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Bad Muskauer Politiker lässt sich auf einen Perspektivwechsel ein

Thomas Baum arbeitet als Pfleger auf Zeit im Fliedner-Haus im Martinshof Rothenburg.

Von Rolf Ullmann

Langsam und behutsam reicht Thomas Baum die Kaffeetasse hinüber zu der älteren Dame, die bereits einige Jahre im Fliedner-Haus, der Pflegestätte für Demenzkranke, lebt. Ruhe und Gelassenheit bestimmen die Atmosphäre hier im großen Aufenthaltsraum des Hauses. „Unsere Mitarbeiter nehmen sich viel Zeit und bringen ebenso viel Geduld im Umgang mit den pflegebedürftigen Menschen auf“, erklärt Schichtleiter Henri Weniger dem SPD-Politiker, der für einen Tag als Pflegekraft im Fliedner-Haus arbeitet. Jede Hektik, die kleinste Unruhe überträgt sich schnell auf die gesamte Gruppe und stört das Zusammenleben. Jens Medack, der Qualitätsmanager in der Altenpflege, bekräftigt mit dieser Äußerung die Erläuterungen des Schichtleiters.

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„Als wir über den Einsatz von Thomas Baum sprachen, haben wir uns mit voller Absicht für diese Bereich der Altenpflege entschieden. Denn dieser stellt eine ganz besondere Herausforderung und Anforderung an die Betreuer dar“, sagt Jens Medack in einem zwanglosen Gespräch am Ende des Einsatzes. In der Tat stellt dieser die Welt für Thomas Baum für einige Stunden auf den Kopf. Denn als Diplomingenieur für Straßenbau und Verkehrsplanung in Dresden hatte er sich, wie er selbst sagt, mit den Problemen der Altenpflege bisher nur wenig befasst. „Es ist totales Neuland für mich, und so habe ich das Angebot der Freien Wohlfahrtspflege, einmal die Perspektive zu wechseln, auch gern angenommen“, sagt der in Bad Muskau lebende SPD-Politiker. Thomas Baum kandidiert übrigens im Wahlkreis 57, im nördlichen Teil des Landkreises Görlitz für die Wahlen zum Sächsischen Landtag. Seinen Einsatz im Fliedner-Haus wird er nicht so schnell vergessen. Seine Erlebnisse kleidet der Pfleger auf Zeit in die Worte: „Mich hat besonders beeindruckt, mit welcher Ruhe und mit wie viel Einsatz und Liebe die Pflegekräfte ihre Aufgabe bei der Betreuung der Bewohner hier im Haus erfüllen.“ Bei mir muss es im Beruf immer ruckzuck gehen, stehen knallharte Termine, die erfüllt werden müssen, fügt er noch hinzu. Nun, Hektik hat hier nichts zu suchen, vielmehr ist angesagt, sich Zeit zu nehmen für den Umgang mit den Hausbewohnern, das bemerkt Thomas Baum sehr schnell.

Vier Fachkräfte am Tag und drei bis vier in der Spätschicht sorgen sich ständig um das Wohl der 25 Bewohner. Sie kommen aus unterschiedlichen Orten des Landkreises. Sie sind zwischen 25 und 98 Jahren alt. Eine Tatsache eint sie aber – und diese besteht in der Diagnose Demenz.

Auch mit diesem speziellen Problem in der Altenpflege hatte sich Thomas Baum bis dahin nur wenig befasst. Nun weiß er, wie viel Geduld notwendig ist, um den Pflegebedürftigen das Essen zu reichen. Er hat aber auch erfahren, wie dankbar die Frauen und Männer, die im Fliedner-Haus leben, für jede Zuwendung zu ihnen, sind. „Es war ein tolles Gefühl, ihnen ein Lächeln auf das Gesicht zu zaubern“, sagt er, als 45 Minuten schweißtreibendes Ballspielen im Innenhof des Hauses hinter ihm liegen. Er gehe mit einem sehr guten Gesamteindruck von hier wieder weg, betont Thomas Baum, als er sich dann am frühen Abend von Jens Medack sowie den Betreuern im Fliedner-Haus verabschiedet.