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Azubis sind gefragt

Auf jede Stelle kommen 1,3 Bewerber. Das ist zu wenig. Die Oewa schafft es trotzdem, alle Stellen zu besetzen.

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Von Peggy Zill

Vier Azubis sucht die Oewa Wasser und Abwasser GmbH jedes Jahr. Die Stellen zu besetzen, wird immer schwieriger. „Vor drei, vier Jahren hatten wir noch 140 Bewerbungen, dieses Jahr waren es nur 21“, sagt Uwe Merkel von der Oewa-Niederlassung in Döbeln. Darum sei die Vorarbeit extrem wichtig. So konnte auch Kay Engel angeworben werden. Der 16-Jährige aus Großsteinberg bei Grimma hat jeweils eine Woche ein Praktikum in der Abteilung Trinkwasser und bei den Elektrikern des Unternehmens gemacht. Am Ende wusste er, dass er Mechatroniker werden will. Weil man dabei viel unterwegs ist und nicht den ganzen Tag in einer Werkhalle verbringen muss, wie es der Azubi begründet. Und obwohl er auch woanders einen Lehrvertrag hätte unterschreiben können, entschied er sich für die Oewa.

Hier bekommen die Azubis nach ihrer Lehre einen befristeten Vertrag. Die Dauer ist leistungsabhängig und liegt zwischen sechs Monaten und einem Jahr. Auch die dauerhafte Übernahme ist eine Option. Und wenn das nicht klappt, haben die Mechatroniker oder Abwassertechniker trotzdem gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt. „Wir bilden in attraktiven Berufen aus, die auch in anderen Sparten gefragt sind“, sagt Niederlassungsleiter Frank Lessig.

Mehr Bewerber gemeldet

Gerade für die umwelttechnischen Berufe geeignete Bewerber zu finden ist, schwierig. In den Top Ten der Wunschberufe stehen bei den Jungen noch immer Koch, Lagerist und Kfz-Mechatroniker ganz oben. Die meisten Mädchen wollen Verkäuferin, Bürokauffrau oder Kauffrau im Einzelhandel werden. „Es gibt 400 Ausbildungsberufe, aber die Wünsche konzentrieren sich immer auf zehn“, sagt Marlies Hoffmann-Ulrich, Chefin der Agentur für Arbeit in Oschatz. „Trotzdem sollen die Schüler nach ihren Neigungen und ihrer Eignung auswählen können. In der Berufsberatung versuchen wir, das Spektrum der möglichen Berufe zu erweitern“, ergänzt Eckehard Thau, Teamleiter Ausbildungsmarkt bei der Arbeitsagentur. Dabei ist es nicht leicht, immer den passenden Betrieb für die Schüler zu finden. In Döbeln gab es dieses Jahr 408 gemeldete Bewerber. Dem gegenüber standen 325 Stellen. „Ein gutes Verhältnis wären drei Bewerber pro Stelle“, erklärt Hoffmann-Ullrich. Das gibt es aber schon seit Jahren nicht mehr. Man rechne damit, dass es erst ab 2025 wieder deutlich mehr Schüler geben wird. Bis dahin können die Schulabgänger den Luxus genießen, die Wahl zu haben. „Manche Arbeitgeber beschweren sich schon, mit welchem Selbstbewusstsein die Jugendlichen kommen“, erzählt Marlies Hoffman-Ulrich.

Nach dem Tiefstand im vergangenen Jahr waren die Zahlen dieses Jahr schon wieder leicht gestiegen, während die der Ausbildungsstellen leicht gesunken ist. „Die Betriebe sind weiter ausbildungswillig, haben aber ihr Angebot einfach angepasst und dieses Jahr weniger Stellen gemeldet“, erklärt die Agenturchefin. Sorgen machen sich die Arbeitsvermittler auch um die vielen Schüler, die nur einen Hauptsschul- beziehungsweise gar keinen Abschluss haben. Die machen zusammen mehr als 41 Prozent der Bewerber aus. „Unser Ziel ist es, diese Schüler nicht erst in eine Warteschleife durch ein berufsvorbereitendes Jahr zu schicken, sondern sie für die Ausbildung fit zu machen“, sagt Hoffmann-Ulrich. Und es brauche ein Umdenken bei den Betrieben. Auch lernbehinderte Schüler seien für eine betriebliche Ausbildung geeignet. Zehn konnten im vergangenen Jahr vermittelt werden. Was aus denen geworden ist, weiß die Agenturchefin allerdings nicht.

123 Stellen unbesetzt

Von den insgesamt 1246 Lehrstellen, die der Agentur in Oschatz gemeldet worden sind, waren Ende September noch 123 unbesetzt. 96 Jugendliche gelten noch immer als unterversorgt. 68 davon entfallen auf den Altkreis Döbeln.

Im kommenden Jahr, wenn sich der Landkreis und die Arbeitsagentur die Betreuung der Hartz-IV-Empfänger teilen, wird die Vermittlung der Jugendlichen einfacher. Denn Kinder von Hartz-IV-Empfängern, darf die Agentur nicht betreuen. Dadurch entstehen zwei Arbeitsmärkte. Manche Unternehmen melden ihre Stellen aber nur der Agentur und wollen auch nur Bewerber von dort.