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Wenn sich Linien und Flächen begegnen

Ursula Strozynski mag die Linien ihrer Radierungen, Rainer Ahrendt holt mit der Kamera das Grafische in die Fläche heraus. Ihre Arbeiten sind in Bautzen zu sehen.

Jetzt in der Galerie Budissin in Bautzen zu sehen: Rainer Ahrendt mit seinen Fotografien und Ursula Strozynski mit Malerei und Grafik.
Jetzt in der Galerie Budissin in Bautzen zu sehen: Rainer Ahrendt mit seinen Fotografien und Ursula Strozynski mit Malerei und Grafik. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Ein Stuhl steht am Wasser, der Horizont öffnet sich und bleibt an der Klippe hängen. Verlassen liegt auf der Radierung das Fischerboot im Sand. Die Sehnsucht nach Meer spricht aus diesem Bild. „Wir mögen Landschaften, die den Eindruck vermitteln, als sei der Mensch gerade zur Tür herausgegangen“, sagt Ursula Strozynski. Die Künstlerin und der Fotograf Rainer Ahrendt zeigen nun in der Galerie „Budissin“ ihre jüngsten Arbeiten. Die Ausstellung trägt den Titel „Unterwegs“.

In die Räume in der Schloßstraße hat Ilona Lubensky die Berliner Künstler geholt. „Ich habe Anfang der 1980er-Jahre beim Staatlichen Kunsthandel in der Pchalekstraße gearbeitet. Dort haben wir schon einmal Arbeiten von Ursula Strozynski gezeigt“, sagt die Kuratorin. Damals ist die gebürtige Eichsfelderin neu im Verband bildender Künstler. Der Zeichenstift aber begleitet sie bereits seit ihrer frühsten Jugend im thüringischen Dingelstedt. Doch für ein Kunststudium fehlt ihr der Mut.

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Nie Menschen fotografieren

Stattdessen geht die Handwerkstochter 1972 zum Studium an die Architekturfakultät an der TU Dresden als „Notlösung“. Da ist ihr heutiger Lebensgefährte Rainer Ahrendt mittendrin im Studium des Entwerfens, Gestaltens und Konstruierens von Bauwerken. Man läuft sich mal über den Weg, ansonsten trennen sich erstmal wieder ihre Wege. Den heute 70-Jährigen interessieren in dieser Zeit schon die Kombination aus Technik und Ästhetik, Flächen, aus denen mit dem Blick durch die Kamera Grafisches entsteht. Der gebürtige Neustrelitzer ist immer unterwegs mit dem Fotoapparat. „Ich wollte nie Menschen fotografieren, sondern immer die Stillleben der Flächen. Die Fotos sollen keine Geschichten erzählen, sondern wie Grafiken wirken“, sagt der Künstler.

Anders als Ursula Strozynski bleibt Rainer Ahrendt nach seinem Studium Architekt. Die Suchende zieht nach Berlin – und hängt ihre Ausbildung an den Nagel. Mit der Kladde und dem Stift stellt sie sich stattdessen mitten auf die Straße, während ihr die Passanten über die Schulter schauen. „Die Hälfte der Häuser war abrissreif. Es hatte für mich trotzdem einen Charme. Ich habe einfach gezeichnet, was da war“, sagt die heute 66-Jährige. Der Kohlestift wird ihr Begleiter, mit ihm lässt sich schnell und kraftvoll arbeiten, Akzente setzen. An Aquatinta-Radierungen beißt sie sich fest und stellt bereits vor 1990 ihre ersten Arbeiten aus.

Sehnsucht nach Meer

Rainer Ahrendt dagegen wird freiberuflicher Ausstellungsarchitekt und ist unter anderem für die letzte große Ausstellung der DDR über die DDR im Sommer 1989 in Moskau zuständig, nach der Wende arbeitet er als freier Architekt. Seine freie Zeit verbringt der Wahl-Berliner mit der Kamera erst zwischen den verfallenen Häusern in Berlin-Mitte, dann zwischen Häuserschluchten und in der weiten Welt.  Auf manchen seiner Negative finden sich die gleichen Ecken, die Ursula Strozynski strichweise aufs Papier bringt. Die Lebenslinien aber verschlingen sich erst wieder vor gut zehn Jahren.

Inzwischen teilen sich Ursula Strozynski und Rainer Ahrendt ein Atelier und ihre Begeisterung für Linien, Flächen und Schatten. „Ich habe immer Flächen gesucht, die zueinander stehen und grafisch wirken. Das fasziniert mich“, sagt der Fotograf. Die Bautzener Ausstellung zeigt nun einen Querschnitt ihrer Arbeiten aus den vergangenen Jahren. Neben dem menschenleeren Meerbild aus Andalusien gibt es Zeesboote an der Ostsee, Licht- und Schattenspiele auf Fassaden, die sich wiederum in Grafiken auflösen, Collagen, die auch von der Sehnsucht nach dem Meer und Weite erzählen. Die Ausstellung ist bis 26. September in Bautzen zu sehen.

Galerie Budissin, Schloßstraße 19 in Bautzen, Öffnungszeiten Dienstag bis Sonnabend 14 – 18 Uhr, Kunstgespräch am 3. September um 19 Uhr in der Galerie

www.kunstverein-bautzen.de

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