SZ + Riesa
Merken

Autofahrer ignorieren B-169-Sperrung

Die alte Oberfläche ist runter, der Kleber für die neue drauf. Anlieger zeigen sich mit dem Bau zufrieden, Autofahrer weniger.

Von Eric Weser
Teilen
Folgen
Auf der B-169-Baustelle am Gröditzer Ortsausgang waren am Mittwoch keine Bauarbeiter da. Sie werden aber wohl am Donnerstag zurückkehren und die neue Straßendecke aufbringen.
Auf der B-169-Baustelle am Gröditzer Ortsausgang waren am Mittwoch keine Bauarbeiter da. Sie werden aber wohl am Donnerstag zurückkehren und die neue Straßendecke aufbringen. © Eric Weser

Gröditz. Die B-169-Sanierung zwischen Gröditz und Prösen kommt voran: In den vergangenen Tagen ist die obere Asphaltschicht des einen Kilometer langen Abschnitts abgefräst worden. Dienstagabend haben die Bauarbeiter einen Kleber aufgespritzt. Mittwoch war offenbar Abtrocknen angesagt, Bauleute waren keine vor Ort. Sie sollen am Donnerstag zurückkehren und die neue Fahrbahndecke aufbringen.

Nach Lage der Dinge geht die Straßensanierung damit planmäßig voran. Das freut unter anderem Anja Zieger, Co-Chefin im Autohaus Bischoff. Der Betrieb liegt innerhalb der Baustelle. Eine andere Zufahrt als über die B 169 dorthin gibt es nicht. Deshalb sei sie auch froh, dass die Straße zu ihrem Geschäft trotz Bau die längste Zeit befahrbar und die Zuwegung ausgeschildert sei, sagt die Geschäftsführerin. Letztlich sei die Zufahrt nur zwei Tage voll gesperrt. Da die Kunden flexibel seien, eine verkraftbare Zeitspanne – auch wenn alles in die Hochsaison für den Frühjahrs-Reifenwechsel falle. Da aber vorab gut über den Bauablauf informiert worden sei, habe man sich gut darauf einstellen können, sagt Anja Zieger.

Unerwartet viel Betrieb im Shop

Gegenüber in der Tankstelle erzählt eine Mitarbeiterin, dass man sich die Einschränkungen durch den Bau schlimmer vorgestellt habe. Diese Woche schließe die sonst 6 bis 22 Uhr geöffnete Tankstelle schon 20 beziehungsweise 18 Uhr, erzählt die Gröditzerin. Auch am Montag hätte 18 Uhr Schluss sein sollen, doch sie habe noch etwas länger offen gelassen. „Es kamen noch Kunden und da mache ich ja nicht zu.“ Und auch am Wochenende sei unerwartet viel Betrieb gewesen. Das Shopgeschäft habe gebrummt. „Wir haben viele Autowäschen verkauft.“ – Ein Anwohnerpaar aus einem Eigenheim gegenüber der Tankstelle hatte sich die Straßensanierung anders vorgestellt. „Ich habe gedacht, dass mehr Asphalt wegkommt“, sagt die Hausbewohnerin am Gartenzaun. Der Frau und ihrem Mann ist aber ohnehin das Thema Radweg Gröditz-Prösen wichtiger als der Straßenbau. Den Radweg habe der Bürgermeister schon so viele Jahre versprochen. Passiert sei nichts. Dass der Weg ab diesem Jahr gebaut werden soll? Da bleibt das Paar skeptisch.

Ins gleiche Horn stößt auch ein Senior, der mit dem Rad den geschotterten Weg neben der Tankstelle entlanggefahren kommt. „Ich wollte mal sehen, was die wirklich hier machen“, so der Mann mit der dunkelblauen Schirmmütze. „Ich hatte angenommen, dass die nun endlich mal den Radweg machen.“ Aber danach sehe es ja nun nicht aus, so der Rentner, der das R beim Sprechen rollt. Dann schaut er noch an die Anzeigetafel neben sich. Er wolle sein Auto betanken. 1,42 Euro je Liter Super. Das sei ein mittlerer Preis. Wenn er mit dem Auto komme und die B 169 noch zu sei, werde er über die rückwärtige Zuwegung zur Tankstelle nehmen. In die Vollsperrung einzufahren sei ihm nichts.

Andere hingegen tun das und umkurven dafür auch die Absperrung auf Höhe des Drogeriemarkts Rossmann vor der Kreuzung B 169/Stolzenhainer Straße. Die meisten wollen zu einem der beiden Autohäuser oder zur Tankstelle. Ein Paketlieferant fährt mit seinem Transporter noch ein Stück weiter bis zu einem Wohnhaus. Bis nach Prösen traut sich aber keiner – von ein paar wenigen Radfahrern abgesehen. Die Umleitung über Wainsdorf sei für Pendler auszuhalten, da sich der Umweg in Grenzen halte, meinen Anwohner von der B 169 in Gröditz.

Von Rossmann her kommt ein Mann mit weißen Haaren, Brille und blauer Jacke in die Baustelle gelaufen. „Hier kommt man ja gar nicht durch, obwohl es auf den Schildern steht“, sagt er. Sein Wagen müsse aber zum Tüv. „Nicht heute.“ Aber spätestens am 15. April. Geht es so planmäßig weiter wie bisher, dürfte das kein Problem werden. Die Bauarbeiten sollen laut Straßenbehörde nur bis 11. April andauern – also Donnerstag nächste Woche.

Die Vollsperrung beginnt deshalb auf Höhe Rossmann. Das plattgedrückte Gras zwischen Straße und Gehweg zeigt, dass sie nicht jeder ernst nimmt.
Die Vollsperrung beginnt deshalb auf Höhe Rossmann. Das plattgedrückte Gras zwischen Straße und Gehweg zeigt, dass sie nicht jeder ernst nimmt. © Eric Weser