ausbildung, sondern auch in persönlichen Belangen, wie dem Erlernen der Sprache, unterstützt. Das sei wichtig für die Entwicklung der Wirtschaft in der Region.

„Wir müssen Azubis einstellen, damit wir überleben können“, sagt WEA-Chef Jordan. Aktuell kommen zwar Bewerbungen, aber nur wenige, und die sind leistungsmäßig oft nicht gut genug. Für die Firma ist es aber das A und O, dass die Azubis ihre Ausbildung auch schaffen. Nur dann können sie übernommen werden. Denn das Unternehmen arbeitet viel für große Energieversorger wie die Enso. Um diese Arbeiten am Stromnetz machen zu dürfen, ist eine Spezialprüfung nötig. Das Facharbeiterzeugnis ist dafür die Voraussetzung.