merken
PLUS Zittau

Ausbau der B178: Kein Ende in Sicht

Vor genau 20 Jahren ist der erste Abschnitt der neuen B178 freigegeben worden. Wann die komplette Trasse fertig wird, steht in den Sternen. Das ist der aktuelle Stand.

Die B178 - eine unendliche Geschichte.
Die B178 - eine unendliche Geschichte. © Rafael Sampedro (Archiv)

Zittau. Damals ging es noch ums Geld. Als am 24. Juli 2000 der erste Abschnitt der neuen B178 - die Zittauer Nordspange - für den Verkehr freigegeben wurde, hoffte Bernd Rohde vom sächsischen Wirtschafts- und Verkehrsministerium, dass der Bund zusätzliche Mittel für den Bau der Straße gibt - und sie damit 2006 fertiggestellt werden könnte. Heute weiß jeder: 2006 wurde sie nicht fertig, 2009 und 2012 auch nicht. Seitdem gibt es keine Antworten von offizieller Seite mehr auf die Frage, wann die 42,9 Kilometer lange Trasse zwischen der Staatsgrenze bei Zittau und der A4 bei Weißenberg fertig werden könnte.

Am Geld wie vor 20 Jahren liegt es nicht, dass der Bau nicht vorankommt. Sondern an der Planung, die immer wieder über- oder umgearbeitet wird und nach Ansicht der Oberlausitzer viel zu lange dauert. Sie reagieren auf die ewigen Verzögerungen mit Wut oder Galgenhumor. Viele Jahre wurde immer wieder die Scherzfrage gestellt, was wohl eher fertig wird, der Berliner Flughafen oder die B178. Nun sieht es so aus, als würden Ende Oktober die Terminals und Rollbahnen am Rande der Hauptstadt in Betrieb gehen ... Sogar ein Lied gibt es zu dieser unendlichen Geschichte. Der Refrain: "B178 - kein Anfang, kein Ende, die wird niemals fertig, die wird 'ne Legende." Von offizieller Seite heißt es zur Dauer der Bau-Vorbereitung: Die Planung muss wasserdicht sein, weil sie sonst bei Klagen von Gerichten kassiert wird. Zudem werden die Planer immer mal wieder zurückgeworfen, weil Vorgaben geändert und eingepreist werden müssen.

Sachsenbessermachen.de
Wir geben Geschichten aus Sachsen eine Bühne.
Wir geben Geschichten aus Sachsen eine Bühne.

Hinsehen, Zuhören, Lösungen finden - gemeinsam. Sachsen besser machen!

Noch fehlen zwei Abschnitte: die Verbindung von der Zittauer Nordspange bis Oderwitz sowie die Anbindung an die A4 zwischen Nostitz und Weißenberg. Der Abschnitt bei Zittau wird seit mindestens 14 Jahren vorbereitet. 2013 wurde die Planung eingestampft und neu aufgerollt. Sachsens aktueller Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) geht davon aus, dass die Landesdirektion Sachsen noch 2020 Baurecht erteilt und er im nächsten Jahr zum Spatenstich kommen kann. Experten gehen davon aus, dass sich der Abschnitt in zwei Jahren  bauen lässt. 

Wenn 2023 tatsächlich die Autos auf dem Abschnitt von Oderwitz bis Zittau rollen, wäre die bisher längste Pause beim B178-Bau vergangen - zehn Jahre ist dann kein deutsches Teilstück freigegeben worden. Die bisher kürzeste dauerte nur sechs Monate: Im Juni 2013 wurde die Neiße-Brücke bei Zittau übergeben, im Dezember die Ortsumgehung Herrnhut. 

Dann wäre noch der letzte Abschnitt offen. Wann dafür Baurecht vorliegt, ist überhaupt nicht absehbar. Begonnen wurde mit der Planung Anfang 2010. Einige Jahre später wurde auch sie gestoppt: Die eigentlich mit vier Spuren vorgesehene Strecke soll nun wegen einer Prognose, die weniger Verkehr vorhersagt als ursprünglich gedacht, doch nur dreispurig gebaut werden. Die Planung begann von vorn. Aktuell verzögert sich die Entwurfsplanung mal wieder. Zumal Weißenberg die Erweiterung eines Gewerbegebietes auf der Trasse plant.

Das sächsische Verkehrsministerium geht davon aus, dass die Deges die Entwurfsplanung nun bis Ende des Jahres vorlegt. Dann geht das Papier zum Absegnen an den Bund, der die Straße bezahlt. Danach wird der Entwurf öffentlich ausgelegt. Sollte es wider Erwarten keine ernst zu nehmenden Einwände dagegen geben und der Entwurf nicht in eine weitere Planungsschleife müssen, stehen die Genehmigungsplanung und die Ausführungsplanung an. Aus der Erfahrung der anderen Abschnitte heraus beurteilt wird es also noch Jahre dauern, bis die Lücke zur A4 geschlossen werden kann.  

Und dann ist da auch noch die Idee einer Verlängerung der B178 von der A4 bis zur A15 bei Roggosen. 2018 hatte Sachsen eine Machbarkeitsstudie beauftragt. Seite Mitte 2019 liegt sie vor. Auskunft darüber gibt es nicht. Das sächsische Verkehrsministerium und das brandenburgische Infrastrukturministerium antworten auf Fragen immer wieder: Es besteht noch Abstimmungsbedarf. Sollten sich die beiden Partner auf den Bau einigen, beginnt die Planung ...

-
- ©  SZ-Grafik

Die wichtigsten Meilensteine

Weiterführende Artikel

Klickstark: Sommerfest statt Jacobimarkt

Klickstark: Sommerfest statt Jacobimarkt

Mehr geht wegen Corona nicht. 1.000 Gäste sind beim Fest in Neugersdorf erlaubt. Einer der Beiträge aus Löbau-Zittau, über den wir am Montag berichteten.

Der lange Weg zur neuen B 178

Der lange Weg zur neuen B 178

Vor 20 Jahren hat der Bau der Straße begonnen. Fertig ist sie immer noch nicht. Die (unendliche) Geschichte des Projekts erzählen wir nun erstmals multimedial.

  • Juli 1992 Aufnahme der neuen B178 in den Bundesverkehrswegeplan
  • Juli 2000 Freigabe Ortsumgehung Zittau (Oberseifersdorf-B99)
  • November 2001 Freigabe Ortsumgehung Löbau
  • Oktober 2007 Fertigstellung B99-Staatsgrenze zu Polen (bis 2013 ohne Verkehr, da noch Sackgasse)
  • Oktober 2008 Freigabe Löbau-Nostitz und Anbindung der Ortsumgehung Hradek in Tschechien bis zur polnischen Grenze an die geplante Verlängerung der B178 durch Polen
  • November 2010 Freigabe Löbau-Obercunnersdorf
  • Juni 2013 Freigabe Neißebrücke, der Verlängerung durch Polen und des deutschen Abschnitts B99-Staatsgrenze 
  • Dezember 2013 Freigabe Ortsumgehung Herrnhut (Obercunnersdorf-Oderwitz)
  • Juli 2014 Freigabe Abschnitt von Hradek bis zur Autobahn nach Liberec/Prag bei Bily Kostel

Mehr Nachrichten aus Löbau und dem Oberland lesen Sie hier

Mehr Nachrichten aus Zittau und dem Umland lesen Sie hier

Mehr Nachrichten aus Görlitz lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Niesky lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Zittau