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Ausstellung fordert Widerspruch heraus

Von einem Dachboden-Fund, den ersten lutherischen Missionaren am Kilimanjaro und einem Ziel, das bis heute ambivalent bleibt.

Ausstellungseröffnung mit den Jungsenioren der Kirchgemeinde und Pfarrer Andreas Kecke aus Radeburg.
Ausstellungseröffnung mit den Jungsenioren der Kirchgemeinde und Pfarrer Andreas Kecke aus Radeburg. © Kathrin Krüger-Mlaouhia

Großenhain. Das erste Mal im afrikanischen Tansania war Radeburgs Pfarrer Andreas Kecke als "ganz normaler Bergsteiger". Er erlebte nicht nur den schneebedeckten Berg Kilimanjaro, sondern auch ein Krankenhaus, ein Vorzeigeobjekt, das auf die lutherische Mission zurückgeht. 

Auf einem Dachboden bei Bautzen, so erzählt Kecke weiter, wurden ihm später Glasplatten aus Afrika gezeigt. "Diese Fotoplatten stammten von Emil Müller, einem der ersten tansanischen Missionare", stellte der Pfarrer erfreut fest. Jener Emil Müller - "der Gewissenhafte" - wird auch in der Ausstellung beschrieben, die jetzt in der Marienkirche eröffnet wurde. 

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Pfarrer Kecke hat sich seither intensiv mit 125 Jahren lutherischer Missionstätigkeit in Tansania beschäftigt. Er kennt zwei "Blockaden", die immer wieder Widerspruch zu den Erfolgen der christlichen Missionierung hervorrufen: die Verquickung mit dem Kolonialismus und das Überstülpen europäischer Kultur auf die afrikanischen Eingeborenen. Zum Beispiel beschrieben im Buch "Verbrechen im Namen Christi" aus dem Jahr 2000.   

Pfarrer Andreas Kecke mit einer Fotoplatte des Missionars Emil Müller bei der Ausstellungseröffnung in der Großenhainer Marienkirche.
Pfarrer Andreas Kecke mit einer Fotoplatte des Missionars Emil Müller bei der Ausstellungseröffnung in der Großenhainer Marienkirche. © Kathrin Krüger-Mlaouhia

"Missionierung war damals so ambivalent wie heute", meint Daniel Keiling vom Leipziger Missionswerk, das die Ausstellung verantwortet. Die 1893 von der Leipziger Kirche Ausgesandten wollten in erster Linie das Leben der afrikanischen Menschen verstehen. Wollten Begleiter sein bei einer Überformung, die sowieso schon im Gange war, heißt es. Erst in Indien, später in Afrika. Die Engländer und Franzosen waren dort schon vorher da. Seit 1880 gab es dann zwei Schiffslinien von Hamburg an die afrikanische Ost- bzw. Westküste. 

Die lutherischen Missionare aus Leipzig, so legt es die Ausstellung nahe, waren "Anwälte der Eingeborenen". Sie wollten ihnen nur das Evangelium bringen, nicht die europäische Kultur und Zivilisation. Ob das überhaupt möglich ist, bleibt strittig. Freilich war der Wunsch der "Heidenbekehrung", sie von schlechten Traditionen wie dem Töten von angeblich missgeborenen Kindern oder der Genitalbeschneidung bei Mädchen abzubringen. "Sie haben uns die Angst vor den bösen Geistern genommen", wird das Volk der Chagga zitiert. 

In Tansania waren die Missionare jedenfalls sehr erfolgreich durch ihre Schulgründungen. Sie bekehrten die ersten Christen, indem sie ihnen die Schriftsprache lehrten. Jener Emil Müller brachte ein Wörterbuch Deutsch-Suaheli heraus. Aus Arzneihäuschen wurden große Krankenstationen. Doch es gab auch die Kirchenzucht, die mehr oder weniger rigide Entziehung von Rechten. Und ob der Alkoholismus mit den Europäern kam oder vorher schon da war, ist auch nicht eindeutig zu sagen. 

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Pfarrer Daniel Keiling vom Missionswerk betonte in der Marienkirche, dass wir Deutschen nicht nur gegeben haben, sondern heute vor allem nehmen. Keiling studierte in Tansania und habe dort sehr viel gelernt, sagt er, zum Beispiel bei Hausbesuchen. "Heute gibt es keine Missionare mehr, sondern Partnerschaft, Begegnung und gegenseitiges Verständnis." Es gibt tansanischen Tee von den Usambara-Bergen, den Pfarrer Dietmar Pohl aus dem Eine-Welt-Laden besorgt hat. Und leckere Schokolade!    

Ausstellung: bis 30. August in der Marienkirche Großenhain, täglich 10 bis 18 Uhr, Eintritt frei

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