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Döbeln: Ziel von Autodieben?

Im Juni und Juli wurden immer wieder Autos in der Region gestohlen. Doch laut Statistik gibt es einen Rückgang.

Die Zahl der Autodiebstähle in Mittelsachsen ist rückläufig. Aktuelle Fälle lassen das kaum vermuten.
Die Zahl der Autodiebstähle in Mittelsachsen ist rückläufig. Aktuelle Fälle lassen das kaum vermuten. © imago

Mittelsachsen. Und wieder ist es passiert. Von einem Parkplatz an der Unnaer Straße in Döbeln haben Langfinger zwischen Mittwoch 21 Uhr und Donnerstag 13 Uhr einen Skoda Octavia gestohlen. Rund 6.000 Euro war das Auto wert, das im Jahr 2009 erstmals zugelassen worden ist, so die Polizei am Freitag. Es ist ein weiterer Fall von Kfz-Diebstahl in der Region, dem sich die Sonderkommission Kfz am Landeskriminalamt (LKA) Sachsen annehmen wird. Er reiht sich ein in eine Vielzahl vergleichbarer Diebstähle der vergangenen Wochen.

Was für Fälle von Diebstählen sind bekannt geworden?

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Nicht einmal 15 Minuten stand am 9. Juli ein schwarzer Audi A6 an der Quergasse in der Muldestadt, da war das Auto schon weg. Noch schneller ging es am 11. Juli in Roßwein. Dort hatten sich die Diebe innerhalb von zehn Minuten eine Simson S50 gekrallt und waren damit weggefahren. Auch den Diebstahl eines Polo sowie eines Skoda meldete die Polizei in den vergangenen Wochen. Hinzu kam die Beschädigung von drei Fahrzeugen in der Tiefgarage am Sternplatz in Döbeln. 

Die Ermittlungen zu den Fällen laufen noch. Auch würden Zusammenhänge geprüft, seien bisher jedoch noch nicht erkennbar gewesen, sagt Andrzej Rydzik, stellvertretender Sprecher der Polizeidirektion (PD) Chemnitz. Von der Region Döbeln als Schwerpunkt in Sachen Fahrzeugdiebstähle will er aber nicht sprechen. Auch wenn da manch einer einen anderen Eindruck hat.

Was sagen die Statistiken über die Kfz-Diebstähle für Mittelsachsen?

Die Statistik spricht eine deutliche Sprache. Seit 2015 sind Kfz-Diebstähle in Mittelsachsen deutlich seltener geworden. Im vergangenen Jahr lag der Landkreis im sachsenweiten Vergleich sogar, was die Fallzahlen betrifft, im unteren Bereich. 2019 wurden so wenige Fahrzeuge wie lange nicht in Mittelsachsen gestohlen. 

Und auch für 2020 sieht die Tendenz ähnlich aus, wie Kathlen Zink von der Pressestelle des LKA Sachsen sagt. „Für den Raum Mittelsachsen sind aktuell im Jahr 2020 29 Fälle von versuchtem beziehungsweise vollendetem Kfz-Diebstahl registriert.“ Sachsenweit hat sich die Zahl der Kfz-Diebstähle in den vergangenen Jahren mehr als halbiert.

© SZ Grafik

Wie hat sich Corona auf die Diebstähle ausgewirkt?

Mit dem Einsetzen der coronabedingten Schutzmaßnahmen wie Kontaktsperren und Grenzkontrollen sei allgemein die Anzahl der im Eigentumsbereich angesiedelten und registrierten Straftaten stark zurückgegangen, sagte Zink. „Dies betrifft auch den Bereich der KFZ-Kriminalität.“ Kaum wurden die Schutzmaßnahmen wieder gelockert, stiegen auch die Fallzahlen wieder. Aber: „Dies erfolgte nicht sprunghaft, sondern allmählich“, so Kathlen Zink.

Und wie ist der Stand inzwischen? Mittlerweile haben sich die Fallzahlen denen vor Corona allmählich wieder angepasst, heißt es vonseiten des LKA.

Wie viele gestohlene Autoswerden wiedergefunden?

Knapp 30 Prozent der Eigentumsdelikte im Bereich KFZ sind im vergangenen Jahr von den Beamten aufgeklärt worden. Eine ähnliche Tendenz zeigt sich auch für 2020. 2019 wurden 18 Fahrzeuge wiedergefunden, 2020 sind es bisher 9, berichtete Kathlen Zink. Auch hier ist sachsenweit zu erkennen, dass die Aufklärungsquote in diesen Fällen steigt.

„Der kontinuierliche Rückgang der Fallzahlen sowie der deutliche Anstieg der Aufklärungsquote sind vor allem das Ergebnis der erfolgreichen Arbeit der Sonderkommission Kfz beim LKA, der guten Zusammenarbeit mit Tschechien und Polen sowie der Wirksamkeit der Gemeinsamen Fahndungsgruppen der Polizeidirektionen mit der Bundespolizei“, begründete Zink die Entwicklung. An der bestehenden Strategie werde auch weiterhin festgehalten.

Welche Fahrzeuge sind bei den Dieben besonders beliebt?

In puncto Autos haben es die Langfinger, wie auch in den letzten Döbelner Fällen zu erkennen war, vor allem auf die Marken VW, Audi, Skoda und BMW abgesehen. Aber auch Transporter sowie Nutzfahrzeuge von VW, hier die Modelle T4 und T5, sowie von Mercedes, Typ Sprinter, sind bei den KFZ-Dieben mehr als beliebt.

Was passiert mit den gestohlenen Fahrzeugen?

Das ist verschieden. Manchmal sind Einzeltäter am Werk, die sich an dem Diebesgut „bereichern“ wollen. Möglich ist laut LKA, dass die Fahrzeuge zur Gewinnung von Ersatzteilen, als Komplettfahrzeuge zum Eigengebrauch, aber auch zum Weiterverkauf bestimmt sind.Fahrzeuge würden aber auch von organisierten Täterbanden entwendet, die es zielgerichtet auf bestimmte Fahrzeuge abgesehen hätten, sagte Zink. Auch hier ist denkbar, dass die Fahrzeuge als Teilespender genutzt werden.

Aber es komme auch vor, dass der Zustand modifiziert werde und das Diebesgut dann weiterverkauft wird. Möglich sei auch, dass mit den Teilen andere Autos wieder aufgebaut werden, um sie dann zu verkaufen. „Die Aufzählung ist beispielhaft und nicht abschließend“, meinte Zink.

Der überwiegende Teil der Diebstähle in Sachsen werde der internationalen KFZ-Verschiebung zugerechnet. Dabei werden die Fahrzeuge zumeist nach Polen oder Tschechien gebracht und dort einer wirtschaftlichen Verwertung zugeführt. Die Identitätsmerkmale der Fahrzeuge werden manipuliert und das Diebesgut mit neuer Identität weiterverkauft.

Wie gelangen die Diebe in die Autos?

Bei älteren Fahrzeugen gehen die Täter meist noch mechanisch vor. Sie schlagen zum Beispiel die Scheiben ein, ziehen Türschlösser oder entriegeln die Zentralverriegelung. „Bei moderneren Fahrzeugen ist dies zwar grundsätzlich möglich, aber ohne Überbrückung beziehungsweise Modifizierung der Fahrzeugelektronik und ohne den Austausch kompletter Komponenten oder dem Auffangen und der Verlängerung von Funksignalen, ist eine Entwendung nicht ohne Weiteres realisierbar“, erklärte Kathlen Zink.

Wie können Kfz vor den Langfingern geschützt werden?

Neben diversen elektronischen und mechanischen Sicherungen gilt zunächst einmal: Zündschlüssel abziehen sowie Fenster, Türen, Kofferraum, Schiebedach und Tankdeckel schließen.

Zu den mechanischen Sicherungen gehören unter anderem die Gangschaltungs- oder eine Lenkradsperre, das Felgenschloss, die Parkkralle, sowie Zusatzschlösser. Diebstahlwarnanlagen oder Ortungssysteme gehören zu den elektronischen Sicherungen. Darüber hinaus gibt es auch die elektronischen Wegfahrsperren, die in den meisten neueren Fahrzeugen eingebaut sind.

Was hat es mit der Soko Kfz am Landeskriminalamt auf sich?

Die Sonderkommission „Kfz“ am Landeskriminalamt Sachsen wurde am 1. November 2013 gegründet. Neben zentralen Komponenten am LKA gehören zur Soko auch regionale Ermittlungsabschnitte in allen fünf Polizeidirektionen Sachsens. Das Team der Soko besteht aus knapp 50 Mitarbeitern, informierte Kathlen Zink vom Landeskriminalamt.

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