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B178 neu: Das sahen alte Pläne vor

Schon vor über 80 Jahren kämpfte die Region um eine Schnellstraße. Die SZ führte dazu ein Interview mit Mario Stecker, der dazu forscht.

© Thomas Christmann

Wie heute um die B178 kämpfte die Region vor über 80 Jahren um eine Schnellstraße. Und war sich uneins. Der Ex-Zittauer Mario Stecker lebt in Schwaben und erforscht die alten Straßenbau-Projekte in der Oberlausitz. Er entdeckte eine Straßenkarte, die die damaligen Pläne (Karte) zeigt. Die SZ führte 2017 ein Interview mit ihm:

© Mario Stecker

Die SZ führte 2017 ein Interview mit ihm:

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Herr Stecker, war die Autobahnanbindung Zittaus vor über 80 Jahren genauso eine "unendliche Geschichte" wie heute?  

Man kann es so sehen. Das circa 15 Millionen Reichsmark teure Projekt der Zittauer IHK hätte 1933 zur schnellen und direkten Anbindung des Zittauer Umfeldes an Dresden führen können.

Und warum kam es nicht dazu?

Weil die Entscheidungen in Dresden fielen. Der Ministerialrat und Vorstand der Straßenbaudirektion im Sächsischen Finanzministerium, Arthur Speck, seinerzeit "erster Mann" im Sächsischen Straßenbau und Erfinder der kreuzungsfreien Anschlussstelle, auch "Speck-Semmel" genannt, hatte andere Pläne für das Straßennetz der Oberlausitz.

Andere Pläne? 

Ja, dabei ging es überwiegend um finanzielle Aspekte. Anfang der 1930er Jahre erfolgte, unabhängig von der Autobahnidee, auf Kosten der Reichsregierung der Ausbau wichtiger Straßen zu sogenannten Reichsstraßen. Ende 1933 hatte der Löbauer Stadtrat die Strategie, die geplante Autobahn Dresden-Breslau näher an die Stadt zu verlegen. Speck sah hier eine Möglichkeit, auf Kosten der Reichsregierung einen Zubringer von Zittau über Löbau zu bauen.

Aber die Autobahn-Trasse war doch nicht verhandelbar?

Das war sie auch nicht. Wie Material aus dem Bundesarchiv beweist, ging Arthur Speck aber davon aus, dass man regionalen Einfluss nehmen könnte. 1935 musste er einsehen, dass dies nicht so war. Deshalb war der "Plan B" der Löbauer, wenigstens eine Autobahn-Anschlussstelle möglichst nahe ihrer Stadt zu kriegen. Bei Weißenberg.

Und hatte dieser Plan Chancen?

Speck unterstützte ihn jedenfalls und setzte auf eine "West-Umfahrung" Löbaus und eine Schnellstraße zur Autobahn. Ähnlich den derzeitigen Plänen. Gegen den Zittauer Vorschlag war er, weil er lieber ein Netz von Reichsstraßen in der Oberlausitz bauen wollte. Die von der Reichsregierung gebaut und unterhalten werden mussten. Auch sah er keinen Sinn, fast jede Ortschaft mit einer eigenen Auffahrt zu versehen.

Aber der favorisierte "B178-Ausbau" wurde ja nicht realisiert?

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1936 wurde auf Antrag Sachsens die Landstraße Löbau-Zittau zur Reichsstraße 178. Speck gelang es nicht, den Löbauer Stadtrat von einer Westumfahrung zu überzeugen. Die Stadt entschied sich 1937 für eine Stadtdurchfahrt. Weitere Ausbaupläne im Verlauf der heutigen B178, wie der Bau eines Rastplatzes bei Ottenhain, wurden nicht umgesetzt. Eine Verlängerung bis zur 1940 fertiggestellten Anschlussstelle Weißenberg erfolgte ebenfalls nicht. Zittau war mit der Lösung nicht zufrieden. Das Straßen- und Wasserbauamt konnte in den 30er Jahren lediglich einige verkehrliche Verbesserungen umzusetzen.  

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www.sächsische.de/loebau

www.sächsische.de/zittau

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