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Ausschreitungen in den USA spitzen sich zu

Die Proteste in den USA hinterlassen eine Spur der Verwüstung – und der Verwirrung. Nicht nur die Polizei trägt Gewehre.

Ein Demonstrant der "Minnesota Freedom Riders" marschiert mit einem Gewehr bei einem Protest gegen Polizeigewalt mit.
Ein Demonstrant der "Minnesota Freedom Riders" marschiert mit einem Gewehr bei einem Protest gegen Polizeigewalt mit. © Chris Juhn/ZUMA Wire/dpa

Von Joanna Nietfeld

Blendgranaten, Pfefferspray, zerstochene Autoreifen, zertrümmerte Fensterscheiben und mindestens fünf Schüsse: Das ist die Bilanz eines Wochenendes mit landesweiten Protesten in den USA. In sämtlichen Städten, darunter Austin in Texas, Louisville in Kentucky, New York, Omaha, Oakland, Los Angeles und Richmond, hatten sich tausende Menschen versammelt, um gegen die umstrittenen Einsätze der Bundespolizei in Portland zu demonstrieren.

Zuvor waren Videos viral gegangen, in denen Bundespolizisten, die dem Heimatministerium unterstellt sind, Menschen in nichtgekennzeichneten Lieferwagen abführten. US-Präsident Donald Trump hatte die schwer bewaffneten Truppen gegen den Willen der örtlichen Behörden nach Oregon entsandt. Solche Einsätze prüfe er nun auch für Chicago, New York, Baltimore, Detroit und Philadelphia, kündigte er vergangene Woche an.

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Die Menschen in den liberalen amerikanischen Großstädten scheinen wütend auf Trumps rigorose "Law and Order"-Politik zu sein. Die Zusammenstöße zwischen Polizei und Demonstranten hinterlassen eine Spur der Verwüstung in den Innenstädten. In Richmond, im Bundesstaat Virginia, sollen die Beamten Medienberichten zufolge chemische Mittel gegen einen Black-Lives-Matter-Marsch eingesetzt haben. Bilder zeigen ein immer aggressiveres Vorgehen der Polizei.

Sicherheitskräfte stehen in Portland für den Einsatz bei einer Demonstration bereit.
Sicherheitskräfte stehen in Portland für den Einsatz bei einer Demonstration bereit. © Dave Killen/The Oregonian/AP/dpa

Gleichzeitig überraschen die Fotos von bewaffneten Demonstranten an diesem Wochenende. In der Innenstadt von Austin fallen am Samstagabend plötzlich Schüsse, wie ein Video auf dem Kurznachrichtendienst Twitter zeigt. Dabei sei eine Person tödlich verletzt worden, teilten die Polizei Austin und der medizinische Notfalldienst der Stadt via Twitter später mit.

Das Filmmaterial zeigt, wie eine Gruppe von etwa hundert Menschen "Fäuste hoch! Wehrt euch!" ruft, als auf einmal die Knalle zu hören sind. Die Demonstranten rennen panisch auseinander, der Filmer lässt sein Handy fallen, er hebt es kurze Zeit später wieder auf und versteckt sich hinter einer Säule.

Ein Foto auf Twitter zeigt das mutmaßliche Opfer während des Protests selbst mit einer Feuerwaffe in der Hand, neben ihm seine Schwarze Freundin in einem Rollstuhl. Verschiedene Nutzer diskutieren unter dem Foto, ob es okay ist, dass er eine Waffe bei sich trägt, um sie zu schützen. Auch aus Richmond gibt es Bilder von Demonstranten in schusssicheren Westen und mit Gewehren - sie sehen der Bundespolizei in Portland überraschend ähnlich.

Polizei setzt Blendgranaten und Pfefferspray in Seattle ein

In mehreren Straßen Seattles waren am Samstag kleine Detonationen zu hören, Demonstranten stachen Autoreifen auf und zertrümmerten Fensterscheiben. Sicherheitskräfte setzten Blendgranaten und Pfefferspray ein. Die Polizei gab am späten Samstagabend auf Twitter die Festnahme von 45 Menschen bekannt.

In Portland, im Nachbarstaat Oregon, kam es die 58. Nacht in Folge zu Protesten. Der lokale Sender KOIN berichtete, Sicherheitskräfte des Bundes hätten in der Nacht zu Sonntag Tränengas eingesetzt. Demonstranten hätten Feuerwerkskörper auf das Gebäude eines Bundesgerichts geworfen, einer davon sei in einer Menschenmenge detoniert.

Der Bürgermeister von Portland, Ted Wheeler, hatte den Bundespolizisten vorgeworfen, sie würden eine Eskalation der Lage herbeiführen. Die paramilitärischen Einheiten würden sich nicht ausweisen.

Die Bilder des Wochenendes werfen Fragen auf: Tragen Demonstranten nun im Gegenzug Waffen, um zu zeigen, wie ausweglos sie den Beamten sonst ausgeliefert wären? Oder sind sie selbst Waffennarren?

Das Paar, das im Bundesstaat Missouri Ende Juni mit Waffen auf Demonstrierende gezielt hatte und damit für viel Empörung sorgte, ließ vermuten, dass die BLM-Bewegung Waffengewalt grundsätzlich ablehne – doch womöglich weichen die Einsätze der Bundespolizisten in Portland diese Überzeugung langsam auf.

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