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Ausländerfeind verdient mit „Asyl-Ikea“

Bert Karlsson war Mitbegründer einer ausländerfeindlichen Partei. Heute macht er ein Vermögen mit extrem billigen Unterkünften für Flüchtlinge.

Von Andre Anwar, Stockholm

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Die rechtspopulistische „Neue Demokratie“ ist wieder wie ein brauner Spuk von der politischen Bühne Schwedens verschwunden. 1991 gelang ihr mit 6,7 Prozent der Einzug in den Reichstag, wo sie Zünglein an der Waage für die damalige bürgerliche Regierung war. Das Projekt erwies sich dennoch als Eintagsfliege. Die Organisation implodierte, weil es kein fähiges Personal gab. Zu ihren Mitbegründern gehörte damals der heute 69-jährige Schwede Bert Karlsson, ein schillernder Unternehmer. Trotz seines Ausflugs in die rechte Szene ist Karlsson, der sich auch als Volksmusiker, Plattenproduzent und Fernsehmoderator versuchte, heute gefragter denn je. Und auch umstrittener denn je.

Kommunen lieben „Asyl-Ikea“

Schwedens Verwaltung hat in den vergangenen zehn Jahren viele staatliche Aufgaben an private Akteure ausgelagert. So auch Unterkünfte für Flüchtlinge. Rechtzeitig erkannte der pragmatische Unternehmer in seinem alten Kritikobjekt einen Wachstumsmarkt. Seit einigen Jahren wächst seine private Flüchtlingsheim-Kette rasant. Schwedische Zeitungen schreiben bereits vom „Asyl-Ikea“. Karlsson verspricht den durch steigende Flüchtlingsströme in Bedrängnis geratenen Kommunen „hohe Qualität zu niedrigen Preisen“. Die greifen gerne zu. Kein anderes europäisches Land hat so viele Flüchtlinge pro Kopf aufgenommen wie Schweden. Und der Markt wächst. 2015 sollen mit rund 100 000 Flüchtlingen doppelt so viele kommen wie im Vorjahr.

Was mit ein paar wenigen Baracken begann, ist innerhalb von rund zwei Jahren zu einem Imperium geworden. Karlssons Unternehmen Jokarjo AB erwartet 2015 einen Umsatz von bis zu einer Milliarde Kronen, gut 106 Millionen Euro. „Ich muss mich selbst manchmal in den Arm kneifen. Wir machen das ja erst seit zwei Jahren“, sagte Karlsson der Zeitung Expressen. Jeden Tag könne er dem Migrationsamt derzeit eine Rechnung von rund 86 600 Euro schicken, verrät er der Zeitung. Für jeden Asylbewerber, den er mit Essen, Bett und einem Dach über dem Kopf versorgt, nimmt er 31,80 Euro am Tag. Wenn das Migrationsamt den Vertrag nicht nur alle zwei bis drei Monate verlängern würde, sondern sich auf zwei Jahre festlegen würde, könne er die Kosten pro Flüchtling um weitere 15 bis 20 Prozent senken, verspricht er. Seine Flüchtlingsheim-Kette hat inzwischen 350 feste Angestellte, die in den rund 30 Unterkünften arbeiten. 20 weitere Filialen werden in diesem Jahr eröffnet. Die Unterkünfte haben zwischen 100 bis 500 Plätze. Karlssons Geschäftsidee war es, schlecht laufende oder stillgelegte Hotels auf dem Lande, Konferenzgebäude und andere Objekte aufzukaufen und sie zu Flüchtlingsheimen umzubauen.

Kritik von Flüchtlingsverbänden

Flüchtlingsverbände in Schweden kritisieren die Kommunen für ihre Zusammenarbeit mit Karlsson. Jemanden, der aus dieser Rechtsaußenecke kommt, mit der Unterbringung von hilflosen, oft traumatisierten Flüchtlingen zu betrauen, sei makaber und eine Gefahr für diese Menschen. Der Staat könne nicht kontrollieren, was für eine Art von Angestellten Karlsson in den Flüchtlingsheimen auf die Insassen loslasse, was für Essen sie bekommen, wie niedrig die Wohnstandards sind. Karlsson selbst beteuert heute, dass seine Partei von einst vor allem eine Protestpartei war und nichts mit Rassisten und Ausländerhass am Hut hatte. Einwanderungskritisch sei er aber auch heute noch, gibt er zu. „Ich habe die gleiche Meinung wie damals. Und die Flüchtlinge müssen ja irgendwo wohnen.“

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