merken
PLUS Zittau

Was wird aus der Johannisstraße 7?

Delphine Peroche wollte mit ihrem Partner das fast 300 Jahre alte Wohnhaus in Zittau auf Vordermann bringen. Doch danach sieht es nicht mehr aus.

Die Architektin Delphine Peroche und ihr Partner Robert Hennig wollten das letzte unsanierte Haus in der Johannisstraße in Zittau auf Vordermann bringen. Doch nun gibt es viele Fragen um das Vorhaben?
Die Architektin Delphine Peroche und ihr Partner Robert Hennig wollten das letzte unsanierte Haus in der Johannisstraße in Zittau auf Vordermann bringen. Doch nun gibt es viele Fragen um das Vorhaben? © Matthias Weber/photoweber.de

Mit viel Optimismus haben Delphine Peroche und Robert Hennig ihr Bauprojekt begonnen. Das letzte unsanierte Haus in der Zittauer Johannisstraße, die Nummer 7, sollte auf Vordermann gebracht werden werden. Kleinere Arbeiten haben sie bereits in Eigenleistung erledigt. Doch nun ruht der Bau. Und wie es weitergeht, ist derzeit noch völlig offen. 

Das im 17. Jahrhundert erbaute Wohnhaus nicht weiter verfallen lassen, sondern es erhalten und wieder beleben, das sei immer noch das Ziel, meint die aus Frankreich stammende Architektin, die seit über 25 Jahren in Deutschland lebt. Wie dieses Ziel erreicht wird, ist momentan ungewisser als noch vor einigen Monaten.

Bauen und Wohnen
Wohnen Sie noch oder bauen Sie schon?
Wohnen Sie noch oder bauen Sie schon?

Hier finden Sie alles, was Sie fürs Sanieren, Renovieren oder Bauen Ihrer eigenen vier Wände brauchen.

Als großer Investor hatte sich Delphine Peroche nie gesehen. Mit einem relativ kleinen Budget wollten sie und ihr Partner die Johannisstraße 7, die vielen Zittauern als ehemalige Bäckerei Svehla bekannt ist, wieder hübsch machen. Um das Vorhaben umzusetzen, hatten sie eine Förderung bei der Stadt Zittau in Höhe von knapp 350.000 Euro beantragt. Diese Mittel aus dem Bund-Länder-Programm "Städtebaulicher Denkmalschutz" will sie nun aber nicht in Anspruch nehmen, sagt die 48-Jährige. Die Auflagen seien zu umfangreich, begründet Frau Peroche ihre Entscheidung, die für sie definitiv ist.

Mögliche Option: Verein gründen

Ob sie das Haus mit eigenem Geld weiter saniert, überlege sie noch. Gleichzeitig gebe es aber auch andere Ideen. So könnte sie sich vorstellen, dass ein Verein zum Erhalt der Johannisstraße 7 gegründet wird. Mieter und Nutzer könnten dann das Gebäude in Eigenregie auf Vordermann bringen und dafür vielleicht Mieterlass über eine bestimmte Zeit bekommen. Unter Fachleuten wird das auch "betreutes Bauen" genannt. 

Projekte solcher Art sind andernorts bereits erfolgreich gelaufen. Delphine Peroche prüft momentan, ob sich die jeweilige Umsetzung auch in Zittau realisieren lässt. Sie will auch aus den Erfahrungen der anderen lernen.

Parallel dazu sucht die Hauseigentümerin einen neuen Mieter für das Erdgeschoss. Zuletzt wurde hier zehn Jahre lang Mode, Schmuck und Accessoires verkauft. Als Delphine Peroche die Johannisstraße 7 erwarb, sah alles danach aus, dass die Ladeninhaberin, die gleichzeitig die Vorbesitzerin des Hauses war, das Geschäft als Mieterin weiter betreibt. Doch im Januar entschied sie sich dann, beruflich neue Wege zu gehen und den Laden aufzugeben. Für die neue Hausbesitzerin brach damit auch eine sichere Einnahme weg.

Nun will die Architektin, die durch Zufall im Internet auf das Haus in Zittau gestoßen war, die Suche nach einem neuen Ladenmieter über ein Maklerbüro intensivieren. Denn mit den Mieteinnahmen sollen wenigstens die laufenden Kosten gedeckt werden.

Wiederverkauf ist auch eine Option

Der erneute Verkauf der Johannisstraße 7 sei ebenfalls eine eventuelle Option, erklärt Delphine Peroche. Solange sie selbst noch nicht endgültig entschieden hat, welche der Varianten - ob Vereinsgründung oder Verkauf - zum Tragen kommt, wird auch erst mal nicht weitergebaut. 

Derzeit könnten sie sowieso nicht starten, weil noch keine Genehmigung vom Denkmalschutz vorliegt. Weil es einen Chefwechsel bei der Denkmalpflege gegeben hatte, war das Verfahren zwischenzeitlich gestoppt worden. Ein Vor-Ort-Termin mit der neuen Behördenleitung in der Johannisstraße 7 war aufgrund der Corona-Pandemie erst vor zwei Wochen möglich.

Sobald wieder gebaut werden kann, müssten die Fenster als Erste erneuert werden, sagt Delphine Peroche. Das Dach des gut 300 Jahre alten Gebäudes mit seiner markanten roten Außenfassade war bereits von den Vorbesitzern dicht gemacht worden. Sie wollten es eigentlich auch komplett sanieren. In Abstimmung mit der Stadt Zittau und der Zittauer Stadtentwicklungsgesellschaft mbh wurde damals ein Fördermittelvorhaben angeschoben. Die Modernisierung und Instandsetzung scheiterte jedoch an der Sicherstellung der Gesamtfinanzierung.

Mehr Nachrichten aus Zittau und Umgebung lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Zittau