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Azubis für zwölf Berufe gesucht

Das BSZ Weißwasser rührt an diesem Sonnabend die Werbetrommel – für Berufe und für die Region.

Unter Anleitung von Berufsschullehrerin Andrea Waurig (2.v.re.) hört Eleaine Menschner aus dem zweiten Lehrjahr der angehenden Altenpfleger mit dem Stethoskop Herz und Lungen ab. Unter dem aufmerksamen Blick von Schulleiterin Petra Weidner (li.) und Lehrl
Unter Anleitung von Berufsschullehrerin Andrea Waurig (2.v.re.) hört Eleaine Menschner aus dem zweiten Lehrjahr der angehenden Altenpfleger mit dem Stethoskop Herz und Lungen ab. Unter dem aufmerksamen Blick von Schulleiterin Petra Weidner (li.) und Lehrl © Foto: Joachim Rehle

Weißwasser. Neu sind die Pflegebetten, die Pflegepuppen ebenso. Seit das Berufliche Schulzentrum in Weißwasser (BSZ) Altenpfleger ausbildet, hat der Landkreis Görlitz als Schulträger einiges Geld in die Hand genommen. Das Fachkabinett, welches zuvor der Ausbildung von Krankenpflegehelfern diente, wurde „richtig schick gemacht“. Was die Azubis dort lernen, das kann man sich an diesem Sonnabend beim Tag der offenen Tür anschauen. Gern stehen Azubis und Lehrkräfte dazu Rede und Antwort.

Zur Altenpflege kam das BSZ quasi über Nacht. „Es war abenteuerlich“, blickt Schulleiterin Petra Weidner zurück. Das BSZ sprang ein, nachdem das Landesamt für Schule und Bildung der Freien Berufsfachschule Datey in Weißwasser die Genehmigung entzogen hatte. Um selbst eine für den Bildungsgang Altenpflege zu bekommen, musste das Schulzentrum den Bedarf nachweisen. „Der ist groß“, weiß die Schulleiterin aus ihrem engen Kontakt zu Pflegeunternehmen. Nach der kleinen, zu Beginn 2018 übernommenen Klasse begann im Herbst die erste eigene mit 23 Schülern. „Mit so vielen hatten wir gar nicht gerechnet“, räumt Petra Weidner ein. Wenn es nach den Unternehmen gänge, wird auch die nächste Klasse überaus voll sein. Ob sich tatsächlich ausreichend Bewerber finden, dahinter stehe ein großes Fragezeichen, sagt die Schulleiterin. Mehr Anerkennung für diesen Beruf, das sei schon mal ein erster Schritt der Politik. Was die generalisierte Ausbildung ab 2020 für Berufsschulen bedeutet, wenn Kranken-, Alten- und Kinderkrankenpfleger das erste Jahr gemeinsam lernen, da sei vieles noch unklar. Sicher ist immerhin, dass die Ausbildung für Altenpflege in Weißwasser bleibt. Anfangs hieß es, dass das zweite und dritte Lehrjahr nach Hoyerswerda oder Görlitz müsste, das aber sei vom Tisch. „Häufig sind die Bewerber für die Altenpflege schon etwas älter, haben sogar Familie und sind deshalb froh, wenn sie nicht so weit fahren müssen“, sagt Petra Weidner.

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Es ist der neueste Bildungsgang am BSZ in Weißwasser, bei weitem aber nicht der einzige – bei aktuell 750 Schülern in zwölf Berufen der Elektro-, Holz- und Metalltechnik, im Handel und im sozialen Bereich, dazu Klassen im Berufsvorbereitungs- und -grundjahr. Und wer sich nicht sicher ist, ob ein Gymnasium etwas für ihn sei, der kann an der Fachoberschule unterm Dach des BSZ einen höheren allgemeinbildenden Abschluss mit der Berechtigung zum Studium an einer Fachhochschule erlangen. Für Auswärtige gibt es ein Wohnheim.

Durststrecke überwunden

Beim Tag der offenen Tür wird nicht nur für die Altenpflege die Werbetrommel gerührt. Weil man sich in den wenigsten Fällen direkt im BSZ bewirbt, präsentieren sich in der Aula wie bei einer Bildungsmesse zehn Unternehmen, etwa Bombardier aus Bautzen und Görlitz, die Stadtwerke Weißwasser, die Tischlerinnung und andere. „Wer hier nicht verwurzelt ist, kommt nicht hierher“, weiß die Schulleiterin. Deshalb sei es wichtig, dass junge Leute in der Region bleiben. Es müsse gelingen, dass sie gar nicht erst wegwollen, sagt sie.

Nachdem im vorigen Jahr massive Gerüchte über eine angebliche Schließung dem BSZ Weißwasser das Leben schwergemacht haben, hat sich der unbegründete Gegenwind gelegt. Auch konnte rückwirkend zum 1. Januar mit Peik Lange ein stellvertretender Schulleiter berufen werden. „Die Durststrecke ist überwunden“, sagt Petra Weidner. Und man merkt ihr die Erleichterung an. Noch sei die Personaldecke ausreichend. Aber ab dem Sommer „gehen nach und nach gleich vier Kollegen von Bord“. Nachfolger zu finden, das werde eine schwere Aufgabe. Berufsschullehrer sind ohnehin rar gesät, das BSZ in Weißwasser habe noch dazu einen Standortnachteil. Junge Kollegen würden lieber nach Dresden oder Görlitz wollen. Im Metallbereich aber sind seit dem vorigen Jahr immerhin zwei Seiteneinsteiger tätig.

Am Sonnabend freut man sich auf viele Gäste – vor allem Schüler mit ihren Eltern, aber auch ältere Besucher, die einmal sehen möchten, wie heutzutage der Unterricht in einer großzügig angelegten und modern ausgestatteten Berufsschule vor sich geht. In den Werkstätten kann man sich ausprobieren. Ein 3D-Drucker wird klappern und Einkaufschips „ausspucken“.

Tag der offenen Tür am 9. Februar (9 bis 13 Uhr) im BSZ Weißwasser, Jahnstraße 55
Ebenfalls geöffnet hat am 9. Februar (9 bis 12 Uhr) das Landau-Gymnasium Weißwasser, Ziegelstraße 2.