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Bach statt Volksmusik auf dem Akkordeon

Für die Bautzener Musikschüler Isabel Miunske und Lukas Hartmann ist Pfingstmontag ein besonderer Tag. Dann müssen sie vor einer Jury bestehen.

Von Madeleine Siegl-Mikisch

Jetzt wird es ernst, die Anspannung steigt. Am Pfingstmontag treten Isabel Miunske und Lukas Hartmann bei Jugend musiziert in Wolfenbüttel an. Als Akkordeon-Duo messen sie sich dort mit den bundesweit besten Musikschülern. Zum ersten Mal haben es Akkordeonschüler der Kreismusikschule Bautzen beim Wettbewerb bis auf Bundesebene geschafft. „Wir wollen beide ein gutes Ergebnis erreichen“, sagt Lukas Hartmann. Deshalb haben sie in der letzten Zeit neben dem Unterricht in der Musikschule fast jedes Wochenende gemeinsam geübt. „Diesmal nehmen wir das doch viel ernster“, meint Lukas. Vor drei Jahren hatten sich die beiden Schiller-Gymnasiasten schon einmal zusammengetan. „Aber da waren wir noch nicht so motiviert und sind nicht über den Regionalwettbewerb hinaus gekommen.“ Als Solisten haben sie es beide aber schon bis zum Landeswettbewerb geschafft.

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Isabel Miunske (14), die in Obergurig zu Hause ist, spielt seit neun Jahren Akkordeon. Noch im Vorschulalter hatte sie sich bei einem Tag der offenen Tür an der Bautzener Musikschule für das Instrument entschieden. Lukas ging seine ersten musikalischen Schritte auf der Melodika, einem beliebten Einstiegsinstrument für Kinder. Als er bei einem Vorspiel Akkordeonmusik hörte, „war ich total hin und weg“, erzählt der 15-jährige Bautzener. Die Eltern seien anfangs nicht so begeistert gewesen, dass er unbedingt Akkordeon lernen wollte. Die Oma dafür umso mehr. Da habe wohl auch das weit verbreitete Klischee eine Rolle gespielt, das Akkordeon immer mit Volksmusik verbindet. Doch Lukas spielt besonders gern Barockmusik. So gehört auch ein Stück von Bach zum Wettbewerbsprogramm des Duos.

„Akkordeon ist eins der schwierigsten Instrumente“, sagt Wladimir Artimowitsch. Man brauche dafür eine gute Koordination, um ohne hinzusehen die richtigen Tasten und Knöpfe zu treffen. Artimowitsch unterrichtet Isabel, seine Frau Galina ist die Lehrerin von Lukas. Das aus Weißrussland stammende Paar, das seit mehr als zehn Jahren in Dresden lebt, tritt selbst als Duo „Akkordeon Virtuosi“ auf und hat schon viele Preise gewonnen. Ihre Erfahrung geben die beiden als Musikpädagogen weiter und haben schon einige Schüler zum Erfolg geführt. Auch bei Isabel und Lukas sehen sie Potenzial. „Die beiden spielen schon auf Profiniveau“, sagt Galina Artimowitsch. Und ihr Mann ergänzt schmunzelnd: „Wir haben bei ihnen wohl das geheime Knöpfchen gefunden.“ Er meint damit vor allem, sie zum täglichen Üben motivieren zu können. Denn ohne das gehe es nun mal nicht.

Lukas hat damit keine Probleme. Er übt viele Stunden am Tag, manchmal schon früh vor der Schule. „Ich höre mir oft Stücke im Internet an und möchte sie dann auch so gut spielen können.“ Trotzdem findet er noch Zeit für ein zweites Hobby, den Standardtanz. Mittlerweile steht für den Neuntklässler fest, dass er mal Musik studieren möchte. Für Isabel, die in die achte Klasse geht, soll die Musik dagegen Hobby bleiben. Dennoch ist sie, die außerdem recht erfolgreich Judo betreibt, auch am Instrument ehrgeizig. „Beim Landeswettbewerb waren wir ziemlich nervös“, erzählt sie. „Wir wurden von der Jury auch tüchtig kritisiert. Umso mehr haben wir uns über den ersten Preis gefreut.“ Nun sind sie sehr gespannt, wie es in Wolfenbüttel ausgeht.

Zum Bundeswettbewerb fahren außerdem von der Bautzener Musikschule die Trompeter Tilmann Trittmacher, Martin Birke und Erik Schüller, die zusammen mit Hanna Schneider von der Kreismusikschule Dreiländereck als Bläserensemble auftreten. Ihr Lehrer ist Thomas Becker.