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Auszeit vom Alltag

Regina Meltzer aus Quoos züchtet Kleinwidder. Solch ein Hobby zu haben, ist für sie etwas ganz Besonderes.

© Carmen Schumann

Von Kerstin Fiedler

Das ist ungewohnt für den Kleinwidder wildfarbig. Denn aus dem Stall holt ihn Regina Meltzer eigentlich selten. Doch er sollte sich daran gewöhnen, denn er ist eins von insgesamt fünf Tieren, das die Züchterin am Wochenende in der Ausstellung des Kleintierzüchtervereins S 237 Kleinwelka in der Reithalle Kronförstchen zeigt. Dort ist sie seit 2006 Mitglied.

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Für Regina Meltzer ist eine solche Vereinsmitgliedschaft keine Selbstverständlichkeit. Denn bei Meltzers verlaufen die Tage in vielerlei Hinsicht anders als bei anderen Familien. Ihre ersten beiden Kinder, die 31-jährige Nadine und der 33-jährige Sebastian, sind behindert. Sie sind mit einem seltenen Gen-Defekt geboren worden. Dennoch haben sich die Eltern entschieden, sie zu Hause zu betreuen. Beide gehen in die Behindertenwerkstatt in Bautzen. Erst mit Tara, dem Nesthäkchen, das Regina und Reiner Meltzer vor acht Jahren adoptiert haben, lernten sie kennen, wie es ist, ein Kind ohne Behinderung aufwachsen zu sehen. Und so dreht sich eben vieles in der Planung um die Kinder. Dennoch haben es Meltzers gelernt, eine Auszeit vom Alltag zu nehmen. Regina Meltzer singt im Frauenchor Königswartha und lernt Keyboard spielen. Reiner Meltzer kümmert sich um die Aquarien in der Wohnung. „Das wird alles besser, wenn er in den Vorruhestand geht“, sagt Regina Meltzer, und zählt schon die Monate. Denn ihr Mann arbeitet als Amtsleiter im Landratsamt, ist selten vor 20 Uhr zu Hause. „Aber wir brauchen ja auch ein Hobby, wenn wir beide zu Hause sind“, sagt Regina Meltzer. Und da sie schon immer gern Hasen haben wollte, züchtet sie nun eben welche. Zuallererst zum Essen, betont die 56-Jährige. Zuerst waren es Rote Neuseeländer, jetzt sind es die wildfarbenen Kleinwidder. Früh und abends werden sie gefüttert. Auch Tara hilft schon mit. Sie hat einen eigenen Zwerghasen. „Der darf am Leben bleiben, sie hat ihn mit im Zimmer“, sagt Regina Meltzer schmunzelnd. Denn sie hat von Anfang an der Jüngsten beigebracht, dass die Tiere nicht zum Kuscheln, sondern zum Essen da sind.

Und so gibt es vor allem zu den Festen wie Ostern und Weihnachten Hasenbraten. Nicht nur in der Familie, sondern auch bei Bewohnern aus dem Dorf, die sich schon ihre Tiere bei Regina Meltzer bestellen. „Manchmal machen wir auch einfach Tauschgeschäfte. Da bekomme ich eine Ente von einem Nachbarn, und der dafür einen Hasen von mir“, sagt Regina Meltzer. Stammkunden kommen sogar bis aus Cunewalde. 2013 waren es drei Würfe, die sie registrierte. „Das ist übersichtlich, denn mehr Ställe haben wir ja gar nicht“, sagt die ruhige, freundliche Frau.

Am Wochenende wird sie fünf Tiere ausstellen und bewerten lassen. Eine Zuchtgruppe mit vier Tieren und eine Häsin. „Ich will sie mal testen lassen, ob sie zur Zucht geeignet ist“, sagt Regina Meltzer. „Ansonsten kommt sie in die Pfanne“, ergänzt sie emotionslos.

Das Ausstellungs-Wochenende wird straff geplant sein. Denn Nadine und Sebastian verlangen nach ihrer Mutter, wenn sie zu Hause sind. Nadine ist sehr personenbezogen. „Zum Glück versteht sie sich mit Tara gut“, sagt die Mutter. Tara hat aber auch ihre Wünsche. Die Zehnjährige, die zurzeit die sorbische Grundschule in Radibor besucht, ist künstlerisch veranlagt, geht tanzen und lernt Gitarre spielen. Wenn Tara also nach Bautzen zum Tanzen gefahren wird, kommt Hilfe von einem Pflegedienst. „Eine tolle Frau“, freut sich Regina Meltzer, denn dadurch konnte sich die Familie in diesem Jahr erstmals seit 1997 einen einwöchigen Urlaub gönnen.