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Autohaus Lust findet in die Spur zurück

Hans-Joachim Lust hat die Firma neu sortiert. Nur beim Personal könnte es eng werden.

Von Mario Heinke

Großes Glück kann so klein sein

Hellwach oder im lieblichen Schlummer zeigen sich die süßen Babys. In unserer Themenwelt Stars im Strampler gibt es den Nachwuchs zu sehen.

Noch vor einem Jahr wusste Hans-Joachim Lust nicht genau, ob und wie es mit seinem Unternehmen weitergeht, zu viele offene Fragen sind noch nicht geklärt gewesen. Die Lust-Gruppe mit zehn Standorten in Zittau, Görlitz, Kamenz und Niesky ist 2013 in finanzielle Schwierigkeiten geraten und musste Insolvenz anmelden.

Das Opel-Autohaus gehört jetzt zur neu gegründeten Autohaus Lust Werkstatt GmbH. Foto: Rafael Sampedro

Aber das sei Schnee von gestern, jetzt schaue er wieder nach vorn, sagt der Zittauer entschlossen. Inzwischen sieht der 54-Jährige wieder klarer. Vom Insolvenzverwalter als Betriebsleiter eingesetzt, konnte er das Unternehmen sanieren und neu ordnen. Im Juli des vergangenen Jahres übernahm die neugegründete Autohaus Lust Werkstatt GmbH die Geschäfte vom Insolvenzverwalter. Lust ist Geschäftsführer und leitet nun wieder das Autohaus Lust in der Löbauer Straße, in der Schrammstraße und die Lackiererei an den Kaiserfeldern. Das ehemalige Honda-Autohaus in der Äußeren Weberstraße hat er geschlossen. Die Kollegen von dort sind in die Schrammstraße gezogen. Dort finde der Honda-Kunde jetzt seine Ansprechpartner, so Lust. Die ehemalige Citroen-Werkstatt in der Schrammstraße sei als freie Werkstatt zudem typenoffen und repariere jetzt alle Marken. Am Autohaus in der Löbauer Straße prangen sowohl die Logos von Opel und BMW. Dort werden weiterhin die Kunden von Opel und BMW bedient. Außerdem findet auf dem großen Gelände freier Autohandel statt. Das Autohaus mit dem blauweißen Logo ist BMW-Servicepartner, gehört zur Autohaus Lust Görlitz GmbH und war zu keiner Zeit von der Insolvenz betroffen. An den drei Standorten in Zittau sind nun 30 Mitarbeiter und drei Auszubildende tätig. Zwei Azubis stehen vor dem Abschluss und werden übernommen. Die nach der Insolvenz verbliebenen Mitarbeiter stehen zur Firma und ziehen überdurchschnittlich mit, sagt Lust. Auch die Stammkunden hielten den Autohäusern die Treue, und seit die Werkstatt in der Schrammstraße typoffen ist, kämen auch neue Kunden hinzu.

Wer Hans-Joachim Lust kennt, weiß, der Mann hat Diesel im Blut. Seine langjährigen Erfahrungen bei Lkw-Rallyes – ob als Teilnehmer oder Bergungsdienst – zahlen sich für den Zittauer jetzt aus. Zunehmend lassen Rallyefahrer oder Anbieter von Expeditionen Gelände- oder Lastkraftwagen in Zittau individuell umbauen. Auch die Vermietung von Rallyefahrzeugen läuft gut, erst vergangene Woche ist eine Gruppe Polen mit zwei MAN-Lkw von Lust nach Sibirien aufgebrochen. Bei der Rallye Breslau steht Lusts Werkstatt-Team rund um die Uhr bereit, übernimmt anfallende Reparaturen, Fahrzeugchecks während der Nacht oder zieht mit seinem Bergungsfahrzeug stehengebliebene Fahrzeuge mit der Seilwinde aus dem Dreck. Trotz des anhaltenden Einwohnerschwunds sieht der Zittauer für sein Unternehmen weiterhin eine Perspektive in der Region. Mit einem breiten Leistungsangebot, Abschleppdienst, Autovermietung und Spezialumbauten lasse sich noch Geld verdienen.

Schwierig könne in Zukunft nur die Personalsituation werden. Schon jetzt sei es fast unmöglich, neue Mitarbeiter zu finden und die eigenen vor der Abwerbung zu schützen. „Die Leute, die arbeiten wollen, haben längst Arbeit gefunden“, so der Autohauschef. Lust backt jetzt kleinere Brötchen, die gewonnenen Erfahrungen und Kontakte kann ihm aber niemand nehmen. Mit über 200 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von insgesamt 50 Millionen Euro galt er bis 2013 als einer der größten Autohändler der Region. Dass er damals markenübergreifend mit vielen Herstellern arbeitete, gefiel nicht allen Autobauern. Bis heute ist Lust überzeugt, dass die Insolvenz absolut nicht nötig gewesen wäre. „Das Unternehmen war damals zum Spielball einer Bank geworden“, sagt Lust rückblickend.

Mit einem Abstand von fast zwei Jahren betrachtet, ist es dem Zittauer gelungen die Karre wieder aus dem Dreck zu ziehen, das Unternehmen zu bergen. Lust ist eben ein Bergungsspezialist.

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