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Autozulieferer weiter in Kurzarbeit

Mit den Lockerungen hat sich die Situation etwas entspannt. Von den Verhältnissen vor der Krise ist man aber weit entfernt.

Im Roßweiner Werk der Frauenthal Powertrain GmbH sind die meisten Mitarbeiter Ende März in Kurzarbeit geschickt worden. Derzeit arbeiten zwischen 30 und 40 Prozent der Belegschaft wieder.
Im Roßweiner Werk der Frauenthal Powertrain GmbH sind die meisten Mitarbeiter Ende März in Kurzarbeit geschickt worden. Derzeit arbeiten zwischen 30 und 40 Prozent der Belegschaft wieder. © Dietmar Thomas/Archiv

Region Döbeln. Die Automobilindustrie hat weltweit mit den Folgen der Corona-Pandemie zu kämpfen. Auch nach den Lockerungen ist eine Besserung der Situation kaum in Sicht. So musste zum Beispiel Volkswagen wenige Wochen nach dem Neustart die Autoproduktion bereits wieder drosseln. Für einige Modelle ruht die Produktion tageweise, für andere ruht die Produktion nur für einzelne Schichten.

Dieses Szenario bekommen auch die Zulieferbetriebe in der Region zu spüren. Bei der Frauenthal Powertrain GmbH Roßwein war seit dem 23. März Kurzarbeit angeordnet. Inzwischen ist die Produktion zumindest teilweise wieder angelaufen. „Etwa 30 bis 40 Prozent der Kollegen arbeiten wieder“, sagt Betriebsrat Hans-Joachim Porst. Von den VW-Werken in Zwickau und Chemnitz sowie aus dem Mahle-Werk in Mexiko liegen Aufträge vor. So werde die vollautomatische Schmiedelinie im Roßweiner Werk für anderthalb Schichten, die alte Schmiedepresse für zwei Schichten ausgelastet, so Porst.

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Der Betriebsrat rechnet damit, dass die Auswirkungen der Corona-Krise bis in das nächste Jahr hinein zu spüren sind. „Es wird dauern, bis die großen Konzerne wieder voll produzieren und bis sich die Lieferketten aufgebaut haben“, sagt Hans-Joachim Porst. Auch deshalb sei die Kurzarbeit ein probates Mittel, um die Folgen der Krise abzufedern. Porst ist froh, dass für die Mitarbeiter der Frauenthal Powertrain eine Aufschlagzahlung in der Betriebsvereinbarung verankert werden konnte.

Dafür habe der Betriebsrat hart gekämpft. Der Arbeitgeber stockt das Kurzarbeitergeld auf, sodass die Kollegen 80 Prozent von Nettoverdienst bekommen. Zudem bleiben die Überstundenkonten der Mitarbeiter während der Kurzarbeitszeit unangetastet. Der Betriebsrat hofft, dass es aufgrund der Krise nicht zu Entlassungen kommt. „Wir sind dafür, den festen Stamm so lange zu halten wie es geht“, sagt Porst. Bei vollem Anlaufen der Produktion sei es dann sehr schwer, neues Personal zu finden. Bis sich jemand an den Pressen im Roßweiner Werk eingearbeitet habe, könne schon ein halbes Jahr und mehr vergehen.

Weiter Kurzarbeit bei der Pieburg Pump Technology Hartha

Bei der Pierburg Pump Technology Hartha ist weiterhin Kurzarbeit angesagt, wie Folke Heyer, Pressesprecher der Rheinmetall Automotive AG, bestätigt. „Über die betroffenen Abteilungen wird jeweils kurzfristig angesichts der aktuellen Auftragslage entschieden“, so Heyer. Auch angesichts der Corona-Lockerungen gelte, dass die Sicherheit der Mitarbeiter, Kunden und Lieferanten oberste Priorität hat. „Wir führen daher die bisher eingeführten umfangreichen Sicherheits- und Vorsichtsmaßnahmen unverändert fort“, erklärt Folke Heyer.

Wie sich die Produktion in den nächsten Monaten entwickeln werde, sei schwer einzuschätzen. Die Konzernmutter Rheinmetall Automotive konnte sich im ersten Quartal 2020 der rückläufigen Entwicklung der weltweiten Automobilindustrie und den Folgen der Corona-Pandemie nicht entziehen, heißt es in einer Pressemitteilung. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum verzeichnet der Konzern demnach einen Umsatzrückgang von 13,5 Prozent. „Die möglichen Auswirkungen der Corona-Krise auf die Nachfrage bei den Kunden, die Produktionszahlen der Automobilhersteller und die globalen Lieferketten sind aktuell nicht verlässlich prognostizierbar. Ein Ausblick auf das Gesamtjahr 2020 ist daher unter den gegebenen Umständen derzeit noch nicht möglich“, so Heyer.

Normalität bei Hitachi Automotive Systems Europe in Roßwein

Das Roßweiner Werk der Hitachi Automotive Systems Europe ist dagegen offenbar wieder zur Normalität zurückgekehrt. „Derzeit ist nach meinen Kenntnissen niemand in Kurzarbeit“, sagt Pressesprecherin Martyna Grzesik. Das Werk mit etwa 200 Mitarbeitern produziert Benzineinspritzpumpen.

Die Firma Cotesa stellt Faserverbundbauteile für die Luftfahrt sowie den Automobilbau her. Nach den Lockerungen hat die Sicherheit der Mitarbeiter weiter höchste Priorität. „Glücklicherweise hatten und haben wir bisher keine Coronafälle in unseren Werken und hoffen, dass das so bleibt“, sagt Evelyn Renné, Leiterin der Unternehmenskommunikation.

Firma Cotesa setzt weiterhin auf Kurzarbeit

Auch die Firma Cotesa ist von Kurzarbeit betroffen. „Seit diesem Monat gibt es aufgrund verringerten Bedarfs seitens unserer Kunden in unseren beiden Werken in Mittweida und Mochau teilweise Kurzarbeit“, so Renné. Sie gehe davon aus, dass sich diese Phase über den Sommer zieht. „Es wird letztlich alle Mitarbeiter betreffen. Wir machen einen Spagat zwischen Aufrechterhaltung der Lieferperformance und wirtschaftlichem Arbeiten“, sagt die Pressesprecherin. Für die unteren Entgeltgruppen sei eine Aufstockung des Kurzarbeitergeldes vereinbart worden, um die Härten bei den Mitarbeitern abzufedern.

Ein Großteil der Produkte geht in die Luftfahrtindustrie, welche von der Coronakrise mit am stärksten betroffen ist. Wann genau sich diese Situation entspannen werde und in welchem Umfang, sei noch nicht absehbar. Trotz der Auswirkungen der Corona-Krise blickt man bei Cotesa optimistisch in die Zukunft. „Die Luftfahrt ist nicht unser einziges Verkaufsgebiet. Wir sind ein innovatives Unternehmen und entwickeln Produkte in unterschiedliche Richtungen“, so Evelyn Renné. Nun gelte es, sich auf die neuen Märkte zu fokussieren und diese konsequent zu erschließen. „Der Rückhalt unserer Gesellschaft ist aktuell so groß, dass wir uns um den Fortbestand der Cotesa nicht fürchten. Diese Gewissheit ist mehr als das, was viele Unternehmen in dieser Situation bieten können“, so Renné.

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