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Autofahrer am Online-Pranger

In einem neuen Internetportal kann jedermann Raser und Falschparker anzählen. Experten mahnen zur Vorsicht.

© dpa

Von Stefan Schramm

Ein typisches Bild auf deutschen Autobahnen: Beim Überholen nähert sich mit hoher Geschwindigkeit von hinten ein Auto. Es fährt dicht auf, gibt Lichthupe, blinkt links – ein Drängler sitzt im Nacken. Bislang konnten sich Betroffene überlegen, ob sie solche Vorfälle bei der Polizei anzeigen oder sich den Aufwand einfach schenken. Nun kann jedermann selbst den Sheriff spielen und auffällig gewordene Autos melden – im Internet. Anonym und öffentlich. Möglich ist das, auch wenn Verkehrsrechtler und Datenschützer dies für bedenklich halten, in einem neuen Online-Portal namens fahrerbewertung.de.

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So schnell geht’s: Kennzeichen eintragen, bewerten, absenden. Repro: SZ
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Das gibt es erst seit einem Monat im Netz. Trotzdem sind schon über 100 000 Bewertungen eingegangen. Kein Wunder, denn das Prinzip ist denkbar einfach: Man muss nur die Seite aufrufen, das Kennzeichen des mutmaßlichen Verkehrssünders eingeben und auf eine der Ampelfarben klicken: Grün ist positiv, gelb neutral und rot negativ. Daraufhin kann man sein Votum spezifizieren und Gründe angeben. „Parkt verkehrswidrig“ und „Ist ein Raser“ werden häufig gebrandmarkt. „Fährt generell angenehm/zuvorkommend“ ist eine oft genannte positive Eigenschaft. Bei den Autos schneiden Taxis, Kleintransporter sowie die Marken Mercedes und Audi sehr schlecht, Wohnmobile sowie Subaru und Suzuki hingegen am besten ab.

Aus den gesammelten Daten gewinnen die Macher des Petz-Portals auch statistische Werte mit regionalem Bezug. So kam heraus, dass Autos mit dem Kennzeichen BIW für Bischofswerda sehr umsichtige Lenker zu haben scheinen. Sie belegen mit einer Durchschnittsnote von 1,7 derzeit Rang 46 unter den mehr als 650 Abkürzungen, die für eine Stadt oder einen Landkreis stehen. BZ für Bautzen steht mit 2,5 ebenso wie Dresden im oberen Mittelfeld, KM für Kamenz und HY für Hoyerswerda sind mit Noten von 3,2 bzw. 3,4 weit hinten.

Experten können dem Portal nichts abgewinnen. „Ich habe arge Probleme damit, dass Leute dort an den Pranger gestellt werden, ohne sich dagegen wehren zu können“, sagt der Bautzener Verkehrsrechtsanwalt Edgar Toepfer. Auch Dietmar Zanke, Vorsitzender der Kreisverkehrswacht Bautzen, hält davon nichts. Drängler seien nicht zu pauschalisieren, sondern begehen in jenem Moment einen Fehler, den es zu analysieren gelte. „Wir setzen auf Schulungen, in denen wir sachliche Gespräche führen“, erklärt Zanke. Über andere Leute zu schimpfen und sie im Internet zu melden, trage nichts zur Verkehrssicherheit bei.

„Das gegenseitige Anschwärzen bringt keine Veränderungen, sondern baut Frust auf. Der Umgang der Menschen untereinander wird dadurch immer schlimmer“, pflichtet ihm Karl-Heinz Drach bei, Fachanwalt für Verkehrsrecht aus Bautzen. „Das ist das gleiche subjektive Spielchen wie die Lehrerbewertung durch die Schüler. Es besteht nur aus nicht nachvollziehbaren Verleumdungen“, so Drach. Auch sein Bautzener Kollege Arndt Holzhauser hält das Vorgehen in dem Online-Portal für moralisch bedenklich. „Derzeit ist es aber leider zulässig“, sagt Holzhauser. Höchstrichterlich sei die Sache zwar weder durch den Bundesgerichtshof noch durch das Bundesverfassungsgericht geklärt worden. Doch unterinstanzliche Gerichte hätten relativ lockere Urteile gefällt, was datenschutzrechtliche Belange in diesem Zusammenhang angeht. Das Amtsgericht Kassel urteilte vor einem Jahr, Autokennzeichen seien keine persönlichen Daten. „Das halte ich allerdings für sehr weit hergeholt“, so Holzhauser. Wer sich gegen eine Eintragung in dem Portal wehren will, muss viel Zeit und Geld haben, um bis in die höchste Instanz zu gehen. Ob er recht bekommt, steht auf einem anderen Blatt. Auf ein Wort