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Beim Bäcker um die Ecke einkaufen

Die Bäckereien in Radebeul, Coswig, Weinböhla und Moritzburg sind jetzt besonders auf die Kunden aus dem Ort angewiesen.

Beim Bäcker Liebscher in der Radebeuler Hauptstraße sollen die Kunden einzeln eintreten.
Beim Bäcker Liebscher in der Radebeuler Hauptstraße sollen die Kunden einzeln eintreten. © Arvid Müller

Vergangene Woche sorgte die Videobotschaft eines Bäckermeisters aus Hannover im Internet für Aufregung. Eindringlich und unter Tränen rief er die Kunden dazu auf, trotz der Corona-Krise weiterhin den Bäcker vor Ort zu unterstützen, damit lokale und kleine Betriebe überleben können.  

Auch  Bäckereien in Radebeul und Umgebung sind jetzt besonders auf  Kunden angewiesen, die ihnen die Treue halten. Obwohl sie im Gegensatz zur noch härter getroffenen Gastronomie nicht schließen mussten, leicht sind die Zeiten auch für die Bäcker nicht.

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"Wir würden uns riesig freuen, wenn die Leute vor Ort einkaufen", sagt Karsten Liebscher, Obermeister der Bäckerinnung Meißen.  Er selbst betreibt Filialen in Weinböhla, Radebeul, Moritzburg und Coswig und bezeichnet es als "großes Glück", dass das Bäcker-Gewerk noch arbeiten darf. Bisher sei ihm  noch kein Betrieb im Landkreis bekannt, der schließen musste. 

Dass der Verkauf in dieser Woche zurückgegangen ist, merkt er aber auch in seinen eigenen Geschäften. Seit die strengeren Begrenzungen gelten und in den Cafés nicht mehr bedient werden darf, brechen Einnahmen weg. Auch Lieferungen an Gastronomiebetriebe sind weggefallen, Hochzeitstorten werden nicht mehr bestellt.

Abstandhalten auch in der Backstube

Im Geschäft auf der Hauptstraße 20 in Radebeul steht schon an der Eingangstür eine Tafel mit Hinweisen für die Kunden. Sie sollen einzeln eintreten, weil die Filiale ziemlich klein ist. Auch die Verkäuferinnen halten Abstand, so gut es eben geht. Im Moritzburger Geschäft ist das noch etwas leichter. Dort ist der Bereich vor der Theke größer, auf dem Boden sind Markierungen geklebt, damit die Leute nicht zu eng in der Schlange stehen.

Auch in der Produktion achten sie jetzt auf mehr Abstand in der Backstube, sagt Liebscher. Sein Team in verschiedene Schichten aufteilen, so wie es größere Unternehmen machen, damit nicht alle Mitarbeiter von einer möglichen Quarantäne betroffen sind, geht bei ihm aber nicht. Dafür ist der Bäckereibetrieb zu klein. 

Drive-in jetzt viel genutzt

Besonders gefragt ist derzeit der Drive-in der Bäckerei Claus in Neusörnewitz, wo man die Backwaren direkt ins Auto gereicht bekommt, ohne das Geschäft betreten zu müssen. Viele nutzen diesen Service derzeit gerne, sagt Steffi Claus. Aber insgesamt sei das Kaufverhalten der Leute zurzeit nur schwer einschätzbar. Vergangene Woche wurde auch in ihren Filialen noch vergleichsweise viel gekauft, vor allem Brot. In den letzten Tagen sei das aber spürbar zurückgegangen. Das macht es für die Bäckersleute schwerer planbar. 

Besonders gefragt zurzeit: Der Drive-i der Bäckerei Claus in Neusörnewitz. Hier werden die Backwaren direkt ins Auto gereicht.
Besonders gefragt zurzeit: Der Drive-i der Bäckerei Claus in Neusörnewitz. Hier werden die Backwaren direkt ins Auto gereicht. © Arvid Müller

Manche Geschäftszweige sind komplett weggebrochen, wie das Frühstück in den Cafés und der Eisverkauf. Auch belegte Brötchen bekommt die Bäckerei weniger los, weil viele Arbeitnehmer, die sonst früh oder in der Mittagspause ihren Proviant besorgten, nun von zu Hause arbeiten.

Erschwerend hinzukommt, dass derzeit 18 Mitarbeiter fehlen, weil sie ihre Kinder zu Hause betreuen müssen und deshalb nicht zur Arbeit kommen können. Home-Office, das ist im Bäckereigewerbe nicht möglich. "Wir sind in der glücklichen Lage, dass wir insgesamt noch arbeiten können, aber wir mussten abwägen, wie wir mit der Situation umgehen", sagt Steffi Claus. 

In der Konsequenz wurde vorübergehend die Dresdner Filiale an der Bremer Straße geschlossen, weil dort besonders viele Kunden, die normalerweise in der Nähe arbeiten, weggefallen sind.

Dankbar für Verständnis der Kunden

Die Zeiten sind nicht leicht, sagt auch Bäcker Heiko Trepte aus Radebeul. Ihm mache aber Mut, dass die Kunden so verständnisvoll sind. Bisher gab es niemanden, der sich nicht an die Regeln gehalten hat, zum Beispiel, dass immer nur zwei Leute gleichzeitig im Geschäft stehen dürfen. Bei vielen sei jetzt auch das Bewusstsein größer geworden, wie gut es ist, wenn es noch kleine Bäckereien vor Ort gibt. Am letzten Wochenende kamen auch Leute in die Bäckerei, die vorher noch die dort gekauft haben.

Nachgefragt werden hauptsächlich Brot, Brötchen und Blechkuchen. Osterleckereien, die sonst um diese Zeit schon gut gehen, möchte hingegen kaum jemand derzeit kaufen. Auch bei Treptes läuft der Absatz derzeit sprunghaft. An manchen Tagen in der letzten Woche waren sie komplett ausverkauft, an anderen wurde nicht viel verkauft.

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Für den Familienbetrieb wäre es fatal, wenn die Bäckerei wegen einer Corona-Infektion schließen müsste. Deshalb und zur Sicherheit der Kunden wird penibel auf Hygiene geachtet. Dazu gehört auch das Desinfizieren der Eingangstür.  Die Kunden geben das Geld  auch nicht mehr in die Hand, sondern legen es auf den Tresen. In dem Moment treten die Verkäuferinnen  einen Schritt zurück. "Wir versuchen, unser Bestes zu tun", sagt Heiko Trepte.

Einstimmig ist von den Bäckern zu hören, dass es bisher keine Lieferengpässe gibt. Vom Großhandel bekommen die Betriebe zuverlässig ihre Zutaten.

Zum Thema Coronavirus im Landkreis Meißen berichten wir laufend aktuell in unserem Newsblog!

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