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Autorennen auf dem alten Schlammteich

Das Stahlwerk unterstützt Studenten, die eigene Rennwagen bauen. Für Anwohner wird’s laut, für Zuschauer bitter.

Von Matthias Weigel

Satte Motorenklänge im Saugrund? Das können eigentlich nur die Lkw sein, die Erde zur Abdeckung der alten Paul-Berndt-Halde anliefern. Doch weit gefehlt: Auf dem Gelände des ehemaligen Schlammteich I wird in den nächsten vier Tagen Motorrennsport getrieben. Die Stadt warnt die Anwohner im Amtsblatt schon mal wegen möglicher Lärmbelästigung vor: „Die Veranstalter sind bemüht, den Lärmpegel so gering wie möglich zu halten. Etwa die Hälfte der Fahrzeuge verfügt über geräuscharme Elektroantriebe.“

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Anlass der Veranstaltung mit gut 130 Teilnehmern ist die sogenannte Formula Student. „Die in dieser Rennserie teilnehmenden Rennwagen werden von Studenten unterschiedlicher Fachrichtungen in Eigenhand entwickelt und gebaut“, heißt es. Ziel des internationalen Konstruktionswettbewerbs ist es, Studenten schon während der Ausbildung praktische Erfahrungen zu verschaffen. Etabliert ist dort unter anderem ein Team der TU Freiberg, das schon seit Jahren Kontakte zum Freitaler BGH-Edelstahlwerk pflegt.

Das Stahlwerk unterstützt die Freiberger schon länger mit Geld und Stahlprodukten – und auch der riesigen Asphaltfläche im Saugrund, die nach der Sanierung des Schlammteiches 2 entstanden ist. Ursprünglich sollte hier die Schlackeaufbereitung des Werks hinziehen. Zu groß sind jedoch die die Setzungen. Fragen, das Abwasser betreffend, blieben offen, zu nah ist das Gelände an der Stadt. Die Aufbereitung zieht nun weiter hoch an die Halde – die Asphaltfläche liegt brach. Doch sie ist ideal für die Studenten, hinsichtlich Sicherheit, Logistik und vor allem vom Platz her.

Das Angebot des Stahlwerks zur Nutzung nehmen die Freiberger gern an. Allerdings sind sie dieses Mal nicht zum Testen hier. „Die Autos werden von den Gruppen lediglich für eine Saison entwickelt, bevor dann neue Studenten und neue Aufgabenstellungen das nächste Projekt bestimmen“, sagt Veranstalter Ronald Oettel. Der 26-Jährige stammt aus Kurort Hartha und hat selbst in Freiberg studiert und 2009/10 einen Rennwagen mitentwickelt. Vielen ging es wie ihm: Auch nach dem Studium blieb die Begeisterung für Team und Technik. Und warum sollten die alten Wagen – allein in Freiberg sind es inzwischen acht Stück – ungenutzt in Garagen verstauben.

Die Idee fand in der Formula-Student-Szene schnell Freunde. Regelmäßig gibt es Treffen – dieses Mal kommen elf Teams aus ganz Deutschland und eins aus den Niederlanden nach Freital. Neben Technik-Tests stehen Wettbewerbe an. Die Anwohner werden um Verständnis gebeten – Pausen sind jedoch gesichert. Gefahren wird lediglich von 8-13 und 15- 20 Uhr. Für Neugierige kommt die schlechte Nachricht zum Schluss: Die Veranstaltung ist geschlossen. Aus Sicherheitsgründen darf kein Zuschauer von außerhalb aufs Stahlwerk- und Schlammteichgelände.