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Uhyst: Laster ramponieren Friedhofsgruft

Immer wieder rammen Lkw das Baudenkmal neben der bekannten Autobahnkirche. Ein Abbiege-Verbot soll das verhindern. Aber das reicht nicht.

Der Uhyster Pfarrer Marko Mitzscherling steht vor der Friedhofsmauer mit dem Grufthaus, dass immer wieder von Lastern beschädigt wird.
Der Uhyster Pfarrer Marko Mitzscherling steht vor der Friedhofsmauer mit dem Grufthaus, dass immer wieder von Lastern beschädigt wird. © Steffen Unger

Uhyst am Taucher.  Wer aus Richtung Autobahn nach Uhyst kommt, nimmt als Erstes Sachsens erste Autobahnkirche und den dazugehörenden großen Parkplatz wahr - und gleich danach die Friedhofsmauer. Spätestens dann sollte man bremsen, denn an dieser Stelle ist die Hauptstraße sehr schmal. 

So schmal, dass längere Lastzüge nicht nach links in Richtung Pannewitz abbiegen dürfen. Manche Kraftfahrer versuchen es trotzdem - und rammen dabei immer wieder die Friedhofsgruft gegenüber der Einmündung. Das Baudenkmal ist in letzter Zeit stark ramponiert worden. Vor allem am Dach gibt es erhebliche Beschädigungen. 

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Ausschilderung einer Umleitung wird geprüft

Pfarrer Marko Mitzscherling spricht von vier Unfällen, die sich seit dem vergangenen Jahr an dieser Stelle ereignet haben. Der jüngste Unfall liegt etwa einen Monat zurück. Meist streift beim Abbiegen der hintere Bereich des Lkw-Kofferaufbaus den oberen Teil der Gruft. Einige Kraftfahrer meldeten anschließend den Schaden im Pfarrhaus oder bei der Polizei. Doch mindestens einer ist einfach weiter gefahren, berichtet der Pfarrer. 

Die Engstelle ist den Behörden bekannt. Das für die Beschilderung zuständige Landratsamt verfügte, dass Sattelschlepper und Laster mit Anhänger nicht nach links abbiegen dürfen, sondern geradeaus weiterfahren müssen. Warum sich einige Lkw-Fahrer nicht daran halten, könnte möglicherweise auch mit dem Navi zusammenhängen, das sie nach links leitet. 

Theoretisch könnten sie auf der Hauptstraße 100 Meter weiter bis auf den Dorfplatz fahren und dort wenden. Dann wären sie Rechtsabbieger und dürften unbeschadet die Kurve ins Nachbardorf kriegen, sagt Marko Mitzscherling. 

Von dem Vorschlag, vor der Einmündung aus Richtung Autobahn auf die Wendemöglichkeit hinzuweisen, will man im Landratsamt allerdings nichts wissen. Denn der Dorfplatz sei keine Wendestelle, heißt es unmissverständlich aus der Kreisbehörde. Einen weiteren Vorschlag, nämlich längere Fahrzeuge über Großhänchen nach Pannewitz zu leiten und eine Umleitung entsprechend auszuschildern, "können und werden wir dagegen prüfen", sagte Cynthia Thor, Pressesprecherin des Landratsamtes.

Wird das Problem mit dem Straßenausbau gelöst?

Ob die Unfallstelle am Friedhof mit dem seit Jahren geplanten Ausbau der Uhyster Ortsdurchfahrt beseitigt werden kann, bleibt abzuwarten. Die Möglichkeiten dafür dürften aufgrund der engen Bebauung jedoch begrenzt sein. 

Offen ist nach wie vor, wann die Straße saniert werden soll. Zurzeit läuft bei der Landesdirektion Sachsen das Planfeststellungsverfahren, wodurch Baurecht geschaffen werden soll. Behörden, aber auch Bürger konnten ihre Meinungen zu dem Vorhaben äußern. Auf dieser Grundlage nahm inzwischen auch das Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) als Bauherr Stellung. Diese Stellungnahmen werden jetzt durch die Landesdirektion ausgewertet. 

Wann das Planfeststellungsverfahren  beschlossen werden kann, bleibt ungewiss. "Zeitliche Aussagen zum Verfahren lassen sich gegenwärtig nicht treffen", sagt der Sprecher der Landesdirektion Ingolf Ulrich. 

Im Lasuv wiederum verweist man auf die Planfeststellung.  Belastbare Aussagen zu einem möglichen Baubeginn und zu den Kosten des Straßenausbaus seien erst möglich, "wenn das Baurecht unanfechtbar erlangt wurde", sagte Sprecherin Rosalie Stephan.

Ausstellung zur A 4 im Grufthaus vorgeschlagen

Von einer Störung der Totenruhe aufgrund der sich häufenden Unfälle am Grufthaus möchte Pfarrer Marko Mitzscherling nicht sprechen, da die Verstorbenen im unteren Bereich bestattet wurden, während die Schäden im oberen Bereich auftreten. 

Vor einigen Jahren wurde die Gruft unter Denkmalschutz gestellt. Nach Angaben des Sächsischen Landesamtes für Denkmalpflege gehört sie "zu einer Reihe barocker Oberlausitzer Grufthäuser, die hinsichtlich ihres Denkmalwertes unstrittig sind, weil sie sowohl baugeschichtlich und sozialgeschichtlich, teilweise auch künstlerisch von Bedeutung sind".

Diese Grufthäuser bestanden immer aus einer Gedenkhalle, in der Wandmalereien und Grabsteine oder Epitaphien an den Toten erinnern, und der Gruft, welche die Särge beherbergte. Diese Art anspruchsvoller Bestattung durch gut situierte Familien nahm man aufgrund von bestehenden Erbrechten bis 1950 wahr. Danach wurden sie eingestellt und keine derartigen Bauwerke mehr errichtet. Umso wichtiger sei daher, die  erhaltenen baulichen Zeugnisse zu bewahren, "noch dazu, wenn sie weitgehend authentisch erhalten sind, wie das bei dem Uhyster Objekt der Fall ist", erklärt die Landesbehörde. 

Unter anderem der originale Dachstuhl mit dem bekrönendem Kreuzaufsatz, die Putzgestaltung der Fassade, die Steinquader suggerieren soll, und das zweiflüglige, schmiedeeiserne Tor dokumentieren laut Landesamt den baulichen Wert.  

Für eine neue Nutzung des Grufthauses gab es vor einigen Jahren sogar einen Vorschlag. Man könne darin eine Dauerausstellung zur Autobahn 4 einrichten, heißt es. Gewissermaßen als Ergänzung zur Autobahnkirche gleich nebenan. 

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