merken
PLUS

Großenhain

Badplaner ist abgetaucht

Die Stadt will viel Geld für den Baupfusch am Naturbad in Großenhain. Doch das wollen auch viele andere.

Abgetaucht. Was unser Schwimmer fürs Bild symbolisch tut, hat der frühere Naturbadplaner Rainer Grafinger jetzt wirklich gemacht – er ist wahrscheinlich in Thailand untergetaucht und nicht zu greifen. Anders als in anderen Städten war Grafinger in Großenh
Abgetaucht. Was unser Schwimmer fürs Bild symbolisch tut, hat der frühere Naturbadplaner Rainer Grafinger jetzt wirklich gemacht – er ist wahrscheinlich in Thailand untergetaucht und nicht zu greifen. Anders als in anderen Städten war Grafinger in Großenh ©  Anne Hübschmann

Großenhain. Die Stadt droht: „Wenn es zu keiner gütlichen Einigung im Badstreit kommt, klagen wir.“ So lautet die Botschaft, die der Stadtrat mit seiner Entscheidung nun kundtut. 

Allein die Zahlen offenbaren, um welche Dimension es bei einem Gerichtsverfahren um Planungsmängel im alten Naturerlebnisbad gehen würde: Schäden, einschließlich Umplanungen und Baunebenkosten von rund 2,9 Millionen Euro. Aufgelaufene Gerichts- und Sachverständigenkosten in Höhe von rund 263.000 Euro zum Stand 14. August 2018. Seitdem dürfte sich der Zähler der Kostenuhr unaufhaltsam weitergedreht haben.

Anzeige
Du warst noch nicht im Autokino?
Du warst noch nicht im Autokino?

Dann ab ins Ostragehege Dresden! Mega-Leinwand. Super Sound. Echtes Feeling – Noch bis 30. Juni

Nur um beim Landgericht Dresden eine entsprechende Klage einzureichen, muss die Stadt Großenhain einen Gerichtskostenvorschuss von rund 38.000 Euro auf den Tisch legen. Doch der Stadt bleibt auch gar nichts anderes übrig, als ernst zu machen. Der Umbau, faktische Neubau des Bades, hat bekanntlich gut 3,3 Millionen gekostet und damit knapp eine Million Euro mehr als zunächst geplant. Schon dafür hatte es jede Menge Kritik von den Stadträten gehagelt.

 Wenn Großenhain jetzt noch auf den Mängeln finanziell sitzenbleibt, dürfte es noch unangenehmer werden. Doch im Hintergrund bahnt sich neues Ungemach an. Die Frage ist nur für wen? Denn Naturbad-Planer Rainer Grafinger ist abgetaucht und wird international gesucht. Vermutlich ist er in Thailand untergetaucht.

Er hat sich genau in dem Moment den deutschen Gerichten entzogen, als es ernst wurde. Als der Richter am Landgericht Heidelberg im Prozess „Neckargemünd gegen Rainer Grafinger“ nach einer Adresse von Grafinger fragte, musste dessen Anwalt passen. Der Planer soll in Neckargemünd mit rund 800.000 Euro für den Großteil des Schadens am dortigen Bad verantwortlich sein. Seine Haftpflichtversicherung steht jedoch nur für Schäden bis 300.000 Euro ein. 

Ein Fakt, der auch bei anderen Städten nachzulesen ist, die Grafinger verklagt haben und ein Fakt, der Fragen aufwirft. Kann Großenhain also bestenfalls mit dieser Summe rechnen? Rathaus-Sprecherin Diana Schulze erklärt: „Wir verklagen den Haupt-Auftragnehmer der Landesgartenschau – das Planungsbüro Jürgen Weidinger – er hat Rainer Grafinger für den Teil „Naturbad“ nur als Subunternehmer beauftragt.“ Das könnte für Großenhain der kleine, aber entscheidende Unterschied zu allen anderen geschädigten Städten sein.

Die Stadt Neckargemünd konzentriert sich indes darauf, wenigstens 300 000 Euro von Grafingers Haftpflichtversicherung zu bekommen. Auch andere bemühen sich, ihr Geld wiederzubekommen: Die Mittelbayerische Zeitung berichtete kürzlich, dass das Gerichtsverfahren um das Naturbad „Inselbad“ in Bad Abbach beendet sei. Auch dort ist Rainer Grafinger involviert. Das Blatt zitiert den stellvertretenden Bürgermeister der Gemeinde, Christian Hanika: Bei 1,6 Millionen Euro liege der Schaden, der entstanden ist. Zu Lasten des Planers Rainer Grafinger sei eine Million Euro des verursachten Schadens angesetzt worden. Diesen Betrag werde die Kommune von Grafinger einfordern. Der ist nun verschwunden. Ausgang fraglich.

Doch auch das Büro Weidinger in Berlin zögert. Mit der Begründung, die Haftpflichtversicherung des Planungsbüros habe sich bisher nicht dazu geäußert, haben die Anwälte bisher jegliche Vergleichsverhandlungen mit Großenhain abgelehnt, ohne sie jedoch auszuschließen.

Die Liste der Städte, die seit Jahren kämpfen, gleicht nahezu der der Referenzprojekte auf Grafingers Internetseite. Auch die SZ versucht, im Büro in Bergkirchen jemanden zu erreichen, doch die Festnetznummer ist abgestellt. Die persönliche Handynummer von Rainer Grafinger „nicht vergeben“. Dafür ist auf der Seite „Bio? Logisch.“ zu lesen, dass der gebürtige Österreicher seit über 20 Jahren erfolgreich in der Schwimmteichbranche arbeitet.

Er gehört zu den wenigen Sachverständigen und Funktionäre der Naturbad-Szene. Gutachten gegen ihn aufzubieten, war an sich schon ein Kraftakt. Kaum ein anderer Planer hat das gewagt oder aber gekonnt. Selbst der Tüv-Süd gab in den nun bald 17 Jahren Beweissicherungsverfahren zu Planungsfehlern im Großenhainer Naturbad im Jahr 2011 resigniert auf.

Und doch hat Großenhain einen neuen, weiteren Gutachter gefunden, der die Sache endlich zu Ende brachte und alles bestätigt, was die Jahre immer gesagt wurde. Planer Rainer Grafinger hat offenbar die technischen Anlagen nicht richtig dimensioniert. Doch 1,8 Millionen Schadensersatz zu bekommen, ist eine andere Sache.

Mehr zum Thema Großenhain