merken
PLUS Görlitz

B96-Proteste: Das Nachspiel fürs Theater

Das Görlitzer Theater hatte an einer Gegendemo zu den Coronaprotesten teilgenommen. Das passte der AfD nicht. Nun spricht der Landkreis.

Caspar Sawade wechselt dieser Tage nach Lübeck.
Caspar Sawade wechselt dieser Tage nach Lübeck. © Archiv: Matthias Weber

Gegen den Geschäftsführer des Gerhart-Hauptmann-Theaters, Caspar Sawade, wird es keine Dienstaufsichtsbeschwerde geben. Das geht aus einer Antwort des Landkreises auf SZ-Anfrage hervor: "Das Verhalten eines Geschäftsführers einer privatrechtlichen Gesellschaft unterliegt nicht der Dienstaufsicht des Landrates", erklärt Kreissprecherin Julia Bjar. 

Seit Wochen stehen jeden Sonntag Demonstranten entlang der B96 zwischen Zittau und Bautzen, um gegen die Corona-Maßnahmen zu demonstrieren. Unter anderem  mit Reichsflaggen. Vorigen Sonntag ist ein Reporterteam des Spiegels von einem der Demonstranten attackiert und bedroht worden. 

JABS
JABS – Euer Zukunftsportal
JABS – Euer Zukunftsportal

Auf JABS erfahrt ihr alles, was für eure Zukunft wichtig wird und wie ihr euch am Besten darauf vorbereitet.

Theater war bei Gegendemo dabei

Einige Wochen zuvor gab es mit der "Karawane der Vernunft" eine Gegendemonstration in Form eines Autokonvois, der unter dem Motto "Paradiesvögel statt Reichsadler" über die B96 fuhr. Auch ein Fahrzeug des GHT war dabei. 

Mitte Juni fuhr die "Karawane der Vernunft" als Gegendemo über die B96.
Mitte Juni fuhr die "Karawane der Vernunft" als Gegendemo über die B96. © Carmen Schumann

Daraufhin hatte die AfD-Fraktion des Kreistages zunächst eine Anfrage gestellt. In seiner Antwort bestätigte GHT-Geschäftsführer Caspar Sawade, dass er die Teilnahme des Theaters an der "Karawane der Vernunft" genehmigt hatte und nahm Stellung: "Ich empfinde es als elementare Verpflichtung eines öffentlich getragenen Theaters, eine klare Haltung gegen demokratiefeindliche Tendenzen in der Gesellschaft einzunehmen." Gegenüber der SZ hatte er erklärt, er halte nicht alle Demonstranten der B96-Proteste für rechtsradikal, "allerdings sind dort deutlich demokratiefeindliche Symbole zu sehen. Dieser Protest ist eindeutig von Rechten unterwandert". Dagegen wolle er Position beziehen. 

Auch die "Karawane der Vernunft" war in die Kritik geraten. Offenbar war es zu Aggressionen zwischen den Teilnehmern beider Lager gekommen. Das habe er aber vorher nicht wissen können, erklärte Sawade. Die Organisatoren seien dieselben wie beim Ostritzer Friedensfest, an dem sich das GHT mehrfach beteiligte. Das Verhalten der AfD sieht er als Versuch, Künstler und Kulturschaffende einzuschüchtern, "um ihr Meinungsbild durchzusetzen".  

Caspar Sawade wechselt dieser Tage als Intendant nach Lübeck. Der Abschied seitens der AfD an ihn: ein Antrag auf Dienstaufsichtsbeschwerde beim Landkreis. "Beim GHT handelt es sich um einen Eigenbetrieb der öffentlichen Hand in der Rechtsform einer GmbH", begründete die AfD ihren Antrag. Aufgrund der Trägerschaft des Landkreises würde das staatliche Neutralitätsgebot gelten. Dagegen habe Sawade verstoßen. Die AfD wirft ihm "persönliches Fehlverhalten" vor: "Er muss dringend zur Ordnung gerufen werden. Zukünftiges Fehlverhalten seitens GHT muss wirksam unterbunden werden." 

Falsche Adresse

Allerdings sind Beschäftigte des GHT, zu denen auch der Geschäftsführer gehört, keine Bediensteten des Landkreises, erklärt Julia Bjar. Auch wenn der Landkreis Görlitz an der Theater-Gesellschaft beteiligt ist - das GHT ist als GmbH eine eigenständige juristische Person des Privatrechts und damit rechtlich eigenständig. "Entsprechend begründet die GHT eigenständige Beschäftigungsverhältnisse, die nicht der Dienstaufsicht des Landkreises Görlitz unterliegen", so Julia Bjar.  

Sawade vermutet, dass das auch Vertreter der AfD vorher wussten, "und jetzt versuchen, sich in die Opferrolle zu begeben." Vorbei ist das Thema aber nicht. Auch im Aufsichtsrat, in dem der Landkreis vertreten ist, sei die Teilnahme des GHT an der "Karawane der Vernunft" geprüft und ausgewertet worden, teilt der Kreis mit. Hier wurde das GHT nun gebeten, einen "Verhaltenskodex für öffentliche Auftritte des Theaters als Institution bei politischen Veranstaltungen" zu erarbeiten. "Ich halte das für einen Dammbruch", sagt Caspar Sawade. 

Es ist nicht das erste Mal, dass die AfD versucht, Theater und Kultur zu ihrer politischen Spielwiese zu machen. So hatten Teile der AfD gegen die Berufung des neuen Intendanten Daniel Morgenroth interveniert, der Görlitzer Stadtrat und AfD- Landtagsabgeordnete Sebastian Wippel hatte ihm einseitige politische Stellungnahme vorgeworfen, ohne dies aber belegen zu können. 

Mehr Nachrichten aus Görlitz lesen Sie hier. 

Mehr Nachrichten aus Niesky lesen Sie hier. 

Mehr zum Thema Görlitz