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Ausverkaufte Träumereien am Kamin

Rolf Hoppe machte mit seinen Lesungen den Weesenstein populär. Das Schloss dankt es ihm mit einer Ausstellung.

© Thomas Morgenroth

Von Thomas Morgenroth

Weesenstein. Leise knistert und knackt das brennende Holz, und in die Melodie des wärmenden Kaminfeuers stimmt sachte das Piano ein. Der Dresdner Musiker Wolfgang Torkler verschmilzt förmlich mit dem Flügel, wenn er die beinahe feierliche Atmosphäre im Konzertsaal des Schlosses Weesenstein mit perlenden Tönen aufgreift. Rolf Hoppe sitzt in seinem herrschaftlichen Sessel mit den kunstvoll geschnitzten Armlehnen, genießt minutenlang die Musik und blickt dabei milde lächelnd in die erwartungsfrohen Gesichter seiner Gäste. Dann rückt der Dresdner Schauspieler seine Brille zurecht, die an einer Kordel um seinen Hals baumelt, schlägt die erste Seite in seiner Mappe auf und beginnt zu lesen.

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Hoppes warme und tiefe Stimme füllt auch ohne große Lautstärke sofort den Raum und erzeugt bei manchem Zuhörer eine wohlige Gänsehaut. Der Mann mit dem grauen Bart liest gestikulierend und grimassenschneidend Gedichte und Erzählungen, Märchen und Anekdoten. Oder er springt auf, stürmt rezitierend durch die Stuhlreihen und rappt als 75-Jähriger das Lied vom „Genervten Weihnachtsmann“.

Mit seinen „Lesungen am Kamin“ versetzte Rolf Hoppe von August 1991 an zwanzig Jahre lang sein Publikum in Entzücken. Seine „Dresdner Dreiklänge“ mit „Weesensteiner Osterspaziergang“, „Gruselgeschichten“ und „Meine Weihnachtsgeschichten“, seit 1998 von Wolfgang Torkler musikalisch gerahmt, sind legendär. Die Telefone liefen heiß, sobald die Termine feststanden. Obwohl in Missachtung aller Feuerwehrverordnungen das Platzangebot von 75 über 100 bis auf 135 stieg, war jede seiner Lesungen binnen Stunden restlos ausverkauft. Um die 58000 Gäste erlebten schließlich Hoppes mehr als 475 Soloauftritte auf dem Weesenstein.

Mit 80 Abschied von der Bühne

Am 25. April 2011 verabschiedete sich der 80-jährige Rolf Hoppe mit dem „Weesensteiner Osterspaziergang“ von seinem treuen Publikum im Müglitztal, für immer. „Einmal musste Schluss sein“, sagt Hoppe. „Die Lesungen, die ja zwei Stunden dauerten, waren enorm anstrengend, das konnte ich nicht ewig machen.“ Außerdem, meint er schmunzelnd, waren ja ursprünglich nur vier Veranstaltungen geplant.

Die Idee dazu hatte der damalige Schlossdirektor Klaus-Dieter Wintermann, der den Weesenstein über das Museale hinaus mit schönen Künsten zu beleben versuchte. Eigentlich, weiß Hoppe, wollte Wintermann den Schauspieler und Sänger Horst Schulze engagieren. „Weil das nicht klappte, rief er mich an. Ich habe aber nicht gleich zugesagt“, erinnert er sich. „Einzelauftritte waren nicht so meine Sache, ich bin kein großer Plauderer. Ich war eher einer, der in der Gruppe spielte.“

Wintermann wartete beim ersten Treffen zunächst vergeblich auf den Schauspieler: Der ortsunkundige Hoppe kurvte durch das Seidewitztal zum Kuckuckstein, der ihm durch das Fernsehen als Zauberschloss ein Begriff war. Aber Weesenstein? Nun, schon bald hatte Rolf Hoppe die „Perle des Müglitztales“ in sein Herz geschlossen, der Weesenstein wurde sein Märchenschloss, sein zweites Zuhause, auch über die Lesungen hinaus. Im Jahr 1997 erschienenen und jetzt wieder aufgelegten Bildband „Hoppes Traum. Das sagenhafte Weesenstein“ mit Fotografien von Andreas Neubauer, wandelt er als Mönch durch die alten Gemäuer. Kim Fischer drehte mit ihm für den Mitteldeutschen Rundfunk eine Serie über das Schloss. Und im Hörspiel „Der Grumling vom weißen Stein“, in Erinnerung an die Flut 2002 entstanden, mahnt Hoppe als fiktive Stimme der Natur vor einem erneuten Hochwasser.

Weesenstein profitiert von der Beliebtheit Hoppes

Im November 2006 schließlich kam es auf dem Weesenstein sogar zu einem gemeinsamen Auftritt von Rolf Hoppe mit dem Rockpoeten Heinz Rudolf Kunze aus Hannover. Auf Kunzes Wunsch, der Hoppe ein Dreivierteljahr lang „bekniet“ hatte. „Ich kannte ihn bis dahin überhaupt nicht“, sagt Hoppe, der in zwei ausverkauften Veranstaltungen im großen Saal auf dem Plüschsofa sitzend gefühlvoll Kunzes Hit „Dein ist mein ganzes Herz“ vortrug.

Durch die Lesungen des aus Film, Fernsehen und von der Bühne bekannten und beliebten Schauspielers war der Weesenstein bald in aller Munde, und er ist es noch heute. Das Schloss dankt es Rolf Hoppe mit einer Ausstellung zu seinem 85. Geburtstag, den der aus dem Harz stammende Mime am 6. Dezember 2015 beging und in seinem Weißiger Hoftheater feierte.

Das Knistern des Kaminfeuers gibt es übrigens auch auf CD. In der „Heine-Träumerei“, die Rolf Hoppe 2003 gemeinsam mit Wolfgang Torkler in Erinnerung an seinen Freund KDW, Klaus-Dieter Wintermann, aufgenommen hat. Der Schlossdirektor, der 1988 ins Müglitztal kam, starb 2001 im Alter von nur 47 Jahren.

Rolf Hoppe, „Ein Schauspielerleben“, bis 1. Mai auf Schloss Weesenstein; bis März Dienstag bis Sonntag 10 bis 16 Uhr, ab April täglich 10 bis 18 Uhr.

www.schloss-weesenstein.de