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Bäckerei verdrängt Bäume

Der Betrieb baut in Leupoldishain auf Grünfläche. Zum Ausgleich muss er neu pflanzen. Doppelt so viel, wie bebaut wird.

Von Ines Mallek-Klein

Die gelben Flecken werden immer weniger. Mit dieser Farbe sind in der Karte des Gewerbeparks „Sächsische Schweiz“ all jene Flächen markiert, die noch zum Verkauf stehen. Alles, was türkis leuchtet, ist oder wird in der nächsten Zeit bebaut. Die Farbe Grün hat der Zweckverband ausgewählt, um Wege und Grünflächen zu markieren. Letztere sind vor allem im nördlichen Teil des Gewerbegebietes massiv geschrumpft. Dort baut die Landbäckerei Schmidt neu (SZ berichtete). Bagger graben sich durch das feuchte Erdreich. Dort, wo noch vor wenigen Wochen junge Bäume standen, sollen ab September 2014 Brote und Kuchen gebacken werden.

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Der Standort der neuen Bäckerei, nur einen Steinwurf von der B 172 entfernt, war ursprünglich als Ausgleichsfläche reserviert. Die wird vom Gesetzgeber verlangt, wenn zum Beispiel beim Bau eines Gewerbegebietes durch Straßen und Werkhallen große Flächen versiegelt werden.

Rainer Frenzel, Abteilungsleiter Bau im Landratsamt Pirna bestätigt, dass die Landbäckerei Schmidt auf einem Areal baut, das im ursprünglichen B-Plan als Ausgleichsfläche vorgesehen war. Die Mitglieder des Zweckverbands Gewerbepark Sächsische Schweiz haben deshalb Ende vorigen Jahres den Bebauungsplan geändert und die Grünfläche zum Bauen freigegeben. Damit sei eine Ansiedlung auf der grünen Wiese verhindert worden, so Frenzel. Zudem war der ökologische Wert des Areals noch nicht sehr ausgeprägt, da es sich weder im Landschaftsschutzgebiet noch im Bereich des Nationalparkes befindet. Das ist aber erst seit 1993 so. Damals erfolgte, gegen den Protest der Naturschützer, die Herauslösung der gesamten Fläche des Gewerbeparks aus dem Schutzbereich. Im Gegenzug hat sich der Zweckverband verpflichtet, die Gewerbefläche auf 17 Hektar zu beschränken. Ansiedlungen dürfen eine Mindesthöhe nicht überschreiten, sodass sie im Rundblick von der Festung Königstein durch den dazwischenliegenden Wald verdeckt werden. Und die Gewerbeflächen liegen mindestens 40 Meter entfern von der B 172. Das Landratsamt bestätigt, dass für den Bau der Bäckerei nun andernorts Ausgleichsmaßnahmen erfolgen werden. Für jeden genutzten Quadratmeter müssen an anderer Stelle zwei Quadratmeter aufgeforstet oder naturnah gestaltet werden. Entsprechende Flächen sind in Absprache mit dem Sachsenforst auch schon reserviert worden, so Rainer Frenzel.

Die Idee, in Leupoldishain einen Gewerbepark entstehen zu lassen, geht bis in das Jahr 1990 zurück. Es dauerte allerdings, bis sich mit Königstein,Wehlen, Bad Gottleuba-Berggießhübel und der Gemeinde Gohrisch die Mitglieder des Zweckverbandes zusammengefunden hatten. Die erschlossenen Flächen sollten damals 200 D-Mark pro Quadratmeter kosten. Das Interesse war gering, sodass man die Ausbaustandards im Gewerbegebiet und die Preise deutlich senkte. Heute sind hier Flächen ab zehn Euro pro Quadratmeter zu haben.

Die Landbäckerei lässt nicht als einzige Firma die Bagger rollen. Die Ehrlich Werkzeug- und Gerätebau GmbH errichtet in der Nachbarschaft ihre Kunststoffspritzerei. Das Unternehmen liefert Spritzteile an die Autoindustrie. Von den 100 Beschäftigten wird im Frühjahr die Hälfte von Pirna-Copitz nach Leupoldishain umziehen. Die teilweise Produktionsverlagerung kostet die Firma rund vier Millionen Euro.