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Bautzen: Autotraining hat ein Nachspiel

Anwohner sind genervt: Tagelang kurvten Fahrzeuge in waghalsigen Manövern über den Flugplatz. Nun bemühen sich Betreiber und Landkreis um Klärung.

Nicht nur Spaß, sondern vor allem Verkehrssicherheit habe am Wochenende bei einem Drifttraining auf dem Bautzener Flugplatz im Mittelpunkt gestanden, versichert der Veranstalter. Doch Anwohner sind vom Lärm genervt.
Nicht nur Spaß, sondern vor allem Verkehrssicherheit habe am Wochenende bei einem Drifttraining auf dem Bautzener Flugplatz im Mittelpunkt gestanden, versichert der Veranstalter. Doch Anwohner sind vom Lärm genervt. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Mit heißen Reifen und erhitzten Gemütern ging am Sonnabend ein mehrtägiges Fahrsicherheitstraining auf dem Flugplatz in Litten zu Ende. Inzwischen ist dort wieder Ruhe eingekehrt. Ein Nachspiel hat die Veranstaltung trotzdem.

Denn bereits im Vorfeld hatten sich Anwohner aus Neupurschwitz über wiederholten Motorenlärm vom Gelände des Flugplatzes beschwert und mehrmals die Polizei gerufen. Seit Ende Mai seien derartige Vorfälle bereits bei der Polizeidirektion Görlitz bekannt, bestätigte eine Sprecherin.

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Als am vergangenen Wochenende neuerlicher Lärm mitsamt entsprechender Kritik laut wurde, traf letztere Veranstalter Martin Montag, der mit seiner Firma Mamo Productions das Fahrsicherheits- und Drifttraining auf dem Flugplatzgelände durchführte, unvermittelt: "Es war das erste Mal, dass ich ein solches Training in meiner Heimat organisiert habe. Solchen Gegenwind hat es noch nie gegeben", versichert er im Gespräch mit Sächsische.de.

Veranstalter verweist auf Mitteilung ans Ordnungsamt

Keinesfalls veranstalte er Autorennen, stellt Martin Montag klar und erklärt, wie dieser Eindruck bei Anwohnern und Augenzeugen entstehen konnte: "Das Driften ist die höchste Form der Fahrzeugkontrolle. Wer diese Technik beherrscht, dem kann kaum eine Verkehrssituation mehr gefährlich werden", erklärt er die waghalsigen und weithin hörbaren Manöver, die er von Donnerstag bis Sonnabend mit sieben Teilnehmern übte.

Außerdem, so Montag weiter, habe er sich im Vorfeld des Trainings durchaus um entsprechende Genehmigungen bemüht. Neben der Gemeinde, erklärt der Unternehmer, der nach eigener Aussage mit seinen Kursen durch ganz Deutschland tourt, habe er auch das Ordnungsamt des Landkreises informiert. Dort habe man ihm gesagt, dass ein Fahrsicherheitstraining mit bis zu 50 Teilnehmern nicht offiziell genehmigt werden müsse.

Flugplatzbetreiber in der Kritik

Das treffe möglicherweise zu, sagt Valentin Opitz, Amtsleiter des Gebäude- und Liegenschaftsamtes beim Landkreis. Opitz betont aber auch: "Jede Art von Vorgang auf dem Flugplatzgelände muss zwischen Flugplatzbetreiber und Landkreis abgestimmt werden. Das ist in diesem Fall nicht passiert." Als rechtliche Grundlage für die Argumentation des Liegenschaftsamtes gilt ein Erbpachtvertrag zwischen dem Landkreis und dem Eigentümer des Flugplatzes.

Von der Kommunikation im Vorfeld hänge wiederum ab, ob die Ämter des Landkreises dem Veranstalter weitere Auflagen – etwa in Bezug auf Lärmschutzmaßnahmen – erteilen. Das steht ihnen unabhängig von der gültigen Betriebserlaubnis des Flugplatzbetreibers zu, aber: "Vorausgesetzt, es liegt eine legale Nutzung vor. Das erscheint hier aber fraglich", teilt Sabine Rötschke, Sprecherin des Bautzener Landratsamtes, mit und stellt in Aussicht, dass die generelle Zulässigkeit der Rollbahn-Nutzung für Motorsportveranstaltungen noch zu prüfen sei.

Rico Hofman, Geschäftsführer der Betriebsgesellschaft, die das Flugplatzgelände in Litten betreibt, sieht das anders: Bei gewissen Arten von Veranstaltungen bedürfe es tatsächlich der Genehmigung des Landkreises, schildert er seine Sicht der Dinge. Diese Regel gelte insbesondere dann, wenn ein Untermietvertrag zwischen Flugplatzbetreiber und Veranstalter abgeschlossen werde. Den habe es aber in diesem Fall nicht gegeben. Das Gelände habe er Martin Montag am vergangenen Wochenende kostenlos zur Verfügung gestellt; ebenso wie im Falle von weiteren Driftveranstaltungen, wie sie Anfang Juni auf dem Flugplatzgelände durch andere Veranstalter durchgeführt worden seien.

Gesprächstermin in der kommenden Woche

In der kommenden Woche wollen sich Rico Hofmann und Valentin Opitz deswegen zu einem klärenden Gespräch treffen. "Offenbar bestehen in Bezug auf die gültigen Regelungen Unklarheiten", sagt Valentin Optiz. Im Hinblick auf künftige Veranstaltungen auf dem Flugplatzgelände wolle man diese aus der Welt schaffen. Zu der Frage, ob die bisherigen Motorsport-Events darüber hinaus Folgen für den Flugplatzbetreiber haben, äußerte sich das Landratsamt zunächst nicht. 

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