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Autodiebe in der Falle

Zwei Männer klauten in Bautzen einen VW und wurden auf ihrer Flucht geblitzt – das wurde ihnen später zum Verhängnis.

Von Stefan Schramm

Bautzen. So ein Künstlerpech aber auch. Da klauen zwei Männer am Nachmittag des 1. April 2012 auf der Käthe-Kollwitz-Straße in Bautzen einen VW Bora und bleiben dabei unentdeckt, werden aber wenig später auf der Flucht in Sohland geblitzt. Und das dabei unfreiwillig entstandene Beweisfoto ist auch noch so gut, dass sie ermittelt werden können. Wirklich denkbar blöd gelaufen. Jetzt wurde einem der beiden Übeltäter vorm Amtsgericht Bautzen der Prozess gemacht. Der 35-jährige Tscheche Rudolf P. saß wegen des Diebstahlsverdachts auf der Anklagebank. Sein Komplize und Landsmann Jan W. aus Rumburg, der ebenfalls angeklagt ist, glänzte mit Abwesenheit. Er muss zunächst dingfest gemacht werden; freiwillig dürfte er wohl kaum zur Verhandlung in Bautzen erscheinen.

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Des mutmaßlichen Fahrers Rudolf P. habhaft zu werden, war für die Justizbeamten dagegen eine leichte Übung. Sie mussten nur seine Zellentür in der JVA Dresden aufschließen, wo er derzeit eine Haftstrafe absitzt. In der Landeshauptstadt hatte er im August 2012 einen VW Passat geklaut und war auf der Flucht vor der Polizei in einen Baum gekracht. Zuvor hatte er mit dem Pkw das verglaste Geländer einer Haltestelle zerstört, dessen Splitter eine Passantin an den Beinen verletzten. Diebstahl, Sachbeschädigung und vorsätzliche Körperverletzung genügten für zwei Jahre Gefängnis.

Zu denen gesellen sich nun noch zehn weitere Monate. Obwohl Rudolf P. eine Tatbeteiligung bestritt, saß er mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit auf dem Fahrersitz, wie aus einem Gutachten hervorgeht. Das hatte Privatdozent Horst Schmidt angefertigt, ein erfahrener Anthropologe der Uni Ulm. Er hatte das Blitzerfoto ausgewertet und das abgebildete Gesicht mit älteren Lichtbildern von P. verglichen. Von den 43 gut erkennbaren Merkmalen sei keines unähnlich zum Angeklagten, so der Experte. Fünf Merkmalsgruppen seien stark charakteristisch und träten in dieser Kombination in der Bevölkerung sehr selten auf. Noch eindeutiger konnte Beifahrer Jan W. identifiziert werden. Da sich beide auch noch kennen, kann das kein Zufall mehr sein.

P. galt als überführt, eine Verurteilung war wahrscheinlich. Dennoch wurde das Verfahren eingestellt. Stattdessen widerrief Richter Dr. Dirk Hertle die Aussetzung zur Bewährung eines älteren Strafbefehls auf zehn Monate Haft, da das Blitzerfoto just aus der Bewährungszeit stammt. Denn bewährt hatte sich der Angeklagte nicht.