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Zittau

B178 neu: Was in den 1990ern passiert ist

Erst sollte die alte Straße ausgebaut, dann die neue vierspurig von der A4 bis Zittau gehen. Am Ende geschah - bis auf einen Spatenstich - lange Zeit nichts.

© Thomas Christmann

Anfang der 1990er Jahre begannen die Planungen für eine neue B178. Ursprünglich sollte die alte ausgebaut werden, doch das scheiterte an den Protesten aus der Bevölkerung. Der Grund: Der Verkehr wäre weiter, schlimmstenfalls verstärkt, durch die Orte gerollt. Eine neue Variante musste also her. Diese sah anfangs noch den vierspurigen Bau der Straße von der A4 bis nach Zittau vor, später dann nur noch bis Löbau. Mit der Aufnahme in den Bundesverkehrswegeplan 1992 war auch klar: Sie kommt. 

Doch auch um den Neubau formierten sich Kritiker wie die Interessengruppe Schlanke B178, die lieber die alte Strecke in Abschnitten erweitert hätte, aber genauso Befürworter wie die Interessengruppe B178 um Michael Hiltscher (CDU). Während die einen vor allem ökologische Gründe gegen die Pläne hervorbrachten, nannten die anderen besonders wirtschaftliche dafür.

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Ein Spatenstich am 9. September 1994 im Zittauer Gewerbegebiet Weinau sollte schließlich den Bau der neuen Straße einleiten. Tatsächlich aber ging sie erst einmal nur von der B99 bis zur Bahnlinie - ein eher symbolischer Anfang, mehr nicht. Denn anschließend passierte sichtbar nichts. Stattdessen folgten jahrelange Gespräche, Schreiben, Verfahren. Hinzu kam, dass auch beim Bund als Geldgeber Zweifel über die Notwendigkeit der gesamten Trasse aufkam und das Land die Planungen schleifen ließ.

Ein Problem: Der Neubau von der A4 nach Zittau sollte nicht an der Grenze enden, die Strecke über Polen und Tschechien weitergeführt werden. Mögliche Verläufe lagen vor. In Tschechien war sogar schon ein vierspuriger Abschnitt bei Liberec (Reichenberg) in Betrieb, mit Blick auf die geplante B178. Doch auf polnischer Seite passierte wenig bis nichts. Wie sich später herausstellte, favorisierte der Nachbar lange Zeit eine Nord-Süd-Autobahn vom Szczeciner (Stettiner) Hafen. Daher kam von deutscher Seite eine südliche Umfahrung Zittaus ins Gespräch, um Polen aus dem Weg zu gehen. 

"So schnell wie wir, baut in Deutschland ohnehin niemand Straßen." - Sachsens Wirtschaftsminister (1990 bis 2002) Kajo Schommer in einem SZ-Interview
"So schnell wie wir, baut in Deutschland ohnehin niemand Straßen." - Sachsens Wirtschaftsminister (1990 bis 2002) Kajo Schommer in einem SZ-Interview © Ronald Bonß

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Erst 1999 nahm das Projekt B178n erstmals richtig Fahrt auf: So startete am 22. Februar der Bau der 4,1 Kilometer langen Zittauer Nordspange, am 7. September war Spatenstich für die ebenfalls so lange Ortsumfahrung Löbau, welche die beiden Städte vom Verkehr entlasten sollten. Der Sächsische Wirtschaftsminister Kajo Schommer (CDU, † 2007) äußerte in einem SZ-Interview im Sommer des Jahres, dass so schnell wie Sachsen niemand Straßen baue und die gesamte neue B178 bis 2006 fertig sein werde. Die Prognosen auf Basis eines Verkehrsgutachtens gingen davon aus, dass bis 2015 einmal 23.000 Fahrzeuge auf der Strecke pro Tag unterwegs sein werden. Zu der Zeit waren es 12.000. Es sollte alles anders kommen.

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