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Bäcker Wetzig wird Bäcker Merzdorf

Derzeit ist der große Backofen an der Hauptstraße kalt und das Geschäft verwaist. Bald gibt es wieder Eierschecke und mehr.

Von Elke Braun
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Bis zum Jahreswechsel haben Günter Wetzig (rechts) und seine Frau Evelyn die gleichnamige Bäckerei an der Waldheimer Hauptstraße geführt, nun übernimmt die Beichaer Bäckerfamilie Merzdorf.
Bis zum Jahreswechsel haben Günter Wetzig (rechts) und seine Frau Evelyn die gleichnamige Bäckerei an der Waldheimer Hauptstraße geführt, nun übernimmt die Beichaer Bäckerfamilie Merzdorf. © Dietmar Thomas

Waldheim. So viel steht fest: Auf die beliebte Eierschecke von Bäcker Wetzig müssen die Kunden auch künftig nicht verzichten. „Begehrte Produkte wird es auch weiterhin geben“, verspricht der Bäckermeister, der mit dem Jahreswechsel seine Backstube geschlossen hat und seinen Ruhestand antritt. 

Auch die Quarktorte, die ebenfalls sehr gerne gekauft wurde, wird wieder hergestellt und das nach dem altbewährten Rezept. Nach nur wenigen Tagen der Übergabe wird in der Nacht zum Dienstag der Backofen wieder angeworfen.

Die in Beicha ansässige Bäckerfamilie Merzdorf übernimmt die Backstube mit dem dazugehörigen Ladengeschäft. „Mein Bruder Jörg wird hier backen, und meine Frau Kerstin Löwe sowie eine Verkäuferin werden die Kunden bedienen“, erklärt Bäckermeister Gunther Merzdorf. 

Mit der in der Backstube vorhandenen Technik hat sich Jörg Merzdorf sich schon vertraut gemacht, damit am Dienstag alles klappt. Günter Wetzig ist zuversichtlich. „Der kriegt das hin. Er kommt sehr gut zurecht und arbeitet flott.“

Wetzig ist froh, dass es mit der Übergabe des alteingesessenen Familienbetriebes so gut geklappt hat. „Ich hatte sogar drei Interessenten“, sagt er. Dass er sich letztlich für Merzdorfs entschied, ist eine lange Geschichte, die bis in die Kindheit der beiden Bäckermeister zurückreicht. „Mein Vater Helmut ist der Patenonkel von Günter“, sagt Gunther Merzdorf. 

Außerdem arbeitete Helmut Merzdorf als Geselle bei Günter Wetzigs Vater Herbert. Die Familien hatten schon immer engen Kontakt. „Ich habe Günter immer um seine Matchbox-Autos beneidet“, sagt der Beichaer Bäcker und lacht. In der Wendezeit absolvierten die beiden Männer gemeinsam die Meisterschule, die sie 1991 abschlossen.

Gunther Merzdorfs Bruder Jörg, der die Backstube übernimmt, ist Geselle. Er hat bisher den Verkaufswagen für die Beichaer Bäckerei gefahren. „Wir haben nun eine neue Verkaufsfahrerin eingestellt“, so Gunther Merzdorf. Wenn seine Frau Kerstin Löwe in Waldheim ist, übernimmt er in dieser Zeit selbst den Verkauf im Beichaer Geschäft. 

Ansonsten habe in Waldheim so gut wie nichts verändert werden müssen. „Die Backstube und das Geschäft sind bestens in Schuss und ein fester Kundenstamm vorhanden“, so Merzdorf.

Geöffnet ist das Geschäft künftig von Dienstag bis Freitag durchgehend von 6.30 bis 17 Uhr und sonnabends von 6 bis 10 Uhr. „Mit der durchgehenden Öffnungszeit passen wir uns der benachbarten Fleischerei an“, sagt Merzdorf.

Innere Uhr streikt noch

Günter Wetzig ist derweil dabei, seine innere Uhr umzustellen. Bis zum Jahreswechsel ist er täglich gegen 19.30 Uhr schlafen gegangen. Denn schon gegen 1 Uhr oder manchmal noch früher klingelte der Wecker. „Das macht mir momentan noch zu schaffen, aber es wird sich schon einpegeln.“ Seiner Frau Evelyn, die immer mit in der Backstube stand, fällt die Umstellung nicht so schwer.

Extrem verändert hat sich nach Wetzigs Meinung das Kaufverhalten im Vergleich zur Zeit vor der Wende, an die er sich noch sehr gut erinnert. „Damals haben noch alle Schnitten mit zur Arbeit oder in die Schule genommen. Wir haben so viele Brote gebacken und es gab so viele Bäcker in Waldheim. Trotzdem haben wir die Nachfrage manchmal nicht befriedigen können.“ 

Die Leute seien oft sogar mehrmals am Tag zum Bäcker gekommen. Früh gab es als erstes die Brötchen, gegen 11 Uhr das Brot und nachmittags, wenn die Leute aus Hartha von der Arbeit kamen, nahmen sie noch Kuchen mit nach Hause. Heute müsse man schon bei der Öffnung des Geschäftes möglichst alle Produkte vorrätig haben.